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Wo werden Muslime in Deutschland begraben?

Überführung ins Herkunftsland, Grabfeld auf einem fremden Friedhof oder ein eigener Friedhof. Drei Wege, und sie unterscheiden sich an einem Punkt, den die wenigsten kennen: wie lange das Grab bleibt.

Kareem C.
6 Min. Lesezeit
Entwurf des muslimischen Friedhofs Wuppertal: Grabfelder in Terrassen, Wege und Bäume

Für eine klassische islamische Erdbestattung kommen in Deutschland im Wesentlichen drei Wege infrage. Sie unterscheiden sich im Preis, im Aufwand und vor allem an einem Punkt, den die wenigsten auf dem Schirm haben: wie lange das Grab überhaupt bleibt.

Drei Wege, und keiner davon ist selbstverständlich

Die Frage stellt sich meist in der schlechtesten aller Situationen, nämlich wenige Stunden nach einem Todesfall. Dann ist keine Zeit für Recherche. Deshalb hier die drei Wege, bevor sie gebraucht werden.

Die Überführung ins Herkunftsland

Lange war das der Normalfall. Der Verstorbene wird in das Land gebracht, aus dem die Familie stammt, und dort bestattet. Es ist der größte Kostenblock einer Bestattung und einer der Gründe, warum immer mehr Familien inzwischen in Deutschland bestatten.

Der Preis ist nicht der einzige Haken. Die Überführung braucht zusätzliche Dokumente, Organisation und Transportzeit, und kann die Beisetzung verzögern. Die islamische Praxis sieht dagegen die zügige Beisetzung vor, möglichst am Tag des Todes. Und die Enkel, die hier geboren sind, stehen später vor der Frage, wie sie zweitausend Kilometer entfernt ein Grab besuchen sollen.

Das Grabfeld auf einem kommunalen Friedhof

Der heute häufigste Weg. Ein muslimisches Grabfeld ist ein abgegrenzter Bereich eines städtischen Friedhofs, in dem die Gräber nach Mekka ausgerichtet sind. Der Verstorbene liegt auf der rechten Seite, das Gesicht zur Qibla. Immer mehr Kommunen legen solche Felder an, meist auf Anfrage der Gemeinden vor Ort, manche halten dafür auch eigene Räume für die Totenwaschung bereit. Das Grab selbst ist nach Angaben der Union der Kulturellen Begegnungsstätten in Deutschland im Schnitt etwa anderthalb Meter tief und einen Meter breit.

Zwei Dinge regelt dabei nicht die Gemeinde, sondern die Friedhofssatzung der Stadt. Erstens die Bestattung im Tuch statt im Sarg: Die Bestattungsgesetze sind Ländersache und haben die Sargpflicht aus religiösen Gründen inzwischen fast überall gelockert, Hamburg ging 1998 voran, Rheinland-Pfalz folgte zum Oktober 2025. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter allerdings nicht, es bleibt eine Frage der Satzung vor Ort, und dort lohnt die Nachfrage. Zweitens die Wartefrist: Die Bestattungsgesetze der Länder sehen häufig eine Mindestfrist von 48 Stunden nach Eintritt des Todes vor, je nach Bundesland sind Ausnahmen möglich. Das ist die Stelle, an der in der Praxis am häufigsten Absprachen nötig sind.

Der eigene Friedhof

Den gab es in Deutschland lange gar nicht. Gemeint ist kein Gräberfeld am Rand eines fremden Friedhofs, sondern ein Friedhof, den muslimische Gemeinden selbst planen, bauen, finanzieren und pflegen. In Wuppertal entsteht derzeit nach Angaben der Stadt der erste muslimische Friedhof Deutschlands in eigener Trägerschaft muslimischer Gemeinden, gebaut wird seit September 2026. Dazu unten mehr.

Die Ruhefrist ist der eigentliche Unterschied

Das ist der Punkt, an dem die meisten Gespräche kippen, weil ihn kaum jemand kennt.

Auf deutschen Friedhöfen wird ein Nutzungsrecht auf Zeit vergeben, üblicherweise zwanzig bis dreißig Jahre. Danach kann das Grab neu belegt werden. Die islamische Vorstellung ist dagegen die dauerhafte Ruhe. Manche Gemeinden begegnen dem, indem sie das Nutzungsrecht immer wieder verlängern lassen. Das ist eine Frage der Friedhofssatzung und der Kosten, und es ist eine Verlängerung, keine Dauer.

Ein Friedhof in eigener Trägerschaft ist die einzige Form, in der die Gemeinde diese Frage selbst beantwortet, statt sie alle paar Jahrzehnte neu zu stellen.

