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Moscheebau finanzieren: die Wege, die Reihenfolge und die Fallstricke

Einen Moscheebau finanzieren: was ein Neubau kostet, woher das Geld kommt, was rechtlich vorher stehen muss und woran Projekte tatsächlich scheitern.

Kareem C.
10 Min. Lesezeit
Die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh im Abendlicht, mit Minarett, Kuppeln und Vorplatz
Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh. Foto: Arne List, CC BY-SA 2.0, Ausschnitt.

Wer einen Moscheebau finanzieren will, ist in Deutschland fast vollständig auf die eigene Gemeinde und ihr Umfeld angewiesen: Moscheebauten werden typischerweise überwiegend aus Spenden und Eigenmitteln getragen. Eine allgemeine staatliche Förderung für den Bau gibt es nicht. Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht die Bausumme, sondern die Reichweite: ob eine Gemeinde genug Menschen erreicht.

Dieser Leitfaden richtet sich an Vorstände und Projektverantwortliche, die einen Neubau, einen Anbau oder einen Gebäudekauf planen.

Wer für Allah eine Moschee baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies.

Sahih Muslim 533

Dieser Satz ist der Grund, warum Gemeinden Jahrzehnte durchhalten. Er ist aber auch der Grund, warum viele Bauvorhaben zu groß geplant und dann zu langsam finanziert werden. Dieser Leitfaden nimmt die Sache von der praktischen Seite: was ein Bau kostet, woher das Geld tatsächlich kommt und woran es in Deutschland am häufigsten hängt.

Kurzantwort

  • Was kostet es? Ein Neubau kann mehrere Millionen Euro erreichen. Und die Kalkulation steigt während der Bauzeit regelmäßig.
  • Woher kommt das Geld? Aus Spenden der Gemeinde und von außerhalb, aus Mitgliedsbeiträgen und Veranstaltungen sowie aus zinslosen Darlehen von Gemeindemitgliedern.
  • Gibt es Förderung? Für den Bau nicht. Öffentliche Mittel betreffen eher projektbezogene soziale und kulturelle Arbeit.
  • Was muss vorher stehen? Ein eingetragener Verein, der Status der Gemeinnützigkeit und damit das Recht, Spendenbescheinigungen auszustellen.

Ihr plant konkret?Ein Projekt anzulegen dauert wenige Minuten und verpflichtet zu nichts. Ihr beschreibt das Vorhaben, setzt eine Zielsumme und eine Laufzeit, und wir schauen es uns an, bevor es online geht.

Projekt auf commonsplace anlegen

Was ein Moscheebau kostet

Verlässliche Durchschnittszahlen gibt es nicht, weil Grundstück, Größe und Ausstattung zu weit auseinanderliegen. Ein dokumentiertes Beispiel zeigt die Größenordnung und zugleich das typische Muster.

Die Fatih-Camii-Gemeinde in Krefeld begann ihren Neubau mit einer kalkulierten Summe von fünf Millionen Euro. Bis zum ersten Spatenstich im Oktober 2019 hatte sie 1,2 Millionen Euro zusammen, damit wurden Grundstück und Planung bezahlt. Bis 2020 war die Kalkulation auf rund sieben Millionen Euro gestiegen. Gebaut wurde in Abschnitten: Sobald neue Spenden da waren, folgte der nächste.

Dieses Muster ist der Normalfall. Eine Gemeinde baut, solange Geld da ist, und wartet, wenn keines mehr da ist. Zwei Folgen sollte man einplanen:

  • Die Bauzeit verlängert sich, und mit ihr steigen die Kosten. Was in Etappen gebaut wird, wird am Ende teurer als eine durchgeplante Bauzeit.
  • Der Zulauf an Spenden bricht in langen Pausen ein. Wo ein Jahr lang nichts sichtbar passiert, verliert eine Sammlung an Zugkraft.

