Der Eid im Islam
Was ein Schwur bindet, was sein Bruch kostet und wann er gar nicht zählt.
Ein Eid, arabisch Yamin, ist die Bekräftigung einer Aussage oder eines Vorsatzes bei Gott. Er bindet. Wer ihn bricht, leistet eine im Quran genau benannte Sühne.
Woher das Wort kommt
Yamin heißt zugleich rechte Hand und Eid. Der Zusammenhang stammt aus dem alten Brauch, beim Schwur die rechte Hand zu reichen. Der Plural lautet Ayman.
Im Alltag
Geschworen wird allein bei Gott, üblicherweise mit wallahi. Ein Schwur bei etwas anderem gilt nicht als Eid.
Der Quran unterscheidet zwei Fälle und nennt die Folge für den zweiten:
Allah wird euch nicht für etwas Unbedachtes in euren Eiden belangen. Jedoch wird Er euch für das belangen, was ihr mit euren Eiden fest abmacht. Die Sühne dafür besteht in der Speisung von zehn Armen in dem Maß, wie ihr eure Angehörigen im Durchschnitt speist, oder ihrer Bekleidung oder der Befreiung eines Sklaven. Wer aber keine Möglichkeit findet, hat drei Tage zu fasten.
Quran 5:89
Die drei genannten Möglichkeiten stehen zur freien Wahl. Gefastet wird erst, wenn keine von ihnen möglich ist. Praktisch heißt das heute meist: zehn Bedürftige speisen oder den Gegenwert geben.
Und wenn sich herausstellt, dass das Geschworene die schlechtere Entscheidung wäre, gilt ein klarer Rat:
Wenn du einen Eid leistest und etwas anderes für besser hältst, dann tu das Bessere und leiste die Sühne für deinen Eid.
Sahih al-Bukhari 6622
Nicht zu verwechseln mit
Dem Gelübde. Das Gelübde verpflichtet zu einer Handlung, der Eid bekräftigt eine Aussage oder einen Vorsatz.
Häufige Fragen
Zählt ein wallahi im Gespräch? Was unbedacht herausrutscht, fällt nach dem Vers unter das Unbedachte. Bindend ist der bewusst abgelegte Eid.
Was, wenn man mehrfach dasselbe geschworen hat? Nach überwiegender Auffassung genügt eine Sühne, solange es dieselbe Sache betrifft.
Darf man vor Gericht schwören? Ja. Ein Eid vor Gericht ist zulässig, ein Falscheid dagegen wiegt schwer.
Quellen
- Die Sühne für gebrochene Eide: Quran 5:89.
- Tu das Bessere und leiste die Sühne, überliefert von Abd ar-Rahman ibn Samura: Sahih al-Bukhari 6622.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.