Bimaristan: das Krankenhaus der islamischen Welt
Das gestiftete Krankenhaus, das niemanden abweisen durfte.
Ein Bimaristan war ein Krankenhaus der islamischen Welt, finanziert aus einer Stiftung. Die Stiftungsurkunden hielten fest, dass niemand abgewiesen werden durfte, unabhängig von Herkunft, Religion, Vermögen und Geschlecht.
Woher das Wort kommt
Bimaristan ist persisch und setzt sich zusammen aus bimar, krank, und -stan, Ort. Also: Ort der Kranken. Verbreitet ist auch die Kurzform Maristan sowie der arabische Ausdruck dar asch-schifa, Haus der Heilung; auf Türkisch Darüşşifa.
Im Alltag
Das erste feste Haus dieser Art wird der Regierungszeit des abbasidischen Kalifen Harun ar-Raschid in Bagdad zugeschrieben. Drei bekannte Beispiele stehen für die weitere Entwicklung:
- Kairo, 872: das Krankenhaus des Ahmad ibn Tulun.
- Damaskus, 1156: das Nuri-Krankenhaus des Nur ad-Din Zengi.
- Kairo, 1284 fertiggestellt: das Mansuri, das größte von ihnen.
Die Häuser waren in Abteilungen gegliedert, unter anderem für ansteckende und nicht ansteckende Krankheiten, Chirurgie, Augenheilkunde und psychische Erkrankungen. Zugleich waren sie Ausbildungsstätten: Studenten lernten dort am Krankenbett.
Bemerkenswert ist die Verbindung zur Stiftung. Weil ein Waqf eigene Einnahmen hatte, etwa aus Läden, Bädern oder Land, hing das Krankenhaus nicht an einer jährlichen Bewilligung. Es lief weiter, solange die Stiftung lief.
Nicht zu verwechseln mit
Einem Armenhaus. Behandelt wurde jeder, auch wer zahlen konnte.
Häufige Fragen
Mussten Patienten bezahlen? Nein, die Behandlung war kostenlos, getragen von der Stiftung.
Wurden auch Nichtmuslime behandelt? Ja, ausdrücklich. Unter den Ärzten waren ebenfalls Christen und Juden.
Gibt es noch Gebäude? Ja, unter anderem in Damaskus und Kairo; einige beherbergen heute Museen.
Quellen
- Entstehung, Finanzierung durch Waqf, Abteilungen und Beispiele: Bimaristan, englischsprachige Wikipedia.
Verwandte Begriffe: Waqf, Medrese, Sadaqah Jariyah.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.