Die vier Wege, einen Moscheebau zu finanzieren

QuelleTragfähigkeitWorauf zu achten ist
Spenden der eigenen Gemeindehoch, aber begrenztDer verlässlichste Sockel, meist gesammelt beim Freitagsgebet. Die Höhe hängt an der Größe der Gemeinde.
Spenden von außerhalbder eigentliche HebelAndere Gemeinden, Einzelspender, Auswärtige mit Bezug zum Ort. Setzt voraus, dass das Projekt sichtbar und nachprüfbar ist.
Zinsloses Darlehen aus der GemeindemittelQard Hasan, also ein Darlehen ohne Aufschlag. Schriftlich festhalten, Rückzahlung planen.
Mitgliedsbeiträge und Veranstaltungenniedrig, aber stetigTrägt den laufenden Betrieb, selten den Bau.

Nicht auf der Liste steht der Bankkredit. Ein verzinstes Darlehen berührt das Zinsverbot (Riba), und viele Gemeinden schließen ihn deshalb aus. Ebenfalls nicht auf der Liste stehen öffentliche Mittel: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hält fest, dass eine Förderung von Moscheen oder Neubauprojekten nicht bekannt ist und öffentliche Zuwendungen sich auf projektbezogene soziale und kulturelle Arbeit beschränken.

Auch die Kirchensteuer hat keine Entsprechung. Beiträge im Wege des Steuereinzugsverfahrens dürfen nur Körperschaften des öffentlichen Rechts erheben, und diesen Status haben islamische Gemeinden in Deutschland bislang in aller Regel nicht.

Das Islamische Zentrum Penzberg von außen, ein flacher Bau aus hellem Stein mit einem durchbrochenen Minarett
Das Islamische Zentrum Penzberg, gebaut von der Gemeinde vor Ort. Foto: Renardo la vulpo, CC BY-SA 4.0, Ausschnitt.

Was ihr als Vorstand vorher klären solltet

Bevor öffentlich gesammelt wird, gehören vier Dinge geklärt. In dieser Reihenfolge:

Checkliste vor dem ersten Spendenaufruf

  1. Der Träger. Die gängige Rechtsform ist der eingetragene Verein. Das Gebäude gehört dann dem Verein und damit seinen Mitgliedern.
  2. Die Gemeinnützigkeit. Vom Finanzamt anerkannt, wenn Satzung und tatsächliche Geschäftsführung übereinstimmen. Ohne sie keine Spendenbescheinigung, und ohne Spendenbescheinigung fallen größere Spenden weg.
  3. Das Baurecht. Eine Moschee gilt als Anlage für kirchliche Zwecke und ist damit unter anderem in allgemeinen Wohngebieten, Dorfgebieten, Mischgebieten und Kerngebieten allgemein zulässig (§§ 4 bis 7 BauNVO).
  4. Die Buchführung. Einnahmen und Ausgaben ordnungsmäßig aufzeichnen (§ 63 Abs. 3 AO). Bei einem Bau über mehrere Jahre ist das die Grundlage dafür, dass Spender wiederkommen.

Checkliste aus dem Beitrag „Moscheebau finanzieren“ auf blog.commonsplace.de

Zum Träger steht mehr unter Moscheeverein. Der Begriff der kirchlichen Anlage im Baurecht umfasst ausdrücklich alle Religionsgemeinschaften.

Der Gebetsraum der Centrum-Moschee in Rendsburg mit Kronleuchter, Fliesenmosaik und rotem Gebetsteppich
Gebetsraum der Centrum-Moschee in Rendsburg. Der Bau wurde von der Gemeinde zusammengetragen. Foto: Zairon, CC BY-SA 4.0, Ausschnitt.

Der eigentliche Engpass ist die Reichweite

Rechnet man nach, wird das Problem schnell sichtbar. Eine Gemeinde mit dreihundert regelmäßigen Betern, die im Schnitt zehn Euro pro Freitag geben, sammelt im Jahr rund 150.000 Euro. Bei einer Bausumme von fünf Millionen wären das über dreißig Jahre.

