Die malikitische Rechtsschule
Die Schule aus Medina, die die gelebte Praxis der Stadt als eigene Quelle heranzieht.
Die malikitische Rechtsschule geht auf Malik ibn Anas zurück, der um 711 in Medina geboren wurde und 795 dort starb. Ihr Kennzeichen ist, dass sie die überlieferte Praxis der Stadt Medina als eigenständige Quelle heranzieht.
Woher der Name kommt
Benannt ist sie nach Malik ibn Anas, dessen Sammlung al-Muwattaʾ zu den frühesten erhaltenen Rechtswerken des Islam gehört. Sie ordnet Hadithe und Rechtsfragen nach Sachgebieten und nicht nach Überlieferern.
Im Alltag
Der Gedanke hinter der medinensischen Praxis ist einfach: Wenn eine ganze Stadt, in der der Prophet gelebt hat, etwas über Generationen unverändert so tut, wiegt das schwer. Diese Quelle hat keine der anderen Schulen in gleicher Weise.
Verbreitet ist die Schule in Nordafrika, in Westafrika, in Teilen des Sudan und in den Golfstaaten Kuwait, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Muslime aus Marokko, Algerien, Tunesien, Mali oder Senegal, die in Deutschland leben, folgen ihr in aller Regel.
Auffällig im Gebet ist etwa, dass viele Malikiten die Arme herabhängen lassen, statt sie zu falten. Beides ist überliefert, die Schulen gewichten die Belege unterschiedlich.
Nicht zu verwechseln mit
Einer regionalen Sitte. Was hier gilt, ist eine begründete Methode, nicht eine Gewohnheit ohne Herleitung.
Häufige Fragen
Ist es ein Problem, hinter einem Vorbeter anderer Schule zu beten? Nein. Das ist der Normalfall in fast jeder deutschen Moschee.
Warum kennt man die Schule hier weniger? Weil die großen Zuwanderungswege nach Deutschland aus Regionen führten, in denen andere Schulen vorherrschen.
Gibt es malikitische Gemeinden in Deutschland? Ja, vor allem dort, wo nordafrikanische und westafrikanische Gemeinden gewachsen sind.
Quellen
- Übersicht zu den vier Schulen: Islamische Rechtsschulen.
- Zur Vertiefung: al-Muwattaʾ von Malik ibn Anas.
Verwandte Begriffe: Rechtsschulen, Fiqh, Hadith.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.