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Moscheen in Deutschland: Geschichte, Zahlen und wer sie trägt

Von einem Holzbau im Kriegsgefangenenlager 1915 zu rund 2.500 Gemeinden: die Geschichte der Moscheen in Deutschland, was diese Häuser leisten und wem sie hier eigentlich gehören.

Kareem C.
Die DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld mit geschwungener Kuppel und zwei Minaretten
Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Foto: Superbass, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Bismillahir-Rahmanir-Rahim.

Als der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach Medina kam, war seine erste Amtshandlung kein Vertrag und kein Feldzug. Er kaufte ein Stück Land und baute eine Moschee. Den Preis wollten die Eigentümer, die Banu an-Nadschar, ihm schenken. Er bestand darauf zu zahlen. Dann trugen die Gefährten die Steine selbst herbei und sprachen dabei Verse (Sahih al-Bukhari 428).

An diesem Anfang hängen zwei Dinge, die bis heute gelten. Moscheen wurden von Beginn an gemeinschaftlich getragen, und sie entstehen durch die Hände derer, die in ihnen beten werden. Wem eine Moschee rechtlich gehört, ist eine ganz andere Frage. In Deutschland fällt die Antwort darauf überraschend aus, und wir kommen später darauf zurück.

Dieser Text erzählt, wie aus einem Holzbau in einem Kriegsgefangenenlager rund 2.500 Moscheen in Deutschland geworden sind, was diese Häuser für die Menschen leisten, die sie tragen, und warum die Frage, wem eine Moschee hier eigentlich gehört, anders beantwortet wird als in der islamischen Rechtstradition.

Was eine Moschee im Islam ist, und was nicht

Das arabische Wort masdschid heißt wörtlich Ort der Niederwerfung. Es beschreibt keine Bauform, sondern eine Handlung. Deshalb ist die Moschee im Islam kein geweihtes Gebäude, in dem etwas anwesend wäre, das anderswo fehlt. Sie ist der Ort, an dem eine Gemeinde sich versammelt, um das zu tun, was sie überall tun dürfte.

Das erklärt, warum eine Fabriketage in Duisburg dieselbe Funktion erfüllt wie eine Kuppel in Köln, und warum niemandes Gebet in einer Hinterhofmoschee weniger zählt. Es erklärt aber nicht, warum Gemeinden trotzdem bauen. Der Grund dafür steht in einer Überlieferung, die zugleich das älteste bekannte Streitgespräch über Baukosten enthält.

Uthman ibn Affan ließ als Kalif die Prophetenmoschee in Medina erweitern. Die Leute warfen ihm vor, zu viel Geld dafür auszugeben. Seine Antwort: „Ihr seid mir gegenüber nicht gerecht. Ich habe den Gesandten Allahs sagen hören: Wer eine Moschee für Allah baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies" (Sahih al-Bukhari 450, ebenso Sahih Muslim 533).

Zwei Dinge daran sind bemerkenswert. Erstens: Die Debatte, ob eine Gemeinde so viel Geld in Stein stecken darf, ist keine deutsche Erfindung des 21. Jahrhunderts. Sie ist so alt wie die zweite Generation der Muslime. Zweitens: In einer Überliefererkette steht der Zusatz „während er dabei das Wohlgefallen Allahs sucht". Der Lohn hängt nicht an der Größe des Baus, sondern an der Absicht dahinter. Wer eine Moschee baut, um gesehen zu werden, hat gebaut. Mehr nicht.

Warum Moscheen Kuppeln und Minarette haben

Keines der Bauteile, an denen man eine Moschee von außen erkennt, ist religiös vorgeschrieben. Alle sind aus einem praktischen Bedürfnis entstanden und erst später zum Zeichen geworden.