Was kommt bei euch im Jahr zusammen?

Rechnet direkt hier, die Zahlen bleiben auf eurem Gerät.

Aus der Gemeinde im Jahr
Von außerhalb im Jahr
Bis zur Bausumme

Bei dieser Rechnung dauert der Bau länger als ein Jahrzehnt. Der wirksamste Hebel steht im dritten Feld: Spenden von außerhalb der eigenen Gemeinde.

Das ist eine Größenordnung, in der sich in Bauabschnitten planen lässt.

Wer nur im eigenen Gebetsraum sammelt, ist durch die Größe der lokalen Gemeinde begrenzt. Überregionale Sichtbarkeit macht aus einer örtlichen Sammlung dagegen ein Projekt, das Unterstützer in der gesamten deutsch-muslimischen Community erreichen kann.

Dafür braucht es drei Dinge, die eine Sammelbüchse im Flur nicht leisten kann:

  • Eine Adresse, die man weitergeben kann. Etwas, das man in eine Nachricht kopiert, mit Bild, Summe und Stand.
  • Nachprüfbarkeit. Wer nicht aus dem Ort kommt, kennt weder den Vorstand noch das Grundstück. Er entscheidet danach, was er nachlesen kann.
  • Sichtbaren Fortschritt. Ein Balken, der sich bewegt, und Berichte, wenn ein Bauabschnitt fertig ist.

Was das in Zahlen bedeutet

Auf commonsplace laufen mehrere Moscheeprojekte nebeneinander. Eines davon hat über 1.800 Unterstützer erreicht, bei Beiträgen, die überwiegend zwischen fünf und dreißig Euro liegen.

Die Zahl, auf die es ankommt, ist nicht die Summe, sondern die 1.800. So viele Menschen sitzen in keinem einzelnen Gebetsraum in Deutschland. Genau das ist der Unterschied zwischen einer örtlichen Sammlung und einer überregionalen: nicht größere Einzelspenden, sondern sehr viel mehr Menschen, die kleine Beträge geben.

Bemerkenswert ist außerdem, wie erfolgreiche Projekte ihre Summe zerlegen. Eines rechnet in Quadratmetern: 1 m² = 1000 €. Aus einer abstrakten Bausumme wird damit etwas, das ein Einzelner tatsächlich kaufen kann. Diese Mechanik funktioniert für jeden Bauabschnitt, ob Quadratmeter, Fenster oder Tonne Beton.

Wie ein Moscheeprojekt auf commonsplace läuft

Wenn ihr morgen anfangen wolltet, sähe der Weg so aus:

  1. Projekt anlegen. Verein registrieren, Projektseite mit Beschreibung, Bildern und Zielsumme erstellen.
  2. Prüfung. commonsplace prüft Träger und Projekt, bevor es online geht.
  3. Bauabschnitt statt Gesamtsumme. Nicht die ganze Bausumme ausschreiben, sondern den nächsten Abschnitt, mit klarem Ziel und Laufzeit.
  4. Link überregional teilen. Über die Gemeinde hinaus, in Gruppen, Kanälen und bei befreundeten Gemeinden. Das Projekt steht zugleich neben den anderen Projekten der Community und wird dort gefunden.
  5. Unterstützer informieren. Updates zum Baufortschritt gehen an alle, die gegeben haben. Wer weiß, was aus seinem Beitrag wurde, gibt beim nächsten Abschnitt eher wieder.
  6. Nächsten Abschnitt starten. Mit einer Liste von Menschen, die das Projekt bereits kennen.

Für die laufende Grundlage gibt es zusätzlich die Freitags-Sadaqah: ein fester Betrag jede Woche statt einer einmaligen Sammlung. Bei einem mehrjährigen Bauvorhaben ist das die planbarere Seite der Finanzierung.

Die Spendenbescheinigung stellt weiterhin der Verein aus. Die Plattform übernimmt Sichtbarkeit und Abwicklung, die Gemeinnützigkeit bleibt beim Träger.

