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Aqiqa in Deutschland: Regeln, 7. Tag, Kosten und Ablauf

Aqiqa: wann der siebte Tag zählt, welches Tier es sein muss, was die vier Schulen dazu sagen und wie sich das in Deutschland ausrichten lässt.

Omar B.
11 Min. Lesezeit
Eine große Schafherde auf einer Weide am Wasser, ein Hirte geht am Rand entlang
Foto: Ggia, CC BY-SA 3.0, Ausschnitt.

Die Aqiqa, auch Aqiqah oder türkisch Akika geschrieben, ist das Dankopfer für ein neugeborenes Kind, überliefert für den siebten Tag. In Deutschland stellt sich dabei weniger die Frage nach dem Ob als nach dem Wie: Wo lässt man schlachten, wenn man keinen Hof kennt, und was ist, wenn der siebte Tag längst vorbei ist?

Aqiqa auf einen Blick

  • Wann macht man Aqiqa? Am siebten Tag nach der Geburt.
  • Wie rechnet man den siebten Tag? Der Geburtstag zählt mit. Ein Kind vom Montag hat am Sonntag darauf seinen siebten Tag. Weiter unten steht ein Rechner dafür.
  • Wie viele Tiere? Nach den meisten Schulen zwei Schafe für einen Jungen, eines für ein Mädchen.
  • Wie verbindlich ist sie? Nach malikitischer, schafiitischer und hanbalitischer Auffassung eine nachdrücklich empfohlene Sunna. Nach klassischer hanafitischer Auffassung schlicht erlaubt, weder Sunna noch empfohlen.
  • Was kostet Aqiqa in Deutschland? Über eine Hilfsorganisation ab rund 100 Euro je Tier, über einen Betrieb hier eher 200 bis 300 Euro. Die Zahlen dazu stehen weiter unten.
  • Kann man sie nachholen? Ja, auch im Erwachsenenalter, nur ohne den besonderen Rang des siebten Tages.
  • Geht auch Geld statt Tier? Nach überwiegender Auffassung nicht; die Aqiqa ist ihrem Wesen nach ein Opfer.
  • Muss sie in Deutschland stattfinden? Nein. Viele Familien lassen sie im Ausland ausrichten.

Woher der Brauch kommt

Die Grundlage ist ein knapper Satz, überliefert von Samura ibn Dschundub:

Jeder Junge ist mit seiner Aqiqah verpfändet. Am siebten Tag wird für ihn geschlachtet, sein Kopf wird geschoren und er wird benannt.

Sunan at-Tirmidhi 1522

Drei Handlungen stehen also nebeneinander: das Opfer, das Scheren der Haare und die Namensgebung. Die Gelehrten haben das Wort „verpfändet" unterschiedlich gedeutet; die verbreitete Lesart bezieht es auf die Fürsprache, nicht auf einen Makel des Kindes.

Zur Zahl der Tiere ist überliefert:

Für einen Jungen zwei einander entsprechende Schafe, für ein Mädchen eines.

Sunan Abi Dawud 2834

Bemerkenswert ist, was der Prophet an dem Wort selbst auszusetzen hatte. Gefragt nach der Aqiqah, wies er den Begriff zurück, weil seine Wurzel an Ungehorsam anklingt, und sprach lieber davon, dass jemand für sein Kind schlachtet (Sunan an-Nasa'i 4212).

Was das Wort bedeutet

Die Wurzel ʿ-q-q trägt die Bedeutung spalten oder durchtrennen. Mit ʿaqīqa bezeichnete man ursprünglich auch das Haar, mit dem ein Kind zur Welt kommt, und daraus wurde der Name für die Handlung am siebten Tag, bei der genau dieses Haar geschoren wird.

Nicht zu verwechseln: Aqiqa, Adak und Schukr-Kurban

Drei Anlässe werden im Alltag oft durcheinandergebracht, weil bei allen dreien ein Tier geschlachtet wird:

AnlassWodurch ausgelöstZeitpunkt
Aqiqadie Geburt eines Kindessiebter Tag
Adak (arabisch Nadhr)ein Gelübde, das man abgelegt hatwenn die Bedingung eintritt
Schukr-KurbanDankbarkeit ohne festen Anlassjederzeit

Ein Adak ist also kein Ersatz für eine Aqiqa und umgekehrt. Wer beides vorhat, richtet beides aus.

