Minbar: die Kanzel in der Moschee
Die Treppe neben der Gebetsnische, von der die Predigt gehalten wird.
Der Minbar ist die Treppenkanzel in einer Moschee, von der aus die Freitagspredigt gehalten wird. Er steht rechts neben der Gebetsnische und hat meist drei bis mehrere Stufen mit einem kleinen Podest oben.
Woher das Wort kommt
Minbar kommt von der Wurzel n-b-r, erhöhen. Wörtlich also: das Erhöhte. Der Begriff bezeichnet die Kanzel selbst, nicht das Amt und nicht die Predigt.
Im Alltag
Überliefert ist, dass der Prophet zuerst an einen Palmstamm gelehnt sprach und später eine hölzerne Kanzel aus Tamariskenholz anfertigen ließ, weil die Zuhörerschaft gewachsen war. Sie hatte wenige Stufen.
Aus dieser Zurückhaltung ist eine bis heute gepflegte Gewohnheit geworden: Der Prediger setzt sich nicht auf die oberste Stufe, sondern eine tiefer. Der Platz ganz oben bleibt dem Propheten vorbehalten.
Praktisch ist der Minbar vor allem eines: eine Verstärkeranlage aus Holz. Wer erhöht steht, wird in einem vollen Raum gehört und gesehen. In vielen deutschen Moscheen ist er heute schlicht gehalten, in älteren Bauten dagegen aufwendig geschnitzt.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Mihrab. Der Mihrab ist die Nische, die die Gebetsrichtung anzeigt, und dort steht der Vorbeter beim Gebet. Der Minbar steht daneben und dient allein der Predigt.
Häufige Fragen
Braucht eine Moschee einen Minbar? Nein. Die Predigt ist auch ohne gültig. Viele kleine Gebetsräume in Deutschland haben nur ein Podest oder gar nichts.
Warum sitzt der Prediger zwischendurch? Die Freitagspredigt besteht aus zwei Teilen mit einer kurzen Sitzpause dazwischen.
Darf jeder auf den Minbar? Es gibt keine Weihe. Wer predigt, wird von der Gemeinde bestimmt, und in vielen Moscheen wechseln sich mehrere ab.
Quellen
- Die Kanzel aus Tamariskenholz, überliefert von Sahl ibn Saʿd: Sahih al-Bukhari 377 und 917.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.