Was ihr an Unterstützung bekommt

Ein Projekt anzulegen ist der Anfang, nicht die ganze Arbeit. Der schwierige Teil beginnt danach: dass Menschen außerhalb eurer Gemeinde davon erfahren. Damit lassen wir euch nicht allein.

  • Werbung für euer Projekt. Wir bringen laufende Vorhaben in die Kanäle der deutsch-muslimischen Community, dorthin, wo eine einzelne Gemeinde von sich aus nicht hinkommt.
  • Eine eigene Seite für euer Vorhaben. Mit Bildern, Stand und einem Weg zum Unterstützen, den man in eine Nachricht kopieren kann.
  • Menschen, die das täglich machen. Unser Marketingteam schaut mit euch auf den Zuschnitt des Bauabschnitts, auf die Ansprache und auf den Zeitpunkt. Woran Sammlungen scheitern, ist meistens keines von beiden allein, sondern die Kombination.
  • Material zum Weitergeben. Beiträge, Bilder und Texte, die ihr in der Gemeinde, in Gruppen und in euren Kanälen teilen könnt, ohne sie selbst schreiben zu müssen.

Nichts davon ersetzt die eigene Gemeinde. Der Sockel bleibt bei euch. Es sorgt dafür, dass aus dem Sockel eine Reichweite wird.

Über euer Moscheeprojekt sprechen

Schreibt uns kurz, wo ihr steht. Wir schauen gemeinsam auf Zielsumme, Laufzeit und Zuschnitt.

Geht direkt an unsere Projektbetreuung.

Häufige Fragen

Darf eine Moscheegemeinde einen Bankkredit aufnehmen?
Rechtlich ja. Ob sie es tut, ist eine Frage des Zinsverbots, und viele Gemeinden entscheiden sich dagegen. Der übliche Ersatz ist ein zinsloses Darlehen aus der eigenen Gemeinde.

Kann Zakat in einen Moscheebau fließen?
Das ist unter den Rechtsschulen unterschiedlich beurteilt. Die sichere Praxis ist, Zakat an die dafür genannten Empfängerkreise zu geben und den Bau aus Sadaqah zu finanzieren.

Sollten wir die ganze Bausumme ausschreiben oder einen Abschnitt?
Einen Abschnitt. Eine erreichbare Summe zieht mehr Menschen an als eine, bei der der Balken sich kaum bewegt.

Was ist mit dem Grundstück?
Es ist meist der erste große Posten und wird oft vor dem eigentlichen Baubeginn gekauft. Manche Gemeinden erwerben es in Erbpacht von der Kommune.

Wie lange dauert so ein Projekt?
Vom Beschluss bis zur Eröffnung vergehen häufig viele Jahre. Wie lange genau, hängt fast ausschließlich am Tempo der Finanzierung.

Sollte man die Zielsumme öffentlich nennen?
Ja. Eine Sammlung ohne sichtbares Ziel wirkt endlos, und Menschen geben eher, wenn sie erkennen, was ihr Beitrag bewegt.

Können wir gleichzeitig weiter in der Gemeinde sammeln?
Ja, und die meisten tun beides. Die Sammlung beim Freitagsgebet bleibt der Sockel. Ein Projekt im Netz erreicht die Menschen, die nicht in eurem Gebetsraum sitzen. Das eine ersetzt das andere nicht, es addiert sich.

Was ist, wenn wir die Zielsumme nicht erreichen?
Deshalb schreibt man einen Bauabschnitt aus und nicht die ganze Bausumme. Ein erreichbares Ziel zieht mehr Menschen an als eines, bei dem der Balken sich kaum bewegt. Wird ein Abschnitt voll, folgt der nächste, diesmal mit einer Liste von Unterstützern, die euch schon kennen.

Bereit anzufangen?Der erste Bauabschnitt braucht keine fertige Kalkulation über die ganze Bausumme. Er braucht ein Ziel, eine Laufzeit und Menschen, die davon erfahren.

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Quellen

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

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