Chamr: das Berauschende
Alles, was den Verstand verhüllt. Das Verbot kam in Stufen und umfasst mehr als Wein.
Chamr bezeichnet alles Berauschende. Der Name kommt von khamara, verhüllen, weil es den Verstand verhüllt. Damit ist nicht nur Wein gemeint, sondern jedes Mittel mit dieser Wirkung, unabhängig von Ausgangsstoff und Menge.
Woher das Wort kommt
Dieselbe Wurzel steckt in khimar, dem Tuch, das bedeckt. Die Sprache stellt also einen Zusammenhang her zwischen Verhüllen und Berauschen.
Im Alltag
Bemerkenswert ist, wie das Verbot kam: in Stufen. Zuerst hieß es, im Wein liege Nutzen und Schaden, der Schaden sei größer. Dann wurde untersagt, berauscht zum Gebet zu kommen. Erst danach folgte das vollständige Verbot. Als es verkündet wurde, schütteten die Gefährten den Wein in den Gassen Medinas aus.
Untersagt ist dabei nicht nur das Trinken. Überliefert ist ein Fluch über zehn Beteiligte: den Hersteller, den Auftraggeber, den Trinkenden, den Träger, den Empfänger, den Ausschenkenden, den Verkäufer, den Käufer, den Beschenkten und den, der den Erlös verzehrt. Für deutsche Muslime ist das die Grundlage der Frage, ob man in einem Restaurant Alkohol servieren darf.
Zu Alkohol in Medikamenten und Kosmetik: Viele Gelehrte unterscheiden zwischen dem berauschenden Getränk und technisch verwendetem Alkohol in nicht berauschender Menge. Bei Medikamenten ohne Alternative überwiegt die Erhaltung der Gesundheit.
Nicht zu verwechseln mit
Der Nadschasa. Ob Alkohol stofflich unrein ist, wird unterschiedlich beurteilt. Dass sein Konsum untersagt ist, steht davon unabhängig fest.
Häufige Fragen
Gilt das Verbot auch für kleine Mengen? Ja. Überliefert ist, dass untersagt ist, was in großer Menge berauscht, auch in kleiner Menge.
Darf man in einem Betrieb mit Alkoholausschank arbeiten? Der überlieferte Text nennt ausdrücklich auch das Tragen und Ausschenken. Wer keine Alternative hat, sollte sich beraten lassen und nach einem Wechsel suchen.
Was ist mit alkoholfreiem Bier? Wenn es nicht berauscht, fällt es nicht unter das Verbot. Manche meiden es dennoch wegen der Ähnlichkeit.
Quellen
- Die Stufen des Verbots: Quran, Sure 2, Vers 219, Sure 4, Vers 43, und Sure 5, Verse 90 und 91.
- Das Ausschütten des Weins in Medina nach der Verkündung, überliefert von Anas: Sahih Muslim 1980.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.