Was die Schulen sagen

Hier lohnt die Genauigkeit, weil die meisten Gemeinden in Deutschland hanafitisch geprägt sind und viele Familien deshalb Widersprüchliches hören.

SchuleEinstufung
HanafitischKlassisch lediglich erlaubt, weder Sunna noch empfohlen. Spätere Gelehrte einzelner Regionen stufen sie im Licht der anderen Schulen als empfohlen ein.
MalikitischNachdrücklich empfohlene Sunna
SchafiitischNachdrücklich empfohlene Sunna
HanbalitischNachdrücklich empfohlene Sunna

Praktisch heißt das: Wer sie ausrichtet, tut nichts Falsches, gleich welcher Schule er folgt. Wer sie auslässt, versäumt nach hanafitischer Auffassung nichts und nach den übrigen drei eine nachdrückliche Empfehlung. Niemand sollte sich unter Druck setzen lassen, und niemand sollte sie deshalb geringschätzen.

Wann genau der siebte Tag ist

Kalenderleiste von Tag 1 bis Tag 7 mit den drei Handlungen Schlachten, Haare scheren und Namen geben

Gezählt wird ab dem Geburtstag, und dieser zählt mit. Ein Kind, das an einem Montag geboren wird, hat seinen siebten Tag am darauffolgenden Sonntag.

Wann ist der siebte Tag?

Geburtsdatum eingeben, die Rechnung läuft im Browser.

Siebter Tag
Falls es nicht klappt: vierzehnter Tag
Und der einundzwanzigste

Bei einer Geburt nach Sonnenuntergang beginnt nach der überlieferten Tageszählung bereits der nächste Tag. Dann verschiebt sich alles um einen Tag nach hinten.

Bei einer Geburt spät am Abend, nach Sonnenuntergang, beginnt nach der überlieferten Tageszählung bereits der nächste Tag. Wer es genau nehmen will, fragt in der Gemeinde nach; wer knapp daneben liegt, hat nichts verdorben.

Ist der siebte Tag nicht zu schaffen, nennen Gelehrte den vierzehnten und den einundzwanzigsten als weitere Möglichkeiten. Und wer sie ganz verpasst hat, kann sie später nachholen, auch als Erwachsener für sich selbst.

Was sonst noch zur Geburt gehört

Zwei Datteln, eine davon aufgeschnitten, daneben der Kern
Für den Tahnik wird eine Dattel weich gekaut und dem Kind an den Gaumen gestrichen. Foto: Ivar Leidus, CC BY-SA 4.0, Ausschnitt.

Die Aqiqah steht nicht allein. Überliefert und empfohlen sind daneben:

  • Der Gebetsruf ins Ohr. Überliefert ist, dass der Prophet dem neugeborenen Hasan ibn Ali den Adhan ins Ohr sprach (Sunan Abi Dawud 5105). Die verbreitete Praxis, zusätzlich die Iqama ins linke Ohr zu sprechen, geht auf eine andere Überlieferung zurück und wird nicht überall geübt.
  • Tahnik. Überliefert ist, dass eine Dattel weich gekaut und dem Kind an den Gaumen gestrichen wurde. Wer das heute tun möchte, klärt Hygiene und Zeitpunkt vorher mit der Hebamme oder der Kinderärztin ab; ein Neugeborenes bekommt in den ersten Tagen normalerweise nichts außer Milch.
  • Die Namensgebung am siebten Tag.
  • Das Scheren der Haare und eine Spende in Gold oder Silber nach dem Gewicht der Haare. Bei Silber ist das meist ein sehr kleiner Betrag, oft im einstelligen Eurobereich, und viele Familien runden großzügig auf.
  • Die Beschneidung der Jungen. Über den Zeitpunkt gehen die Auffassungen auseinander, vom siebten Tag bis ins Kindesalter. In Deutschland führt sie ein Arzt durch; die rechtlichen Voraussetzungen regelt § 1631d BGB.

Wie das in Deutschland praktisch geht

Die meisten Familien in Deutschland haben keinen Zugang zu einem Tier und keinen Ort, an dem sie es schlachten dürften. Das ist kein religiöses, sondern ein rechtliches und logistisches Thema.

Im eigenen Garten schlachten ist praktisch ausgeschlossen. Warmblütige Tiere dürfen nur nach Betäubung geschlachtet werden. Eine Ausnahme für das Schächten erteilt die zuständige Behörde auf Antrag und nur, soweit es erforderlich ist, um den Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter Religionsgemeinschaften zu entsprechen (§ 4a Tierschutzgesetz). Solche Genehmigungen gehen an Betriebe, die die Anforderungen erfüllen, nicht an Privatpersonen. Dazu kommen die Vorgaben des Lebensmittel- und Hygienerechts.

