Fard ain und Fard kifaya: Einzelpflicht und Gemeinschaftspflicht
Manche Pflichten treffen jeden Einzelnen, andere fallen weg, sobald genug Leute sie erfüllen.
Fard ain ist eine Pflicht, die jeden Einzelnen trifft und die niemand für einen anderen erfüllen kann. Fard kifaya ist eine Pflicht der Gemeinschaft: Erfüllen sie genügend Menschen, ist sie für alle anderen erledigt. Tut es niemand, trifft die Verfehlung alle.
Woher das Wort kommt
Fard heißt Pflicht. Ain bedeutet hier die einzelne Person, kifaya das Ausreichen oder Genügen. Fard kifaya ist also wörtlich die Pflicht, die erfüllt ist, wenn genug getan wurde.
Im Alltag
Fard ain sind das tägliche Gebet, das Fasten im Ramadan, die Zakat für den, der sie schuldet, und die Pilgerfahrt einmal im Leben, wenn es möglich ist. Niemand kann für einen anderen beten.
Fard kifaya sind das Totengebet und die Waschung eines Verstorbenen, das Erlernen der Religionswissenschaften, die medizinische Versorgung einer Gemeinschaft und das Erwidern des Grußes durch eine Gruppe.
Für Gemeinden in Deutschland ist diese Unterscheidung mehr als Theorie. Dass eine Stadt jemanden hat, der eine Totenwaschung durchführen kann, ist eine Gemeinschaftspflicht. Solange es diese Person gibt, ist sie für alle erfüllt. Zieht sie weg und es rückt niemand nach, trifft es die ganze Gemeinde.
Nicht zu verwechseln mit
Der Sunna. Die Sunna ist empfohlen, aber nicht verpflichtend. Beide Formen des Fard sind verpflichtend, sie unterscheiden sich nur darin, wen die Pflicht trifft.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen genügen bei einer Gemeinschaftspflicht? So viele, wie die Sache erfordert. Bei einem Totengebet reicht eine kleine Zahl, bei der Versorgung einer Stadt mit Ärzten entsprechend mehr.
Wird eine Gemeinschaftspflicht zur Einzelpflicht? Ja. Wenn niemand sonst da ist, der es kann, trifft sie den Einzelnen unmittelbar.
Ist der Moscheebau eine Gemeinschaftspflicht? Dass eine Gemeinde einen Ort für das Freitagsgebet hat, wird vielfach so eingeordnet. Ob das im konkreten Fall einen Neubau erfordert, ist eine andere Frage. Mehr dazu in unserem Beitrag über Moscheen in Deutschland.
Quellen
- Zur Einordnung der Pflichtstufen im hanafitischen Recht: SeekersGuidance, The Hanafi Madhab’s Approach to Classifying Legal Rulings
Verwandte Begriffe: Janaza-Gebet, Zakat, Ibadah.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.