Kufr und Kafir: was die Begriffe bedeuten
Wörtlich: zudecken. Über einzelne Menschen zu urteilen, steht niemandem im Alltag zu.
Kufr bedeutet wörtlich Zudecken und bezeichnet das Zurückweisen der als wahr erkannten Botschaft. Ein kafir ist danach jemand, der sie ablehnt. Der Begriff beschreibt eine Haltung, und über einzelne Menschen zu urteilen, ist im islamischen Recht bewusst schwer gemacht.
Woher das Wort kommt
Kufr kommt von kafara, bedecken. Ein Bauer, der Saatgut mit Erde bedeckt, heißt im Quran mit demselben Wort. Das Bild dahinter ist das Verdecken von etwas Vorhandenem, nicht das Nichtwissen.
Im Alltag
Wichtig ist zunächst die sprachliche Einordnung. Im Deutschen wird kafir oft mit „Ungläubiger" übersetzt und klingt dann wie ein Schimpfwort. Im Quran ist es eine Beschreibung einer Haltung gegenüber der Botschaft, nicht eine Beleidigung. Wer den Begriff als Beschimpfung benutzt, verwendet ihn falsch.
Noch wichtiger ist die Zurückhaltung beim Urteil über Einzelne, arabisch takfir. Die Gelehrten haben dafür hohe Hürden gesetzt, weil der Preis eines falschen Urteils enorm ist. Überliefert ist, dass derjenige, der einen anderen als Ungläubigen bezeichnet, das Urteil auf sich zurückfallen sieht, wenn es nicht zutrifft. Deshalb gilt: Über einen bestimmten Menschen zu urteilen, ist Sache von Gelehrten mit Kenntnis des Falles, nicht Sache eines Streitgesprächs.
Für den Alltag in Deutschland folgt daraus etwas Praktisches. Nachbarn, Kollegen und Freunde nach ihrem Glauben zu sortieren und danach zu behandeln, hat mit diesem Begriff nichts zu tun. Der Quran verlangt Gerechtigkeit auch gegenüber denen, die man ablehnt.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Schirk. Dieser meint die Beigesellung, Kufr das Zurückweisen. Der Quran nennt beide nebeneinander.
Häufige Fragen
Ist jeder Nichtmuslim ein Kafir? Im technischen Sinn bezeichnet der Begriff, wer die Botschaft nicht annimmt. Als Anrede oder Beschreibung von Menschen im Alltag ist er ungeeignet und wird von vielen Gelehrten ausdrücklich abgelehnt.
Darf man mit Nichtmuslimen befreundet sein? Ja. Der Quran verbietet nicht, denen Güte und Gerechtigkeit zu erweisen, die einen nicht bekämpfen.
Was ist Takfir? Das Urteil, jemand sei aus dem Islam herausgetreten. Es hat schwerwiegende Folgen und ist deshalb an strenge Bedingungen geknüpft.
Quellen
- Das Gebot der Güte und Gerechtigkeit gegenüber denen, die einen nicht bekämpfen: Quran, Sure 60, Vers 8.
- Die Warnung, einen Bruder als Ungläubigen zu bezeichnen: Sahih al-Bukhari 6104.
- Zur Vertiefung: Faith, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.