Drei Möglichkeiten in Deutschland:

  1. Über einen Halal-Schlachtbetrieb oder eine Metzgerei. Man gibt den Auftrag, das Tier wird geschlachtet, man holt das Fleisch ab oder lässt es zerlegen. Preise für ein Schaf bewegen sich je nach Region und Gewicht im dreistelligen Bereich; verbindlich sagt das nur der Betrieb selbst.
  2. Über die eigene Moscheegemeinde. Viele Gemeinden haben feste Ansprechpartner und bündeln Aufträge, was es günstiger macht.
  3. Über eine Hilfsorganisation im Ausland. Das Tier wird dort geschlachtet, das Fleisch wird vor Ort verteilt. Die Familie ist bei der Schlachtung nicht dabei und bekommt kein Fleisch.

Wichtig ist bei allen drei Wegen, dass die Bedingungen an das Tier eingehalten werden.

Welches Tier es sein muss

  • Schaf oder Ziege sind der sichere Fall, weil die Überlieferungen davon sprechen (Sunan Abi Dawud 2834). Wer zwei nicht aufbringt, gibt eines.
  • Rind und Kamel werden von einem Teil der Gelehrten zugelassen, von einem anderen nicht. Wer sichergehen will, nimmt Schaf oder Ziege.
  • Gesundheit und Alter richten sich nach denselben Anforderungen wie beim Qurbani: gesund, ohne erhebliche Mängel, alt genug.
  • Ein Tier gehört zu einem Kind. Anders als beim Opferfest, wo sich mehrere an einem Rind beteiligen können, wird eine Aqiqa nicht unter mehreren Kindern aufgeteilt.
  • Der Name des Kindes wird beim Schlachten genannt. Das ist verbreitete Praxis und wird von Gelehrten empfohlen, gehört aber nicht zu den Bedingungen der Gültigkeit.

Nach schafiitischer Auffassung werden die Knochen des Tieres nicht zerschlagen, sondern an den Gelenken gelöst. Das wird als gutes Vorzeichen für die Unversehrtheit des Kindes verstanden. Nach hanafitischer Auffassung darf das Fleisch roh oder gekocht, mit oder ohne zerteilte Knochen weitergegeben werden.

Was eine Aqiqa in Deutschland kostet

Zu dieser Frage findet man im Netz fast nur „das ist unterschiedlich". Deshalb haben wir im August 2026 die öffentlich einsehbaren Preislisten deutscher Halal-Betriebe und die Spendenseiten hier tätiger Hilfsorganisationen durchgesehen und zusammengerechnet. Verbindlich ist immer nur der Preis, den der jeweilige Anbieter nennt.

WegPreisangabenEin Tier kostet damit etwa
Über eine Hilfsorganisation, Schlachtung im Auslandab 100 € je Tier, je nach Zielland gestaffelt100 bis 160 €
Lamm im Ganzen bei einem Betrieb in Deutschland10,75 bis 12,50 € je Kilo, Tiere meist 18 bis 25 kg200 bis 310 €
Schaf im Ganzen bei einem Betrieb in Deutschland6,00 bis 8,80 € je Kilo, Tiere meist 24 bis 35 kg150 bis 310 €
Zerlegen und Portionieren0,50 bis 1,00 € je Kilo Aufpreis10 bis 35 € zusätzlich

Daraus lassen sich drei Dinge ablesen:

  • Der Weg über eine Organisation ist etwa halb so teuer wie ein Tier hier, weil Aufzucht und Schlachtung im Zielland weniger kosten.
  • Für einen Jungen mit zwei Tieren liegt man in Deutschland bei rund 400 bis 600 Euro, über eine Organisation bei 200 bis 320 Euro.
  • Die Kilopreise sind Nettopreise und meist an eine Abnahmemenge gekoppelt. Wer ein einzelnes Tier bestellt, zahlt am oberen Ende.

Ein Hinweis zum Zeitpunkt: Wer über eine Organisation im Ausland geht, sollte einkalkulieren, dass der siebte Tag oft nicht eingehalten werden kann. Die Abwicklung dauert, und Organisationen sichern die Frist in aller Regel nicht zu. Wer den siebten Tag genau treffen will, braucht den Weg vor Ort und sollte den Betrieb schon vor der Geburt ansprechen.

