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Waqf: Wie eine islamische Stiftung ein halbes Land trug

Bis zur Hälfte des Bodens im vorkolonialen Algerien war als Waqf gebunden. Wie diese Stiftungen funktionierten, wie Frankreich sie beseitigte und was heute daraus wird.

MS M. Samy Adamou
12 Min. Lesezeit
Waqf in Algier: die Große Moschee Djamaa El Kebir und die Neue Moschee
Djamaa El Kebir und Djamaa El Djedid in Algier. Beide Moscheen waren als Waqf gebunden. Foto: Habib kaki, CC0.

Am 22. Juni 1866 ging al-Hadsch Abd ar-Rahman Ibn Ali al-Qinai in Algier zum Richter. Zweimal verheiratet, zweimal geschieden, keine Kinder mehr am Leben. Sein Vermögen, über 611.000 Francs, band er unwiderruflich fest. Der Ertrag sollte an „die Armen unter den Muslimen in Algier gehen, die wegen Krankheit, Blindheit, dem Verlust eines Gliedes oder wegen ihres Alters nicht mehr verdienen können".

Was er festband, steht in der Akte: die Mieten aus 27 Wohnhäusern, dazu Läden und ein öffentliches Hammam in Algier, 38 Hektar Ackerland in Birkhadem, Blida, El-Biar und Kouba, außerdem Bücher, Perlen und Edelsteine.

Diese Urkunde war ein Waqf, eine islamische Stiftung nach religiösem Recht. Sieben Jahre später zählte sie nichts mehr. Am 26. Juli 1873 schaffte Frankreich mit dem Gesetz Warnier das islamische Eigentumsrecht in Algerien ab. Al-Qinais Stiftung existierte rechtlich nicht länger, sein Vermögen ging an ein französisch geleitetes Wohlfahrtsbüro. Die Armen bekamen weiter Hilfe, im ersten Jahr behandelte man dort 2.343 Kranke und unterstützte 1.268 Familien. Aber der Direktor war Franzose, das Verwaltungspersonal auch, der Arzt ebenfalls. Bezahlt aus dem Geld eines algerischen Muslims, der etwas anderes gewollt hatte.

Die Geschichte dieser einen Urkunde erzählt in klein, was mit einem ganzen System passiert ist. Und sie erklärt, warum es commonsplace gibt.

Was ein Waqf ist

Ein Waqf, im Plural awqaf, im Maghreb Habous genannt, ist eine islamische Stiftung nach religiösem Recht. Im Deutschen sagt man auch fromme Stiftung. Das arabische Wort habasa bedeutet festbinden, und genau das geschieht: Jemand nimmt Besitz aus dem normalen Rechtsverkehr heraus. Verkaufen, vererben, verschenken geht nicht mehr. Nur die Erträge fließen, dauerhaft, an den Zweck, den der Stifter bestimmt hat.

Der maßgebliche Beleg stammt aus dem 7. Jahrhundert. Umar ibn al-Chattab erhielt Land in Chaibar und fragte den Propheten, was er damit tun solle. Die überlieferte Antwort, festgehalten bei Buchari und Muslim, lautet sinngemäß: habs al-asl wa tasbil ath-thamara, halte den Grundbesitz fest und lass die Früchte fließen. In diesem einen Satz steckt das ganze Prinzip. Ein weiteres frühes Beispiel ist der Brunnen Bir Ruma, den Uthman ibn Affan kaufte und der Gemeinschaft öffnete.

Drei Dinge machen eine solche Stiftung aus: ein erlaubter Zweck, die Erklärung, dass sie für immer gelten soll, und ein Verwalter, der sie führt. Registriert wurde beim Qadi, dem Richter.

Das islamische Recht kennt mehrere Formen. Der Waqf khairi dient der Allgemeinheit, etwa einer Moschee oder einer Schule. Der Waqf ahli versorgt die eigene Familie über Generationen. Beim Waqf mushtarak läuft beides nebeneinander.