Was eine islamische Bestattung in Deutschland kostet

Die Bestattung selbst kostet in der Regel etwa so viel wie eine gewöhnliche Erdbestattung, den Unterschied macht vor allem die Frage, ob überführt wird. Auf commonsplace haben Familien für eine islamische Bestattung zwischen 500 und 6.500 Euro gesammelt, im Mittel 3.500 Euro. Das ist nicht der volle Preis einer Bestattung, sondern der Teil, den die Familie allein nicht aufbringen konnte. Ausgewertet aus 25 Sammlungen.

Gebraucht wird das Geld schnell, weil der Islam die zügige Beisetzung verlangt, und genau in dieser Frist helfen die Ämter selten. Wer vor dieser Lage steht, findet die vier Schritte, die keinen Aufschub dulden, in unserem Beitrag Islamische Bestattung bezahlen, wenn kein Geld da ist.

Warum es erst jetzt einen Friedhof in eigener Trägerschaft gibt

Nicht aus Mangel an Willen. Es ging rechtlich lange nicht. Der Trägerverein in Wuppertal nennt als Grundlage eine Änderung des nordrhein-westfälischen Bestattungsgesetzes von 2014, die es religiösen Gemeinschaften erlaubt, eigene Friedhöfe zu tragen. Zwölf Jahre später steht der erste Bagger auf dem Gelände.

In Wuppertal entsteht der erste

An der Krummacherstraße im Stadtteil Varresbeck baut der Muslimische Friedhöfe Wuppertal e.V. auf 19.000 Quadratmetern einen Friedhof mit Platz für rund 1.000 Gräber. Getragen wird der Verein von zehn Wuppertaler Moscheegemeinden, gegründet wurde er 2015, die erste Idee stammt aus dem Jahr 2008.

Die Anlage ist als Park geplant, entworfen mit dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der Bergischen Universität Wuppertal: 125 Bäume, ein offener Bachlauf von 47 Metern, drei Brücken, Grabfelder in Terrassen am Hang. Das Grundstück gehört dem evangelischen Kirchenkreis, und der Friedhof grenzt unmittelbar an einen christlichen und einen jüdischen Friedhof. Drei Religionen, drei Friedhöfe, eine Straße.

Diese Konstellation steht als Symbol für das friedliche Zusammenleben und Zusammenwirken der Religionen in unserer Stadt.

Das sagte Oberbürgermeisterin Miriam Scherff bei der Übergabe der Baugenehmigung am 28. April 2026. Sie hat die Schirmherrschaft über das Vorhaben übernommen, die Stadt Wuppertal hat 200.000 Euro zugesagt.

Am 15. September 2026 begannen die Erdarbeiten, am 18. September kamen rund 100 Gäste zum ersten Spatenstich. Der Vorsitzende Samir Bouaissa sagte dort einen Satz, der die achtzehn Jahre zusammenfasst: „Die Schnellsten waren wir nicht." Fertig sein soll die Anlage im März 2027, die ersten Bestattungen sind für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Der Friedhof kostet rund eine Million Euro. Mit der Zusage der Stadt und über 210.000 Euro an Spenden fehlen noch knapp 600.000 Euro. Diese Lücke wird über ein Crowdfunding-Projekt auf commonsplace geschlossen, rechnerisch kostet ein Quadratmeter 53 Euro.

Häufige Fragen

Wie lange bleibt ein muslimisches Grab in Deutschland bestehen?

Auf kommunalen Friedhöfen in der Regel zwanzig bis dreißig Jahre. Danach kann das Grab neu belegt werden, sofern das Nutzungsrecht nicht verlängert wird. Die Ruhefristen sind Ländersache und unterscheiden sich vor Ort. Auf einem Friedhof in eigener Trägerschaft entscheidet der Trägerverein darüber.

Darf man in Deutschland ohne Sarg bestattet werden?

Fast überall ja. Die Bestattungsgesetze der Länder haben die Sargpflicht aus religiösen Gründen gelockert, Hamburg als erstes Land 1998, Rheinland-Pfalz zuletzt zum Oktober 2025. Ob es im Einzelfall geht, steht zusätzlich in der Friedhofssatzung vor Ort.

Warum dauert eine Bestattung in Deutschland länger als im Islam vorgesehen?

Die Bestattungsgesetze der Länder sehen häufig eine Mindestfrist von 48 Stunden nach Eintritt des Todes vor, je nach Bundesland sind Ausnahmen möglich. Die islamische Praxis ist die Beisetzung möglichst am Tag des Todes, deshalb braucht es hier oft Absprachen mit der Behörde und einem Bestatter, der islamische Bestattungen kennt.

Gibt es schon einen muslimischen Friedhof in Deutschland?

Muslimische Grabfelder gibt es in vielen Städten, sie liegen aber auf kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen und werden von deren Trägern verwaltet. In Wuppertal entsteht derzeit nach Angaben der Stadt der erste muslimische Friedhof Deutschlands in eigener Trägerschaft muslimischer Gemeinden. Er soll im März 2027 fertig sein.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

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