Zuhd: die Genügsamkeit
Das Herz nicht an den Besitz hängen. Armut verlangt das nicht.
Zuhd bezeichnet die Genügsamkeit: das Herz nicht an den Besitz zu hängen. Gemeint ist eine innere Haltung, nicht der Verzicht auf Eigentum. Mehrere der frühesten Gefährten waren wohlhabende Kaufleute.
Woher das Wort kommt
Zuhd kommt von zahida, an etwas kein Verlangen haben. Verwandt im Sinn ist qanaa, die Zufriedenheit mit dem, was man hat.
Im Alltag
Die klassische Formel lautet: Zuhd bedeutet, dass die Hand den Besitz hält und das Herz ihn nicht. Ali ibn Abi Talib wird der Satz zugeschrieben, es sei nicht Zuhd, nichts zu besitzen, sondern nicht besessen zu werden.
Überliefert ist der Rat des Propheten an Ibn Umar, er solle in dieser Welt sein wie ein Fremder oder ein Reisender. Ibn Umar fügte hinzu: Wenn du den Abend erlebst, erwarte nicht den Morgen, und wenn du den Morgen erlebst, erwarte nicht den Abend. Ein Reisender nutzt die Herberge, richtet sich aber nicht darin ein.
Dass Besitz nicht das Problem ist, zeigt die Lebensweise mehrerer Gefährten. Abdurrahman ibn Auf und Uthman ibn Affan waren vermögend und finanzierten damit Brunnen, Ausrüstung und Versorgung. Der Waqf als Einrichtung setzt Vermögen sogar voraus: Ohne Eigentum gibt es nichts zu stiften.
Praktisch geprüft wird Zuhd nicht am Kontostand, sondern an zwei Fragen: Was passiert innerlich, wenn etwas verloren geht? Und wie leicht fällt es, etwas herzugeben?
Nicht zu verwechseln mit
Mönchtum. Der Islam kennt kein Rückzugsideal; überliefert ist ausdrücklich die Zurückweisung derer, die Ehe, Schlaf und Essen aufgeben wollten.
Häufige Fragen
Darf man reich sein? Ja. Bewertet wird der Erwerb und die Verwendung, nicht die Höhe.
Ist Sparen erlaubt? Ja, ebenso Vorsorge und Investition. Siehe Tawakkul.
Wie fängt man an? Genannt wird, gelegentlich etwas herzugeben, an dem man hängt, und den Blick auf das zu richten, was bleibt.
Quellen
- „Sei in dieser Welt, als wärest du ein Fremder oder ein Reisender", überliefert von Ibn Umar: Sahih al-Bukhari 6416.
- Das diesseitige Leben als Genuss der Täuschung: Quran, Sure 57, Vers 20.
- Zur Vertiefung: Psychology of Wealth, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.