Das Minarett war der erhöhte Standort für den Gebetsruf. Bevor es Lautsprecher gab, musste der Adhan über die Dächer eines Viertels tragen, und dafür brauchte der Rufende Höhe. In Deutschland ist der hörbare Gebetsruf nach außen die Ausnahme: Er ist möglich, wird aber im Einzelfall genehmigt und richtet sich nach dem Immissionsschutzrecht der jeweiligen Kommune. Manche Gemeinden nutzen ihn, viele verzichten darauf. Praktisch bleibt vom Minarett damit vor allem das Zeichen, und genau deshalb wird über Minarette so heftig gestritten. Es geht in diesen Debatten selten um Schall und fast immer um Sichtbarkeit. Die Prophetenmoschee in Medina hatte zu Lebzeiten des Propheten überhaupt kein Minarett. Wie viele eine Moschee bekommt, ist Bautradition, kein Gebot.

Die Kuppel löste ein bauliches Problem. Ein Gebetsraum soll möglichst stützenfrei sein, damit die Reihen ununterbrochen stehen können. Kuppeln ermöglichten weitgehend stützenfreie Innenräume und wurden dadurch zu einem prägenden Element islamischer Architektur. Dazu kommt die Akustik: Unter einer Kuppel trägt eine Stimme auch ohne Verstärkung weit.

Der Waschraum ist beim Umbau eines vorhandenen Gebäudes oft der aufwendigste Teil. Für den Wudu braucht eine Gemeinde niedrige Becken, Sitzgelegenheiten, Bodenabläufe und eine Entlüftung. In einem Ladenlokal oder einer Wohnung sind Zuleitungen und Abflüsse dafür meist nicht vorhanden und müssen neu gelegt werden, was Genehmigungen und Kosten nach sich zieht. Wie stark dieser Posten ins Gewicht fällt, hängt vollständig am Gebäude.

Der Mihrab, die Nische in der Wand, zeigt die Qibla, also die Richtung nach Mekka. In einem umgebauten Gebäude bestimmt er den ganzen Grundriss, weil die Gebetsreihen quer zur Raumachse stehen müssen, wenn das Haus nicht zufällig richtig steht. Weil nichts davon vorgeschrieben ist, gibt es in Deutschland auch Moscheen ganz ohne diese Merkmale, und Gemeinden, die bewusst darauf verzichten, um einen Bauantrag nicht zu gefährden.

Die Geschichte der Moscheen in Deutschland

Wer wissen will, wie Muslime in Deutschland angekommen sind, kann die Frage an den Gebäuden entlang beantworten. Sie erzählen die Geschichte genauer als jede Statistik.

Zeitleiste der Moscheen in Deutschland von 1779 bis heute mit acht Stationen
Elf Jahrzehnte in acht Stationen. Eigene Zusammenstellung nach den unten aufgeführten Quellen.

1779: eine Moschee ohne Gemeinde

Das erste moscheeähnliche Bauwerk auf deutschem Boden steht im Schlossgarten von Schwetzingen. Kurfürst Carl Theodor ließ es als Gartenarchitektur errichten, mit Minaretten und Kuppel, nach dem Geschmack einer Zeit, die das Morgenland als Kulisse liebte. Gebetet hat dort nie jemand. Auch in Potsdam gibt es einen solchen Bau, ein Dampfmaschinenhaus im Moscheegewand. Beide sind Architektur über Muslime, nicht für sie.

1915: die erste echte Moschee

Im Ersten Weltkrieg richtete das Deutsche Reich in Wünsdorf südlich von Berlin das sogenannte Halbmondlager ein, ein Kriegsgefangenenlager für muslimische Soldaten aus den Kolonialarmeen Frankreichs und Großbritanniens und aus dem russischen Reich. Auf Wunsch von Sultan Mehmet V. entstand dort in nur fünf Wochen eine Moschee aus Holz, eingeweiht am 13. Juli 1915 zum Beginn des Ramadan. Das Minarett maß 23 Meter, die Kuppel hatte 12 Meter Durchmesser.

Historische Aufnahme der hölzernen Moschee im Halbmondlager Wünsdorf aus dem Jahr 1917, dahinter die Baracken des Lagers
Die Moschee im Halbmondlager Wünsdorf, aufgenommen 1917. Foto: unbekannt, gemeinfrei, über Wikimedia Commons.