Wohin das Fleisch geht

Vorgeschrieben ist keine feste Aufteilung. Verbreitet ist die Dreiteilung: ein Teil für die Familie, ein Teil für Verwandte und Nachbarn, ein Teil für Bedürftige. Sie ist von der Praxis beim Opferfest übernommen und keine eigene Vorgabe für die Aqiqa. Nach schafiitischer Auffassung liegt der Schwerpunkt ausdrücklich auf den Bedürftigen.

Eine alte Gewohnheit, die kaum jemand mehr kennt: Ein Stück ging an die Hebamme. Wer heute jemanden hat, der der Familie bei der Geburt beigestanden ist, kann daran anknüpfen.

Gemeinsam gegessen wird bei beiden Anlässen. Bei der Aqiqah hat die Einladung gewohnheitsmäßig aber oft den Charakter eines eigenen Festes, ähnlich einer Walima: Die Geburt wird öffentlich gemacht und das Kind der Gemeinschaft vorgestellt. Das ist gelebter Brauch, kein rechtlicher Unterschied zum Opferfest.

Checkliste für die ersten sieben Tage

Aqiqah vorbereiten

  1. Tag ausrechnen. Geburtstag mitzählen, dann sechs Tage dazu. Bei später Abendgeburt in der Gemeinde nachfragen.
  2. Weg wählen. Schlachtbetrieb, Gemeinde oder Hilfsorganisation. Frühzeitig anfragen, gerade vor dem Opferfest sind die Betriebe ausgelastet.
  3. Zahl der Tiere klären. Zwei für einen Jungen, eines für ein Mädchen; wer nur eines aufbringt, gibt eines.
  4. Namen festlegen. Er gehört zum selben Tag.
  5. Haare scheren und den Gegenwert in Gold oder Silber spenden.
  6. Verteilung planen. Wer bekommt Fleisch, wer wird eingeladen, was geht an Bedürftige.

Checkliste aus dem Beitrag „Aqiqah in Deutschland“ auf blog.commonsplace.de

Häufige Fragen

Was, wenn wir uns zwei Tiere nicht leisten können?
Dann wird eines geschlachtet. Die Pflichten des Islam setzen Fähigkeit voraus, und ein Tier ist besser als keines. Wer gar nichts aufbringen kann, schuldet nichts.

Geht auch Geld statt Tier?
Die Aqiqah ist ihrem Wesen nach ein Opfer, deshalb wird sie überwiegend an das Tier gebunden. Wer stattdessen spenden möchte, tut etwas Gutes, hat damit aber nach überwiegender Auffassung keine Aqiqah ausgerichtet.

Darf man ein Rind nehmen?
Die Auffassungen gehen auseinander. Am sichersten ist ein Schaf oder eine Ziege, weil die Überlieferungen davon sprechen.

Kann man sie für ein verstorbenes Kind ausrichten?
Ein Teil der Gelehrten hält das für empfohlen, wenn das Kind den siebten Tag erreicht hätte, ein anderer sieht den Anlass mit dem Tod entfallen. Wer es tun möchte, kann es tun. Wer es unterlässt, versäumt nichts.

Muss der Vater bezahlen?
Üblicherweise trägt der Vater die Kosten. Wenn jemand anderes es übernimmt, ist das unproblematisch.

Was ist mit Zwillingen?
Für jedes Kind gilt die Regel einzeln. Ein Tier lässt sich nicht auf zwei Kinder aufteilen.

Kann jemand anderes als der Vater die Aqiqa ausrichten?
Ja. Üblicherweise übernimmt sie der Vater, aber auch der Großvater oder ein anderer Angehöriger kann sie ausrichten.

Ist das eine Sunna von Ibrahim?
Der Zusammenhang mit Ibrahim wird oft hergestellt, weil das Tieropfer aus Dankbarkeit auf ihn zurückgeführt wird. Die Aqiqa selbst ist aber in der Sunna des Propheten Muhammad begründet.

Zählt eine Aqiqah als Sadaqah?
Der Anteil, der an Bedürftige geht, ist Sadaqah. Die Aqiqah selbst ist ein eigenständiger Anlass und ersetzt keine Pflichtabgabe.

Quellen

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OB

Omar B.

Omar B. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog, meist über Geld, Recht und praktische Fragen des Alltags. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Glossar
Kareem C. 2 Min. Lesezeit

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