Islamische Hilfsorganisationen
Sieben Prüfpunkte, bevor du spendest. Und was das mit Amanah zu tun hat.
In Deutschland sammeln zahlreiche muslimisch geprägte Hilfsorganisationen Spenden: für Brunnen, Waisen, Nothilfe, Qurbani und Zakat. Sie unterscheiden sich erheblich in Größe, Arbeitsweise und Nachprüfbarkeit. Wer spendet, gibt etwas aus der Hand, das nach islamischem Verständnis anvertraut bleibt; siehe Amanah.
Woran man eine seriöse erkennt
- Rechtsform und Gemeinnützigkeit. Eingetragener Verein oder gemeinnützige Gesellschaft, mit gültigem Freistellungsbescheid des Finanzamts. Nur dann gibt es eine Spendenbescheinigung.
- Jahresbericht mit Zahlen. Einnahmen, Ausgaben, Projekte, Verwaltungsanteil. Wer keinen veröffentlicht, entzieht sich der einfachsten Prüfung.
- Geprüfter Abschluss. Bei größeren Organisationen ein Bericht eines Wirtschaftsprüfers.
- Unabhängige Prüfsiegel. Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen und die Initiative Transparente Zivilgesellschaft sind die gebräuchlichsten Anhaltspunkte.
- Nachvollziehbare Verwendung. Wofür genau, wo, mit welchem Partner vor Ort, und was ist danach passiert.
- Verwaltungskosten, offen genannt. Ein Anteil ist normal und nötig: Prüfung, Buchhaltung, Kontrolle kosten Geld. Verdächtig ist nicht ein Anteil, sondern das Verschweigen.
- Erreichbarkeit. Ladungsfähige Anschrift, benannte Verantwortliche, Antwort auf Rückfragen.
Worauf man verzichten kann
Kein Anhaltspunkt sind: eine große Reichweite in sozialen Netzwerken, ein bekanntes Gesicht als Fürsprecher, dramatische Bilder und Countdown-Aufrufe. Auch die Nennung eines Gelehrten sagt nichts über die Buchführung.
Bei zweckgebundenen Spenden gilt zusätzlich: Wer für einen bestimmten Zweck sammelt, darf das Geld nicht anders verwenden: nach deutschem Recht wie nach dem Grundsatz des Anvertrauten. Frag im Zweifel nach, was mit einem Überschuss geschieht.
Für Zakat kommt eine eigene Frage hinzu: Sie darf nur an die dafür genannten Empfängergruppen gehen und nicht in allgemeine Verwaltungskosten fließen. Seriöse Organisationen führen Zakat getrennt und sagen das auch.
Wo die Prüfung schon gelaufen ist
Diese Punkte selbst durchzugehen kostet Zeit. Auf commonsplace ist ein Teil davon bereits erledigt: Jeder Projektinitiator, ob Verein, Unternehmen oder Privatperson, durchläuft vor der ersten Auszahlung eine gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung. Der Zahlungsdienstleister übernimmt dabei die Sorgfaltsprüfung nach den Geldwäsche- und Zahlungsaufsichtsgesetzen und gleicht gegen Sanktions- und Betrugslisten ab. Wie das im Einzelnen abläuft, steht auf der Seite zur Legitimation.
Das ersetzt den eigenen Blick auf Zweck und Verwendung nicht, nimmt aber die Frage ab, ob es den Träger wirklich gibt und ob das Geld dort ankommt, wo es hinsoll.
Häufige Fragen
Ist eine Spendenbescheinigung ein Gütesiegel? Nein, nur ein Nachweis der Gemeinnützigkeit gegenüber dem Finanzamt.
Wie hoch dürfen Verwaltungskosten sein? Es gibt keine feste Grenze; ein einstelliger bis niedriger zweistelliger Prozentsatz gilt als üblich.
Darf man an nichtmuslimische Organisationen spenden? Für freiwillige Sadaqah ja. Für Zakat gelten eigene Regeln.
Quellen
- „Allah befiehlt euch, das Anvertraute seinen Berechtigten zu übergeben": Quran, Sure 4, Vers 58.
- Die acht Empfängergruppen der Zakat: Quran, Sure 9, Vers 60.
- Der Segen im Geschäft bei Wahrhaftigkeit und Offenlegung: Sahih al-Bukhari 2079.
Verwandte Begriffe: Amanah, Die acht Empfängergruppen, Moscheeverein.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.