Sunnah: die Praxis des Propheten
Die gelebte Praxis. Das Wort hat zwei verschiedene Bedeutungen, die oft verwechselt werden.
Sunnah bezeichnet die gelebte Praxis des Propheten: sein Handeln, seine Aussagen und das, was er billigte. Das Wort hat daneben eine zweite, engere Bedeutung im Recht, und die Verwechslung der beiden ist die häufigste Unklarheit.
Woher das Wort kommt
Sunnah bedeutet eingeschlagener Weg oder Gewohnheit. Die Mehrzahl sunan gibt vier der sechs Hadithsammlungen ihren Namen.
Die zwei Bedeutungen
In der weiten Bedeutung ist die Sunnah die zweite Quelle des Rechts neben dem Quran. In diesem Sinn umfasst sie alles Überlieferte, auch Pflichten: Dass es fünf Gebete gibt und wie viele Einheiten jedes hat, steht nicht im Quran, sondern in der Sunnah.
In der engen Bedeutung ist Sunnah eine Einstufung im Recht: empfohlen, aber nicht verpflichtend. Wer sie tut, wird belohnt; wer sie lässt, wird nicht getadelt. In diesem Sinn ist von „Sunnah-Gebeten" die Rede.
Daraus folgt eine häufige Verwechslung. Der Satz „das ist nur Sunnah" meint die zweite Bedeutung, klingt aber, als wäre die Sunnah insgesamt unverbindlich. Beides zu unterscheiden erspart viele Missverständnisse.
Im Alltag
Zum Verhältnis zum Hadith: Der Hadith ist der Bericht, die Sunnah das Berichtete. Ein einzelner Hadith kann schwach sein, ohne dass die betreffende Praxis dadurch wegfällt, wenn sie anderweitig belegt ist.
Der Quran verweist selbst auf die Sunnah: Ihr habt im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild. Und: Was der Gesandte euch gibt, das nehmt.
Nicht zu verwechseln mit
Der Zugehörigkeit „Sunniten". Diese kommt von ahl as-sunnah wa l-dschamaa, den Leuten der Sunnah und der Gemeinschaft, bezeichnet aber eine Richtung, nicht die Praxis selbst.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zu Hadith? Hadith ist der Bericht, Sunnah das, worüber berichtet wird.
Gilt alles, was er tat, als Vorbild? Die Gelehrten unterscheiden zwischen dem, was Teil der Botschaft ist, und dem, was Gewohnheit seiner Zeit und Gegend war.
Was ist eine Sunnah muakkada? Eine besonders nachdrücklich empfohlene Praxis, etwa bestimmte Gebete vor und nach den Pflichtgebeten.
Quellen
- „Ihr habt im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild": Quran, Sure 33, Vers 21; „Was der Gesandte euch gibt, das nehmt": Sure 59, Vers 7.
- „Wer in dieser unserer Sache etwas einführt, das nicht dazugehört, das wird zurückgewiesen", überliefert von Aischa: Sahih Muslim 1718.
- Zur Vertiefung: Hadith, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.