Maysir: das Glücksspiel
Glücksspiel: ein Gewinn, der allein vom Zufall abhängt und den Verlust eines anderen voraussetzt.
Maysir bezeichnet das Glücksspiel: ein Geschäft, bei dem ein Gewinn allein vom Zufall abhängt und der Gewinn des einen den Verlust des anderen voraussetzt. Der Quran nennt es in einem Atemzug mit dem Alkohol und untersagt es.
Woher das Wort kommt
Maysir kommt von yasara, leicht sein. Der Name spielt darauf an, dass Vermögen hier ohne Mühe wechselt. Ein zweiter Begriff dafür ist qimar, die Wette.
Im Alltag
Gemeint war ursprünglich ein vorislamisches Pfeilspiel um Teile eines geschlachteten Kamels. Das Muster daran ist bis heute dasselbe: Jeder setzt etwas ein, der Zufall entscheidet, einer nimmt alles.
Unter das Verbot fallen nach überwiegender Auffassung Lotterien, Sportwetten, Kasinospiele und Automaten. Diskutiert wird die Abgrenzung zur Spekulation an der Börse: Ein Aktienkauf mit Beteiligung am Unternehmen ist etwas anderes als eine reine Wette auf einen Kursverlauf, und genau daran wird die Grenze gezogen.
Spiele ohne Einsatz sind nicht betroffen. Ein Kartenspiel mit Freunden ohne Geld ist kein Maysir, auch wenn der Zufall entscheidet.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Gharar. Beim Gharar ist der Vertragsgegenstand unklar, beim Maysir ist der Zufall selbst der Gegenstand.
Häufige Fragen
Ist ein Gewinnspiel ohne Einsatz erlaubt? Nach überwiegender Auffassung ja, wenn niemand etwas riskiert. Der Kern des Verbots ist der Einsatz, der verloren geht.
Was ist mit dem Tippspiel im Kollegenkreis? Wenn Geld eingezahlt wird und der Gewinner alles nimmt, trägt es das Muster des Maysir.
Sind Aktien untersagt? Nicht grundsätzlich. Geprüft werden das Geschäftsfeld des Unternehmens und seine Verschuldung, dafür gibt es eigene Kriterien.
Quellen
- Das Verbot von Alkohol und Glücksspiel: Quran, Sure 5, Verse 90 und 91, sowie Sure 2, Vers 219.
- Zum Verbot des Geschäfts, das auf Zufall beruht: Sahih Muslim 1513.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.