Man sollte diesen Anfang nicht verklären. Die Moschee war kein Geschenk, sondern ein Instrument. Das Reich wollte die Gefangenen für den Krieg gegen ihre eigenen Kolonialmächte gewinnen und förderte deshalb ihre religiöse Praxis, bis hin zur Ausgabe der Verpflegung nach Sonnenuntergang im Ramadan. Als der Krieg vorbei war, verfiel das Gebäude. Um 1926 wurde es abgerissen.

Was bleibt, ist trotzdem bemerkenswert: Die erste Moschee in Deutschland stand für Menschen, die nicht freiwillig hier waren, und sie verschwand, sobald sie ihren Zweck erfüllt hatte. Ein Muster, das sich in den Jahrzehnten danach wiederholen sollte, wenn auch mit anderen Vorzeichen.

1928: das älteste erhaltene Haus

Von 1924 bis 1927 entstand in Berlin-Wilmersdorf ein Kuppelbau nach dem Vorbild des Tadsch Mahal, mit zwei Minaretten von je 32 Metern und Platz für rund 400 Betende. Er wurde am 23. März 1928 eröffnet und ist bis heute das älteste erhaltene Moscheegebäude Deutschlands. Errichtet und finanziert wurde er von der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung aus Britisch-Indien, ausschließlich aus Spenden.

Die Wilmersdorfer Moschee in Berlin mit Kuppel und zwei Minaretten, das älteste erhaltene Moscheegebäude Deutschlands
Die Wilmersdorfer Moschee in Berlin, eröffnet 1928. Foto: Martin Kraft, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Zur Einordnung: Die Ahmadiyya geht auf Mirza Ghulam Ahmad zurück, der 1889 in Indien eine Gemeinschaft gründete, und versteht sich selbst als islamisch. Die große Mehrheit der sunnitischen und schiitischen Gelehrsamkeit erkennt sie nicht als Teil des Islam an, weil Ahmad Anspruch auf Prophetentum erhob und damit die Endgültigkeit der Prophetie berührt, arabisch khatm an-nubuwwa. Wir führen das Gebäude hier als Baudenkmal der deutschen Geschichte auf, nicht als Teil einer muslimischen Gemeindegeschichte.

Ab 1961: die Jahrzehnte der Hinterhöfe

Die eigentliche Geschichte muslimischer Gemeinden in Deutschland beginnt nicht mit einem Bauwerk, sondern mit Arbeitsverträgen. Nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei 1961 kamen Hunderttausende, dazu Menschen aus Marokko, Tunesien und dem damaligen Jugoslawien. Niemand plante Moscheen, weil niemand mit einem Bleiben rechnete, die Zugezogenen selbst am wenigsten.

Gebetet wurde deshalb dort, wo Platz war und die Miete reichte: in Fabriketagen, Ladenlokalen, Kellern, Wohnungen. Der abwertende Begriff Hinterhofmoschee beschreibt in Wahrheit eine erstaunliche Leistung. Arbeiter, die selbst wenig verdienten, legten ihr Geld zusammen, mieteten Räume an, kauften Teppiche, richteten Waschgelegenheiten ein und stellten aus den eigenen Reihen jemanden ab, der vorbetete. Ohne Bauamt, ohne Verband, ohne Zuschuss.

Diese Selbstorganisation ist das Fundament, auf dem bis heute alles steht. Und sie ist der Grund, warum die Mehrheit der Gemeinden auch jetzt noch in ehemaligen Fabriken, Wohnhäusern und Ladengeschäften sitzt.

1964: die Studenten von Aachen bauen selbst

Parallel zu den Hinterhöfen geschah in Aachen etwas anderes, und dieser Fall lohnt eine genauere Betrachtung, weil er fast alles vorwegnimmt, was eine Moscheegemeinde in Deutschland bis heute durchläuft.

Am Anfang stand kein Verband und kein Staat, sondern eine Hochschule. Aachen zog wegen der RWTH Studenten aus der ganzen islamischen Welt an, und deren Studentenverein entwickelte bereits 1958 die Idee eines islamischen Zentrums. Zur selben Zeit kamen Arbeiter aus der Türkei und aus Marokko in die Steinkohlezechen der Region. Zwei sehr verschiedene Gruppen, die denselben Raum brauchten.

