Dunya: das Diesseits
Das diesseitige Leben. Das Wort heißt eigentlich: das Nähere.
Dunya bezeichnet das diesseitige Leben, im Gegensatz zur Achira, dem Jenseits. Das Wort ist nicht abwertend gemeint: Es beschreibt eine Reihenfolge, nicht ein Urteil.
Woher das Wort kommt
Dunya ist die Steigerungsform von dani, nah. Wörtlich also: das Nähere. Gemeint ist das Leben, das jetzt vor einem liegt, im Verhältnis zu dem, was danach kommt.
Im Alltag
Der Quran bewertet die Dunya an mehreren Stellen als vergänglich und als Genuss der Täuschung, wenn sie zum Ziel wird. Zugleich enthält er das bekannte Bittgebet, das ausdrücklich beides erbittet: Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes.
Beides zusammen ergibt die islamische Haltung: Das Diesseits ist nicht schlecht, es ist nur nicht das Letzte. Überliefert ist das Bild vom Gefängnis für den Gläubigen und dem Paradies für den Ungläubigen — gemeint ist der Maßstab, nicht die Aufforderung zum Leiden.
Praktisch geht es um die Reihenfolge, nicht um den Verzicht. Ein Beruf, ein Haus, eine Familie, Vermögen: All das ist nicht die Dunya im tadelnden Sinn. Zur Dunya im tadelnden Sinn wird es dort, wo es an die Stelle des Ziels tritt.
Überliefert ist dazu ein Satz, der oft zitiert wird, weil er unbequem ist: Zwei Gaben werden von vielen Menschen verspielt — Gesundheit und freie Zeit. Beide gehören zur Dunya und beide sind knapp.
Nicht zu verwechseln mit
Der Aufforderung zur Weltflucht. Der Islam kennt kein Mönchtum; siehe Zuhd.
Häufige Fragen
Darf man Erfolg anstreben? Ja. Bewertet wird, womit und wofür.
Ist die Dunya eine Prüfung? Der Quran beschreibt sie so, mit Gutem wie mit Schwerem; siehe Fitna.
Was heißt „Dunya-Mensch"? Eine umgangssprachliche Wendung für jemanden, der nur auf das Diesseits schaut. Im Quran steht sie so nicht.
Quellen
- „Unser Herr, gib uns im Diesseits Gutes und im Jenseits Gutes": Quran, Sure 2, Vers 201; das Diesseits als Genuss der Täuschung: Sure 57, Vers 20.
- „Die Welt ist ein Gefängnis für den Gläubigen", überliefert von Abu Huraira: Sahih Muslim 2956.
- „Zwei Gaben, um die viele betrogen werden: Gesundheit und freie Zeit", überliefert von Ibn Abbas: Sahih al-Bukhari 6412.
- Zur Vertiefung: Afterlife, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.