Die hanbalitische Rechtsschule
Die kleinste der vier Schulen, mit dem stärksten Gewicht auf der Überlieferung.
Die hanbalitische Rechtsschule geht auf Ahmad ibn Hanbal zurück, der von 780 bis 855 in Bagdad lebte. Sie ist die kleinste der vier sunnitischen Schulen und stützt sich unter ihnen am stärksten auf die Überlieferung.
Woher der Name kommt
Benannt ist sie nach Ahmad ibn Hanbal, der zunächst vor allem als Sammler von Hadithen bekannt war. Sein Musnad gehört zu den umfangreichsten Sammlungen überhaupt. Als Rechtsschule wurde seine Lehre erst von späteren Generationen geordnet.
Im Alltag
Der Grundzug ist eine Zurückhaltung gegenüber dem eigenen Schluss: Wo ein Beleg vorliegt, wird ihm gefolgt, auch wenn er nur schwach überliefert ist. Erst wenn gar nichts vorliegt, wird abgeleitet.
Daraus folgt eine Eigenheit, die viele überrascht: Im Bereich der Gottesdienste gilt die Schule als zurückhaltend, im Bereich der Verträge dagegen als besonders weit. Was nicht ausdrücklich untersagt ist, ist dort erlaubt, und das macht sie für Fragen des Wirtschaftslebens anschlussfähig.
Verbreitet ist sie vor allem auf der Arabischen Halbinsel, in Saudi-Arabien, Katar und Teilen der Emirate. In Deutschland ist sie die seltenste der vier.
Nicht zu verwechseln mit
Der Person Ahmad ibn Hanbals in ihrer Rolle als Hadithgelehrter. Seine Sammlung und die nach ihm benannte Rechtsschule sind zwei verschiedene Dinge und entstanden zeitlich versetzt.
Häufige Fragen
Ist die Schule strenger als die anderen? Bei den Gottesdiensten gilt sie als zurückhaltend, bei Verträgen und Geschäften als die weiteste der vier.
Gibt es hanbalitische Gemeinden in Deutschland? Sehr wenige. Die meisten Gemeinden hier folgen der hanafitischen oder der schafiitischen Auslegung.
Warum ist sie die kleinste? Sie entstand später als die übrigen und hatte lange kein Reich hinter sich, das sie als Verwaltungsrecht übernahm.
Quellen
- Übersicht zu den vier Schulen: Islamische Rechtsschulen.
- Zur Vertiefung: Musnad Ahmad.
Verwandte Begriffe: Rechtsschulen, Fiqh, Hadith.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.