Al-Qinai ließ seine Urkunde bewusst nach hanafitischer Auslegung aufsetzen, obwohl in Nordafrika die malikitische Rechtsschule vorherrschte. Der Grund liegt beim Familien-Waqf: Die hanafitische Lesart erlaubte ihm, zu Lebzeiten einen Teil der Nutzung zu behalten. Muslime im osmanischen Nordafrika suchten dafür gezielt einen hanafitischen Qadi auf. Beim gemeinnützigen Waqf gilt diese größere Freiheit nicht, dort unterscheiden sich die Schulen kaum.

Wie groß dieses System wirklich war

Die Zahl bleibt abstrakt, wenn man nicht kurz innehält. Im vorkolonialen Algerien war bis zur Hälfte des landwirtschaftlich genutzten Bodens als Waqf gebunden. Nicht ein paar Stiftungen für ein paar Moscheen. Die Hälfte des Landes.

Die Mieten und Pachterträge daraus bezahlten öffentliche Bäder, Trinkwasserbrunnen, Hospize und Anstalten für Kranke. Vor allem aber trugen sie das gesamte Bildungswesen. Einen staatlich finanzierten Schulapparat gab es nicht, diese Aufgabe erfüllten die Stiftungen.

In Algier standen rund hundert Moscheen, sieben davon groß. Um sie herum lag ein Netz aus Einrichtungen, die alle aus Stiftungserträgen lebten:

  • Kuttab, die Koranschulen für Kinder. Sie waren die verbreitetste Bildungseinrichtung überhaupt, allein in Constantine, Bejaia und Tlemcen zählte man Dutzende.
  • Madrasas für die höhere Ausbildung, darunter die Madrasa der Andalusier und die Qashashiyya-Madrasa in Algier.
  • Zawiyas, in denen Koranrezitation, islamisches Recht, Grammatik und Logik unterrichtet wurden. Sie beherbergten Reisende und speisten Bedürftige. Verbreitet waren sie in Algier, in der Kabylei, in Constantine und Tlemcen.
  • Bibliotheken, deren Bestände ebenfalls gestiftet waren.

Ein Beispiel macht greifbar, wie so etwas aussah. Die Zawiya von Ketchaoua, auch Schule des Schaych al-Balad genannt, gründete 1786 der Kanzleischreiber Muhammad Khoja auf Anordnung von Pascha Muhammad Othman. Zur Anlage gehörten eine Moschee und fünf Wohnhäuser für Studenten. Der Pascha stattete sie mit mehreren Stiftungen aus, aus deren Erträgen der Betrieb lief.

In Algier lief die Verwaltung der gemeinnützigen Stiftungen über eine zentrale Einrichtung, den Waqf al-Haramayn, benannt nach Mekka und Medina. Die osmanische Verwaltung führte das Vermögen nicht selbst, sie schuf den Rahmen, in dem es funktionierte.

Das Ergebnis war eine Sozialinfrastruktur, die keinem Staat gehörte und keinem Investor. Sie gehörte dem Zweck. Wer Wasser trank, musste nicht betteln. Wer ein Kind zur Schule schickte, brauchte kein Budget aus einer Hauptstadt.

Wie es zerschlagen wurde

Frankreich landete 1830 bei Algier. Die Abwicklung begann sofort und zog sich über Jahrzehnte, in kleinen Schritten statt in einem Schlag.

  • 8. September 1830: Sämtliche Staatsländereien der Beylik und der Besitz der algerischen Türken werden zu französischem Eigentum erklärt.
  • 7. Dezember 1830: Ein Dekret stellt Habous-Vermögen dem Staatseigentum gleich.
  • 24. März 1843: Ein Erlass regelt die Einziehung des öffentlichen Habous, also der religiösen Ländereien.
  • 1. Oktober 1844: Europäer dürfen private Waqf-Güter kaufen.
  • 26. Juli 1873: Das Gesetz Warnier beseitigt das islamische Eigentumsrecht in Algerien vollständig.

Am Ende dieser Kette war ein Rechtsinstitut verschwunden, das über tausend Jahre gehalten hatte. Das Vermögen lag noch da. Es hatte nur die Seite gewechselt.

