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Fiqh: das islamische Recht

Die Rechtswissenschaft. Nicht dasselbe wie Scharia — und der Unterschied ist wichtig.

Kareem C.
2 Min. Lesezeit

Fiqh bezeichnet die islamische Rechtswissenschaft: die Arbeit von Gelehrten, aus Quran und Sunnah Regeln für konkrete Fälle abzuleiten. Scharia bezeichnet den offenbarten Weg selbst. Der Unterschied ist grundlegend: Die Scharia ist von Allah, das Fiqh ist menschliche Auslegung und kann irren.

Woher das Wort kommt

Fiqh bedeutet tiefes Verstehen. Überliefert ist: Wem Allah Gutes will, dem gibt Er Verständnis der Religion — dasselbe Wort. Scharia bedeutet ursprünglich der Weg zur Wasserstelle.

Im Alltag

Aus diesem Unterschied folgt etwas Praktisches. Wenn zwei Gelehrte zu verschiedenen Ergebnissen kommen, widersprechen sich nicht zwei göttliche Gesetze, sondern zwei Auslegungen. Deshalb schrieben die frühen Gelehrten unter ihre Urteile Formeln wie „Allah weiß es besser", und deshalb existieren vier anerkannte Rechtsschulen nebeneinander.

Das Fiqh stuft Handlungen in fünf Kategorien ein: wadschib oder fard, Pflicht; mandub oder sunnah, empfohlen; mubah, erlaubt und wertneutral; makruh, unerwünscht; haram, verboten. Die weitaus meisten Dinge des Lebens fallen in die mittlere Kategorie, was in Diskussionen oft untergeht.

Die Lehre davon, wie ein Urteil überhaupt zustande kommt, heißt usul al-fiqh, die Grundlagen. Sie behandelt die Quellen, ihre Rangfolge und die Verfahren; dazu gehören Idschtihad, Idschma und Qiyas.

Für Deutschland ist ein Punkt wichtig: Fiqh ist keine Parallelrechtsordnung. Es beantwortet Fragen wie „darf ich diesen Vertrag abschließen" oder „wie erbe ich nach islamischem Verständnis". Verbindlich ist in Deutschland das deutsche Recht; wer beides berücksichtigen will, etwa beim Testament, gestaltet innerhalb des deutschen Rechts.

Nicht zu verwechseln mit

Der Aqida. Diese behandelt den Glauben, das Fiqh die Handlungen.

Häufige Fragen

Kann sich Fiqh ändern? Die Regeln zu neuen Sachverhalten werden neu erarbeitet; Fragen wie Organspende oder Online-Verträge kannten die frühen Gelehrten nicht.

Wer darf Recht ableiten? Dafür sind Voraussetzungen festgelegt, unter anderem Arabisch, Quran- und Hadithwissenschaften und Kenntnis der Grundlagen.

Was ist eine Fatwa? Eine Rechtsauskunft zu einem konkreten Fall, kein Urteil und keine Anordnung.

Quellen

  • „Wem Allah Gutes will, dem gibt Er Verständnis der Religion", überliefert von Muawiya: Sahih al-Bukhari 71.
  • „Dann haben Wir dich auf einen Weg der Angelegenheit gesetzt": Quran, Sure 45, Vers 18; „Fragt die Leute der Ermahnung": Sure 16, Vers 43.
  • Zur Vertiefung: Jurisprudence, Yaqeen Institute.

Verwandte Begriffe: Die Rechtsschulen, Sunnah, Aqida.

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Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.

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