Tiere im Islam
Zwei Erzählungen, in denen der Umgang mit einem Tier über einen Menschen entscheidet.
Über den Umgang mit Tieren ist im Islam ungewöhnlich viel überliefert, und zwar in beide Richtungen: Zwei bekannte Erzählungen lassen den Umgang mit einem Tier über das Ergehen eines Menschen entscheiden.
Die beiden Erzählungen
Die erste handelt von einem Mann auf einer Reise, der einen Brunnen fand, trank und wieder herauskam. Draußen sah er einen Hund, der vor Durst Erde leckte. Er sagte sich, dieser Hund leide dasselbe, was er eben gelitten habe, stieg noch einmal hinab, füllte seinen Schuh mit Wasser, hielt ihn im Mund und gab dem Hund zu trinken. Dafür wurde ihm vergeben (Sahih al-Bukhari 2466).
Die zweite geht in die andere Richtung:
Eine Frau kam wegen einer Katze ins Feuer, die sie eingesperrt hatte: Sie gab ihr nichts zu fressen und ließ sie nicht frei, damit sie sich selbst versorgen konnte.
Sahih al-Bukhari 3318
Beide Erzählungen sagen dasselbe von zwei Seiten. Es geht nicht um Tierliebe als Gefühl, sondern um Verantwortung für ein Lebewesen, das sich nicht wehren kann.
Im Alltag
- Wasser und Futter sind bei jedem gehaltenen Tier eine Pflicht, nicht eine Freundlichkeit.
- Arbeitstiere dürfen nicht über ihre Kraft belastet werden, und Überliefertes untersagt ausdrücklich, ein Tier als Zielscheibe oder zum Vergnügen zu quälen.
- Beim Schlachten gilt die Anweisung, die Klinge zu schärfen und das Tier nicht leiden zu lassen. Mehr dazu unter Qurbani.
- Ein gepflanzter Baum, von dem ein Vogel frisst, wird nach der Überlieferung als Sadaqah angerechnet. Mehr dazu unter Baum pflanzen.
Nicht zu verwechseln mit
Der Frage, welche Tiere gegessen werden dürfen. Das ist eine Frage von Halal und betrifft die Ernährung, nicht den Umgang.
Häufige Fragen
Darf man einen Hund halten? Für Bewachung, Hütearbeit und Jagd ist es überliefert erlaubt. Zur reinen Haltung in der Wohnung gehen die Auffassungen auseinander, was aber nichts daran ändert, dass ein Hund gut behandelt werden muss.
Und Katzen? Katzen gelten als unproblematisch. Überliefert ist von Abu Qatada, dass er das Gefäß für eine Katze neigte, damit sie daraus trinken konnte, und dazu die Worte des Propheten wiedergab: Sie sind nicht unrein, sie gehören zu denen, die bei euch ein und aus gehen (Sunan Abi Dawud 75).
Ist Jagd zum Vergnügen erlaubt? Ein Tier ohne Nutzen zu töten wird in der Überlieferung ausdrücklich zurückgewiesen.
Quellen
- Der Mann und der durstige Hund, überliefert von Abu Huraira: Sahih al-Bukhari 2466.
- Die Frau und die Katze, überliefert von Ibn Umar: Sahih al-Bukhari 3318.
- Katzen sind nicht unrein, überliefert von Abu Qatada: Sunan Abi Dawud 75.
Verwandte Begriffe: Qurbani, Baum pflanzen, Rahma.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.