1904 stand der algerische Delegierte Si Mustapha el Hadj Moussa in den Algerischen Finanzdelegationen auf und sagte den Franzosen ins Gesicht, was geschehen war:

„Es ist Ihnen nicht unbekannt, dass die Mieteinnahmen aus den Habous-Gütern größtenteils dazu bestimmt waren, den Unglücklichen zu helfen. Diese Güter wurden von der Domänenverwaltung eingezogen und verkauft, und die verbliebenen Gebäude in Algier, hundert Häuser, wurden 1875 dem Zivilkrankenhaus Mustapha überlassen, das sie mit Gewinn weiterverkaufte."

Die französischen Beamten antworteten, das müsse man erst prüfen, und falls die Güter tatsächlich eingezogen worden seien, habe ihr Verkauf sicher der einheimischen Bevölkerung genutzt.

Die Zahlen dazu stammen aus der Untersuchung der Historikerin Hannah-Louise Clark zur Krankenhausfinanzierung in Algerien im European Review of History. Der Historiker Djilali Sari hat ausgerechnet, wie der behauptete Nutzen aussah: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts blieben 88 Prozent der Algerier von den Krankenhäusern ausgeschlossen, obwohl diese fast ausschließlich aus algerischem Geld finanziert wurden. Im Jahr 1900 behandelte man dort etwa 10.000 Menschen, weniger als 0,003 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr darauf trugen Algerier 2.725.550 Francs zur sogenannten öffentlichen Fürsorge bei, ein Viertel der gesamten Jahresausgaben.

Was mit dem Waqf verloren ging

Algerien ist besonders gut dokumentiert, steht aber nicht allein. Ähnliches geschah in Tunesien, Ägypten, Indien, auf dem Balkan. Immer nach demselben Muster: inventarisieren, verstaatlichen, das Rechtsinstitut abschaffen.

Der eigentliche Verlust waren nicht die Grundstücke. Es war die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Eine Gemeinde mit funktionierendem Waqf braucht keinen Antrag und keinen Zuschuss. Sie hat eine Quelle.

Wer heute in Deutschland eine Moschee bauen will, kennt das andere Modell: Spendenaufrufe nach dem Freitagsgebet, Umschläge, Bittbriefe, Kredite bei Privatleuten, jahrelanges Sammeln. Es funktioniert, aber es zehrt, und bei jedem neuen Projekt fängt man wieder bei null an. Wie eine Gemeinde das anders lösen kann, zeigt unser Beitrag dazu, wie sich ein Moschee-Teppich über Crowdfunding finanzieren lässt.

Warum das heute wieder eine Rolle spielt

In Deutschland leben mehr als fünf Millionen Muslime. Es gibt Vereine, Moscheegemeinden, Bildungsinitiativen, Hilfsorganisationen. Was fehlt, ist die Ebene dazwischen: eine gemeinsame Infrastruktur, über die diese Gemeinschaft ihre Vorhaben finanziert, ohne bei Stiftungen, Behörden oder kommerziellen Plattformen anzuklopfen.

Woher der Name kommt

Commons bezeichnet Ressourcen, die eine Gemeinschaft gemeinsam herstellt, trägt und nutzt. Die Allmende des Dorfes, der Brunnen am Platz, das Wissen einer Zunft. Nichts davon gehört einem Einzelnen, und trotzdem verfällt es nicht.

Elinor Ostrom bekam 2009 den Wirtschaftsnobelpreis dafür, dass sie genau das nachwies: Gemeinschaften können gemeinsame Güter über Generationen verwalten, ohne Staat und ohne Markt, solange die Regeln stimmen. Klare Regeln, benannte Verwalter, Rechenschaft, kein Verkauf. Der Waqf hatte das alles, tausend Jahre bevor jemand ein Wort dafür fand.

commonsplace ist der Ort für diese Commons. Daher der Name.

Was wir vorhaben

Wir wollen den Waqf digital wieder aufbauen. Was al-Qinai 1866 mit einer Urkunde und einem Richter tat, soll heute jede Gemeinde können, die genügend Menschen hinter sich versammelt.

