Fitna: Prüfung und Zwietracht
Prüfung, Versuchung, Zwietracht. Das Bild dahinter ist das Schmelzen von Gold.
Fitna bezeichnet je nach Zusammenhang die Prüfung, die Versuchung und die Zwietracht innerhalb einer Gemeinschaft. Alle drei Bedeutungen stehen im Quran, und sie hängen über ein Bild zusammen.
Woher das Wort kommt
Fitna kommt von fatana, Gold im Feuer schmelzen, um es vom Beiwerk zu trennen. Daraus wurde die Prüfung, die zeigt, was jemand wirklich ist, und daraus die Versuchung und der Aufruhr.
Im Alltag
Als Prüfung nennt der Quran sie ausdrücklich als Teil des Lebens: Wir prüfen euch mit dem Schlechten und dem Guten als Prüfung. Bemerkenswert ist die Erwähnung des Guten. Reichtum und Kinder werden im selben Sinn genannt: Euer Besitz und eure Kinder sind nur eine Versuchung. Eine Prüfung besteht also nicht nur aus Mangel.
Als Zwietracht bezeichnet der Begriff den Bürgerkrieg unter den frühen Muslimen, historisch als die große Fitna bekannt. Daraus stammt die klassische Zurückhaltung, in innerislamische Konflikte hineinzuziehen.
In der Gegenwart wird das Wort häufig missbraucht. Wer eine unbequeme Frage stellt, Missstände in einer Gemeinde anspricht oder Rechenschaft über Gelder verlangt, bekommt manchmal zu hören, er stifte Fitna. Das dreht den Begriff um. Der Quran fordert an vielen Stellen, für Gerechtigkeit einzutreten, auch gegen sich selbst und die eigenen Verwandten. Missstände zu benennen ist keine Zwietracht; die Absicht und die Art machen den Unterschied.
Praktisch heißt das für einen Verein oder eine Gemeinde: Wer nach den Zahlen fragt, stiftet nichts. Wer Gerüchte verbreitet, ohne nachzufragen, tut es.
Nicht zu verwechseln mit
Der bloßen Meinungsverschiedenheit. Die frühen Gelehrten stritten in Rechtsfragen offen und blieben dabei Freunde.
Häufige Fragen
Ist Kritik Fitna? Nicht als solche. Der Ton und die Absicht entscheiden, und der Weg über die Verantwortlichen kommt vor dem über die Öffentlichkeit.
Was tut man in Zeiten der Zwietracht? Überliefert wird Zurückhaltung, das Bewahren der eigenen Zunge und das Bittgebet um Schutz davor.
Ist jede Prüfung eine Strafe? Nein. Der Quran nennt Prüfungen ausdrücklich auch für die Propheten.
Quellen
- „Wir prüfen euch mit dem Schlechten und dem Guten": Quran, Sure 21, Vers 35; Besitz und Kinder als Versuchung: Sure 8, Vers 28.
- Die Aufforderung, für Gerechtigkeit einzutreten, auch gegen sich selbst: Quran, Sure 4, Vers 135.
- Zur Vertiefung: Faith, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.