Dann begann das, was heute jede Gemeinde kennt: die Suche nach einem Grundstück. Sie zog sich über Jahre hin. Erst am 13. Mai 1964 konnte der Grundstein für die Bilal-Moschee gelegt werden, auf einem Gelände der Technischen Hochschule und in Anwesenheit ihres Rektors. Entworfen hat sie Rudolf Steinbach, Professor für Baukonstruktion an eben dieser Hochschule, zusammen mit seinem Assistenten Gernot Kramer. Die Moschee trägt den Namen von Bilal al-Habaschi, dem ersten Muezzin des Islam, der als Sklave nach Medina kam.

Die Bilal-Moschee in Aachen mit ihrem schlichten Betonbau und dem Minarett
Die Bilal-Moschee in Aachen, seit 2012 Baudenkmal. Foto: Norbert Schnitzler, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

An der Finanzierung lässt sich ablesen, wo eine muslimische Gemeinde in Deutschland damals stand. Die Baukosten von 800.000 D-Mark trugen die Botschaften von 14 islamisch geprägten Staaten, darunter Mali, Indonesien, Malaysia, Persien und mehrere arabische Länder. Der einzige deutsche Beitrag kam von der Stadt Aachen: 10.000 Mark. Rechnerisch gut ein Prozent. Wer heute über Auslandsfinanzierung von Moscheen diskutiert, sollte diese Zahl kennen, denn sie erklärt einiges an der Vorgeschichte. Muslime lebten damals längst in Deutschland, aber es gab hier noch keine gewachsene, wirtschaftlich etablierte muslimische Bevölkerung, die einen solchen Bau aus eigener Kraft hätte tragen können. Das Geld musste von außen kommen, weil es innen noch nicht da war.

1967 wurde die Moschee eröffnet, das Minarett war da noch nicht fertig; es kam 1971 dazu. 1978 trug man den Trägerverein beim Amtsgericht Aachen ein, ein Jahr später wurde bereits erweitert, weil der Platz nicht mehr reichte. Von 1978 bis 1996 leitete der syrische Gelehrte Issam El-Attar das Zentrum. Heute zählt es über 3.000 Mitglieder unterschiedlichster Herkunft. Seit Januar 2012 steht das Gebäude als Baudenkmal unter Schutz.

Damit ist die Bilal-Moschee eines der ältesten erhaltenen Moscheegebäude Deutschlands und die vierte Moschee, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier gebaut wurde. Vor allem aber ist sie die Blaupause: Idee aus der Gemeinde, jahrelange Grundstückssuche, Finanzierung von außen, weil innen nichts da war, Eröffnung vor der Fertigstellung, Erweiterung nach zwölf Jahren, und am Ende ein Haus, das der Stadt so selbstverständlich geworden ist, dass sie es unter Denkmalschutz stellt. Genau diesen Weg gehen deutsche Gemeinden bis heute, nur dass die Finanzierung inzwischen von hier kommen kann.

2018: sichtbar und umstritten

Erst in den Zweitausenderjahren treten Gemeinden aus den Hinterhöfen heraus, und sofort wird sichtbar, wie umstritten diese Sichtbarkeit ist. Das bekannteste Beispiel ist die DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Das Kölner Architekturbüro Paul Böhm gewann 2006 den Wettbewerb, danach folgten jahrelange öffentliche Auseinandersetzungen über Kuppel und Minaretthöhe, Baumängel und mehrfach verschobene Termine. Im Juni 2017 wurde der Kuppelsaal erstmals genutzt, die Einweihung fand am 29. September 2018 statt. Die Baukosten lagen bei über 30 Millionen Euro, nach Angaben des Trägers aus Eigenmitteln und Spenden.

Die DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld mit ihrer geschwungenen Betonkuppel und den beiden Minaretten
Die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, aufgenommen 2017. Foto: Superbass, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons.

