Akhlaq: der Charakter
Was Charakter im Islam bedeutet und warum er so schwer wiegt.
Akhlaq bezeichnet den Charakter: das, was von einem Menschen im Umgang mit anderen ankommt. In der Überlieferung wiegt er ungewöhnlich schwer, schwerer als manche gottesdienstliche Leistung.
Woher das Wort kommt
Akhlaq ist der Plural von Khuluq, dem inneren Wesen. Das Wort ist verwandt mit Khalq, der äußeren Gestalt, und mit der Wurzel für Erschaffen. Beides gehört sprachlich zusammen: die Gestalt, die man sieht, und die Gestalt, die man ist.
Im Alltag
Der Maßstab wird direkt an den Menschen gelegt:
Die Besten unter euch sind die mit dem besten Charakter.
Sahih al-Bukhari 6035
Dazu gehört, was sich unspektakulär anhört und im Alltag schwerfällt: nicht ausfallend werden, Wort halten, zuhören, nicht nachtragen, freundlich bleiben, wenn niemand es einem dankt.
Das Bemerkenswerte am Begriff ist seine Reichweite. Er umfasst Haya, die Zurückhaltung, Sabr, die Standhaftigkeit, und Hilm, die Langmut, und er grenzt sich gegen Ghiba und Hasad ab.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Adab. Adab ist die Form, also wie man grüßt, isst, eintritt. Akhlaq ist die Haltung dahinter. Man kann die Form beherrschen und die Haltung nicht haben.
Häufige Fragen
Ist Charakter angeboren? Die Überlieferung geht davon aus, dass er sich formen lässt, sonst wäre die Aufforderung sinnlos.
Wiegt Charakter mehr als Gottesdienst? Sie werden nicht gegeneinandergestellt. Überliefert ist aber, dass ein Gläubiger durch guten Charakter den Rang dessen erreicht, der die Nächte betet und die Tage fastet (Sunan Abi Dawud 4798).
Wo fängt man an? Traditionell bei der Zunge, weil dort der meiste Schaden entsteht.
Quellen
- Die Besten sind die mit dem besten Charakter, überliefert von Abdallah ibn Amr: Sahih al-Bukhari 6035.
- Der Rang des Nachtbeters und Fastenden durch guten Charakter, überliefert von Aischa, Grad sahih nach al-Albani: Sunan Abi Dawud 4798.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.