Unsere Aufgabe dabei ist einfach zu beschreiben: dafür sorgen, dass Geld dort ankommt, wo es der Gemeinschaft gehört. Nicht bei einem Fördertopf mit Antragsfristen, nicht bei einer Plattform, die daraus ein Geschäft macht, sondern bei einer Moschee in Spandau, einem Brunnen in Somalia, einer Bildungsstätte in Mainz.

Was daraus schon geworden ist

Das bleibt keine Absichtserklärung, die Projekte laufen.

Die Teiba-Moschee in Berlin-Spandau hat für ihren Ausbau 503.472 Euro gesammelt, getragen von 10.869 Unterstützungen. Der Projektname trägt das Wort im Titel: teibawaqf. Der Aufruf hieß „Investiere für die Ewigkeit".

In Dortmund sammelt das neue Kulturzentrum El Medine aktuell 533.772 Euro von 3.073 Unterstützern. Die El-Iman-Moschee in Hamburg verkauft Quadratmeter: 60.608 Euro, 1.720 Beteiligungen. Ein Bildungsprojekt in Mainz unter dem Quranvers „Mein Herr, mehre mein Wissen" (20:114) kam auf 96.652 Euro aus 7.080 Unterstützungen. Ein Brunnenprojekt in Somalia auf 49.066 Euro.

Moschee, Bildungsstätte, Brunnen. Genau die Zwecke, für die man im 12. Jahrhundert einen Waqf einrichtete. Nur ist der Stifter heute kein wohlhabender Kaufmann, sondern zehntausend Menschen mit je zwanzig Euro.

Digitaler Waqf, ehrlich betrachtet

Eine Crowdfunding-Kampagne ist kein Waqf. Der Vorgang des Sammelns bindet kein Vermögen fest und bestellt keinen Verwalter, der Erträge nach den Regeln eines Stifters verteilt.

Nach islamischem Recht trägt eine Moschee, in der gebetet wird, den Charakter eines Waqf. Sie ist dem Gebet gewidmet und dem gewöhnlichen Rechtsverkehr entzogen. In Deutschland stimmt dieser zweite Teil allerdings nicht. Eine Moschee gehört hier einem eingetragenen Verein, und ein Verein kann sein Eigentum verkaufen, beleihen oder bei Auflösung verlieren. Genau die Unverkäuflichkeit, die einen Waqf ausmacht, fehlt.

Deutsche Moscheen sind deshalb keine awqaf. Sie sind Vereinsvermögen mit einem religiösen Zweck. Der Unterschied wirkt akademisch, bis eine Gemeinde in Schwierigkeiten gerät und das Grundstück veräußern muss.

commonsplace als quasi-Waqf

Rechtlich ist commonsplace kein Waqf, das lässt sich in Deutschland nicht herstellen. Der Funktion nach sind wir einer. Diese Unterscheidung ist keine Ausrede, sie beschreibt genau, wo wir stehen.

Ein Waqf im osmanischen Algier tat vier Dinge. Er sammelte Mittel aus der Gemeinschaft ein. Er verwandelte sie in ein Gut, das allen offenstand. Er entzog dieses Gut dem Zugriff Einzelner. Und er stellte jemanden dafür ein, der Rechenschaft ablegte.

Die ersten beiden Punkte erfüllen wir heute. Bei der Teiba-Moschee haben 10.869 Menschen zusammengelegt und daraus ist ein Gebäude geworden, das der Gemeinde in Spandau offensteht. Al-Qinai brauchte dafür Grundbesitz und einen Qadi. Eine Gemeinde in Berlin braucht heute zehntausend Menschen mit je fünfzig Euro. Das Prinzip ist dasselbe geblieben, der Zugang hat sich geöffnet.

Beim dritten Punkt liegt die Lücke. Das Gebäude gehört einem Verein, nicht einer Stiftung. Beim vierten arbeiten wir bereits: Auf commonsplace ist jede Summe öffentlich einsehbar, jedes Projekt zeigt, wie weit es gekommen ist. Rechenschaft, die früher ein Verwalter im Register führte, läuft heute für alle sichtbar mit.

