Hilm ist die Langmut: die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, obwohl man reagieren könnte und einen Grund dazu hätte. Nicht Gleichgültigkeit, sondern beherrschte Kraft.
Woher das Wort kommt
Hilm kommt von der Wurzel h-l-m und meint Milde, Besonnenheit und das Nichtaufbrausen. Al-Halim, der Langmütige, ist einer der Namen Gottes: derjenige, der nicht sofort straft, obwohl er könnte. Genau darin liegt die Bedeutung.
Im Alltag
Der bekannteste Satz dazu setzt Stärke neu:
Der Starke ist nicht der, der die Menschen im Ringkampf besiegt. Der Starke ist der, der sich im Zorn beherrscht.
Sahih al-Bukhari 6114
Überliefert ist außerdem eine Begegnung mit al-Aschadsch, einem Mann aus der Abordnung der Abd al-Qais, der sich vor dem Betreten in Ruhe umzog, während die anderen zum Propheten eilten. Er bekam gesagt, er trage zwei Eigenschaften, die Gott liebt: Langmut und Bedachtsamkeit.
Praktisch heißt das: eine Nacht darüber schlafen, die Nachricht nicht sofort abschicken, den Ton nicht mitgehen lassen. Die Überlieferung nennt dazu einfache Mittel, etwa sich hinzusetzen, wenn man im Stehen zornig wird.
Nicht zu verwechseln mit
Der Geduld. Sabr ist das Aushalten dessen, was man nicht ändern kann. Hilm ist das Zurückhalten dessen, was man tun könnte.
Häufige Fragen
Heißt Hilm, alles hinzunehmen? Nein. Es heißt, nicht im Zorn zu handeln. Die Sache selbst darf man klären, nur später und ruhiger.
Kann man Langmut lernen? Die Überlieferung geht davon aus. Über al-Aschadsch heißt es zwar, es sei ihm gegeben, aber die Aufforderungen an alle anderen setzen voraus, dass es sich üben lässt.
Was, wenn der Zorn berechtigt ist? Der Zorn selbst wird nicht verurteilt, sondern das Handeln aus ihm heraus.
Quellen
- Der Starke ist der, der sich im Zorn beherrscht, überliefert von Abu Huraira: Sahih al-Bukhari 6114.
- Die beiden Eigenschaften al-Aschadschs: Sunan Abi Dawud 5225.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.