Ruqya: Heilung durch Quranrezitation
Über einem Kranken Quran sprechen. Zulässig, überliefert und leider auch ein Geschäftsfeld für Scharlatane.
Ruqya bezeichnet das Sprechen von Quranversen und überlieferten Bittgebeten über einem Kranken oder über sich selbst. Sie ist überliefert und zulässig, solange nichts Unislamisches hineinkommt. Einen Arzt ersetzt sie nicht.
Woher das Wort kommt
Ruqya kommt von raqa, aufsteigen lassen oder besprechen. Die Mehrzahl ist ruqan. Das Wort bezeichnete vorislamisch auch Beschwörungsformeln, und genau daran hängt die Abgrenzung, um die es unten geht.
Im Alltag
In der einfachen Form spricht jemand die Fatiha, die letzten beiden Suren oder den Thronvers über einem Kranken und streicht ihm dabei über die betroffene Stelle. Überliefert ist auch, dass der Prophet in die Hände hauchte, sie zusammenlegte und über den Körper strich.
Als die Gefährten in einem Fall die Fatiha über einen Gestochenen sprachen und dafür eine Herde Schafe als Lohn erhielten, ließ der Prophet die Bezahlung ausdrücklich gelten. Ein Lohn ist also nicht grundsätzlich verboten.
Nicht zu verwechseln mit
Magie und Beschwörung. Der Prophet ließ sich die Formeln seiner Gefährten aus vorislamischer Zeit vorlegen und erlaubte sie unter einer Bedingung: Es darf nichts darin sein, was mit Beigesellung zu tun hat. Alles, was mit unverständlichen Formeln, Geisterbeschwörung, Zahlenmagie oder Amuletten mit unklarem Inhalt arbeitet, fällt genau dort heraus.
Häufige Fragen
Kann ich Ruqya selbst machen? Ja, und das ist der Regelfall. Es braucht dafür keinen Spezialisten. Wer sich selbst oder seinem Kind die Fatiha spricht, tut Ruqya.
Was ist von bezahlten Ruqya-Anbietern zu halten? Hier ist Vorsicht geboten. Es gibt seriöse Menschen, es gibt aber auch ein Geschäftsfeld, das mit Angst arbeitet und hohe Summen verlangt. Warnzeichen sind Ferndiagnosen ohne Nachfrage, das Behaupten von Besessenheit als Erstbefund, Abraten von ärztlicher Behandlung und Verkauf teurer Mittel. Fragt vorher in eurer Gemeinde nach.
Ersetzt Ruqya den Arzt? Nein. Auf die Frage, ob man sich behandeln lassen solle, antwortete der Prophet: „Lasst euch behandeln, ihr Diener Allahs, denn Allah hat keine Krankheit erschaffen, ohne für sie ein Heilmittel zu erschaffen, mit einer Ausnahme: dem Alter." Wer bei Depression, Psychose oder einer körperlichen Erkrankung nur Ruqya macht und keine Behandlung sucht, handelt gegen die Überlieferung, nicht nach ihr.
Quellen
- Die Fatiha als Ruqya und der angenommene Lohn dafür, überliefert von Abu Said al-Khudri: Sahih al-Bukhari 5736.
- Die Bedingung, dass nichts von Beigesellung darin sein darf, überliefert von Auf ibn Malik: Sahih Muslim 2200.
- Das Hauchen in die Hände und Bestreichen des Körpers: Sahih al-Bukhari 5735.
- Die Aufforderung, sich behandeln zu lassen, überliefert von Usama ibn Scharik: Sunan Abi Dawud 3855, von al-Albani als sahih eingestuft, ebenso bei Jami at-Tirmidhi 2038.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.