Der Vergleich mit den Alternativen zeigt, warum uns das wichtig ist. Eine Spende an eine Hilfsorganisation verschwindet in einem Topf, aus dem irgendwer irgendwann etwas finanziert. Eine Stiftung deutschen Rechts bindet Kapital dauerhaft, kostet aber Aufwand und Kapital, das die wenigsten haben. Der Waqf lag zwischen beidem: gebunden wie eine Stiftung, offen wie eine Spende. Diese Mitte holen wir zurück, Projekt für Projekt.

Ein Gebäude, das steht, wirkt weiter. Ein Brunnen liefert Wasser, solange er läuft. Das ist der Gedanke der Sadaqa Dscharija, und auch wiederkehrende Unterstützungen folgen ihm. Die Grundlagen stehen in unserem Beitrag zu Sadaqa im Islam.

Der nächste Schritt ist der eigentliche. Ein digitaler Waqf im vollen Sinn hat gebundenes Kapital, eine transparente Verwaltung und Erträge, die Jahr für Jahr in Gemeinschaftsprojekte fließen. Daran arbeiten wir. Angefangen haben wir mit der Freitags-Sadaqah, bei der Menschen jeden Freitag automatisch geben statt einmalig. Aus einer Spende wird ein Strom, und ein Strom ist die Vorstufe eines Ertrags.

Häufige Fragen zum Waqf

Was ist der Unterschied zwischen Waqf und Sadaqa?

Sadaqa ist die freiwillige Gabe, sie darf klein sein und einmalig. Ein Waqf bindet Vermögen dauerhaft fest, sodass immer wieder Erträge anfallen. Jeder Waqf ist eine Form der Sadaqa Dscharija, umgekehrt gilt das nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Waqf und Zakat?

Zakat ist Pflicht. Wer über dem Nisab liegt, gibt jährlich 2,5 Prozent, und die Empfängergruppen stehen im Quran fest. Ein Waqf ist freiwillig, der Stifter bestimmt den Zweck selbst, und das Vermögen bleibt in der Stiftung, statt an Empfänger ausgezahlt zu werden.

Kann man in Deutschland einen Waqf gründen?

Als Waqf nach islamischem Recht nicht, das kennt das deutsche Recht nicht. Möglich ist eine rechtsfähige Stiftung oder eine Treuhandstiftung, deren Satzung den Anforderungen eines Waqf entspricht. Die Maecenata Stiftung hat dazu eine ausführliche Untersuchung veröffentlicht. Die Islamic Relief Stiftung von 2016 ist ein Beispiel, das diesen Weg gegangen ist.

Ist eine Moschee automatisch ein Waqf?

Historisch waren Moscheen in aller Regel als Waqf eingerichtet, samt der Grundstücke, deren Mieten den Betrieb trugen. In Deutschland gehören Moscheen meist einem eingetragenen Verein. Der Zweck bleibt derselbe, die Rechtsform sieht anders aus.

Wer verwaltet einen Waqf?

Ein vom Stifter oder vom Richter bestimmter Verwalter, arabisch nazir oder mutawalli, im Maghreb wakil. Er führt die Erträge dem festgelegten Zweck zu und legt Rechenschaft ab. In Algier lag das vor 1830 bei den malikitischen Rechtsgelehrten, bis die französische Verwaltung diese Rolle übernahm.

Was davon bleibt

Der Waqf ist kein historisches Kuriosum. Er war das Betriebssystem der muslimischen Zivilgesellschaft, und man hat ihn nicht abgeschafft, weil er schlecht funktionierte. Man hat ihn abgeschafft, weil er zu gut funktionierte und einer Kolonialverwaltung im Weg stand, die auf dieselben Ressourcen zugreifen wollte.

Wehmut hilft hier nicht weiter. Al-Qinai hatte 1866 einen Notar, einen Richter und ein Grundbuch. Heute reicht ein Handy und eine Gemeinde, die mitzieht. Die Werkzeuge sind besser geworden, das Prinzip ist geblieben.

Genau daran arbeitet commonsplace: dass Gelder aus der Gemeinschaft wieder zu Gütern der Gemeinschaft werden. Ein digitaler Waqf, quasi, mit dem Ziel, irgendwann auf das quasi verzichten zu können.

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