Sabil: der öffentliche Trinkbrunnen
Der gestiftete Brunnen, an dem jeder umsonst trinken durfte.
Ein Sabil ist ein gestifteter Brunnen an der Straße, an dem jeder kostenlos trinken darf: Bewohner, Reisende und Tiere. Bezahlt wurde er aus einer Stiftung, die auch den Unterhalt trug.
Woher das Wort kommt
Sabil heißt Weg. Der volle Ausdruck lautet fi sabilillah, auf dem Weg Gottes, und bezeichnet das, was ohne Gegenleistung gegeben wird. Auf Türkisch heißt die Einrichtung Sebil.
Im Alltag
Ein Sabil ist meist eine kleine, offene Brunnenstube in einer Hauswand oder an einer Straßenecke, oft mit vergitterten Fenstern, hinter denen ein Becken steht. Wasser trug ein Träger heran oder eine Zisterne speiste es. In den Sommermonaten wurde es gekühlt.
Die Bauten stehen bis heute in Kairo, Istanbul, Damaskus und vielen kleineren Städten, häufig neben einer Moschee oder einer Medrese. Manche tragen oben einen Raum für Koranunterricht, dann heißen sie Sabil-Kuttab: unten Wasser, oben Unterricht.
Der Gedanke dahinter ist derselbe wie beim Brunnenbau heute. Überliefert ist Wasser als die Gabe mit dem größten Ertrag, und ein Brunnen zählt zu den klassischen Beispielen für Sadaqah Jariyah.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Brunnen im Moscheehof. Der dient der Gebetswaschung. Der Sabil steht an der Straße und ist zum Trinken da.
Häufige Fragen
Gibt es das heute noch? Ja, in abgewandelter Form: Wasserspender in Moscheen, kostenlose Trinkbrunnen in Städten und die Brunnenprojekte von Hilfsorganisationen.
Wer bezahlte den Unterhalt? Die Stiftung selbst. Ein Waqf hatte in der Regel Einnahmen aus Läden oder Land, aus denen Wärter und Reparaturen bezahlt wurden.
Durfte jeder trinken? Ja, ausdrücklich ohne Ansehen der Person, und Tiere hatten oft ein eigenes Becken.
Quellen
- Bauform und Zweck: Sabil, deutschsprachige Wikipedia.
Verwandte Begriffe: Waqf, Sadaqah Jariyah, Medrese.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.