Tarbiya: die Erziehung
Warum Erziehung im Islam mit Wachsenlassen zu tun hat und nicht mit Formen.
Tarbiya bezeichnet das Aufziehen und Heranbilden eines Menschen. Gemeint ist nicht die Vermittlung von Wissen, sondern die Begleitung beim Wachsen: Haltung, Umgang, Selbstbeherrschung.
Woher das Wort kommt
Tarbiya kommt von der Wurzel r-b-w, wachsen und zunehmen. Verwandt ist auch das Wort Rabb, der Herr, verstanden als der, der versorgt und aufwachsen lässt. Der Erziehende heißt Murabbi.
Der Quran verwendet das Wort im Gebet für die Eltern:
Mein Herr, erbarme dich ihrer, wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein war.
Quran 17:24
Im Alltag
Die Unterscheidung, die im Begriff steckt, ist praktisch. Ilm ist das Wissen, das man weitergibt. Tarbiya ist das, was jemand über Jahre annimmt, weil es ihm vorgelebt wurde.
Klassisch beschrieben wird sie in wenigen Punkten: Vorbild vor Anweisung, Gewöhnung vor Erklärung, Lob vor Tadel, und Geduld über lange Zeit. Der Gegenstand ist am Ende der Charakter.
In Deutschland fällt darunter, was Familien zwischen zwei Umgebungen leisten: Sprache halten, Feste erklären, Fragen aushalten, die in der Schule aufkommen, und dem Kind Antworten geben, mit denen es dort bestehen kann.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Adab. Adab ist die Form des Umgangs, die man lernt. Tarbiya ist der Vorgang, in dem sie erworben wird.
Häufige Fragen
Wann fängt Tarbiya an? Traditionell mit der Geburt, und die Gelehrten betonen die ersten Jahre besonders.
Ist sie Aufgabe der Eltern oder der Moschee? In erster Linie der Eltern. Unterricht in der Gemeinde ergänzt, ersetzt aber nicht.
Was, wenn Kind und Eltern in verschiedenen Welten stehen? Die überlieferte Haltung setzt auf Vorbild und Gespräch, nicht auf Druck. Was ein Kind nicht versteht, übernimmt es ohnehin nicht.
Quellen
- Das Gebet für die Eltern: Quran 17:24.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.