Der Streit um Köln wird oft so erzählt, als sei er der Normalfall. Das ist er nicht. Die allermeisten Moscheebauten in Deutschland entstehen ohne überregionale Schlagzeile. Was Köln zeigt, ist etwas anderes: Solange eine Gemeinde im Hinterhof bleibt, wird sie kaum wahrgenommen. Sobald sie sichtbar wird, wird über sie verhandelt.

Wie viele Moscheen gibt es in Deutschland?

In Deutschland leben nach der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge rund 5,5 Millionen Muslime. Drei Millionen von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie sind damit keine Gastgruppe, sondern ein Teil der Bevölkerung, der zur Hälfte einen deutschen Pass in der Tasche hat.

Für die Gemeinden liefert die bislang gründlichste Erhebung Zahlen, die 2023 im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz veröffentlicht wurden. Sie beruht auf einer Befragung im Jahr 2022.

Was erhoben wurde Ergebnis
Islamische und alevitische Gemeinden rund 2.600
davon Moscheen knapp 2.500
Moscheen mit Minarett mindestens 128
Imame und religiöses Personal rund 2.200 Imame
Gemeinden mit öffentlicher Förderung knapp 10 Prozent
Gemeinden mit genau einer hauptamtlichen Kraft 48 Prozent
Gemeinden ganz ohne hauptamtliche Kraft 30 Prozent

Quelle: Sauer u. a., „Angebote und Infrastrukturen der muslimischen einschließlich alevitischen Gemeinden in Deutschland 2022", Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung, gefördert von der Deutschen Islam Konferenz, veröffentlicht 2023. Ältere Schätzungen liegen bei bis zu 2.750 Moscheen und Gebetsräumen. Eine amtliche Moscheestatistik gibt es in Deutschland nicht, alle Zahlen sind Erhebungen.

Zwei Zeilen dieser Tabelle sind wichtiger als alle anderen. 48 Prozent der Gemeinden haben genau eine hauptamtliche Kraft, meist den Imam. 30 Prozent haben überhaupt keine. Das heißt: Der Hausmeisterdienst, die Buchhaltung, der Jugendunterricht, die Beerdigungshilfe, das Ramadanessen für dreihundert Leute, alles davon machen Menschen nach Feierabend, unbezahlt.

Wer über Moscheen in Deutschland spricht, spricht deshalb in den allermeisten Fällen nicht über eine Institution mit Apparat, sondern über einen Verein mit einem Vorstand, der tagsüber woanders arbeitet.

Wie das in der Praxis aussieht, sehen wir bei uns täglich. Für diesen Beitrag haben wir eine Auswahl von 50 Moscheeprojekten auf commonsplace durchgesehen. Was dabei zusammengekommen ist, steht weiter unten.

Getragen wird all das fast ohne öffentliches Geld: Knapp zehn Prozent der Gemeinden erhalten überhaupt Fördermittel von Kommune, Land oder Bund, und diese fließen in der Regel in Sozialarbeit, nicht in das Gebäude. Der Rest kommt aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Ehrenamt. Was diese Häuser jenseits des Gebets tatsächlich leisten, steht weiter unten.

Warum Moscheen in Deutschland umstritten sind

Eine Moschee zu bauen ist in Deutschland durch ein Grundrecht gedeckt. Die Religionsfreiheit nach Artikel 4 des Grundgesetzes umfasst die ungestörte Religionsausübung, und dazu gehören die Räume dafür. Baurechtlich wird eine Moschee als Anlage für kirchliche Zwecke eingeordnet und damit nicht anders behandelt als das Gebäude einer anderen Religionsgemeinschaft. Ob ein konkretes Vorhaben genehmigt wird, hängt allerdings an einer ganzen Reihe von Fragen: an der Art des Baugebiets, an der Verträglichkeit mit der Umgebung, an Stellplätzen, Erschließung, Immissionen und an der Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes. Eine Moschee genießt keinen Sonderstatus, weder nach oben noch nach unten.

Auch dieser Abschnitt ordnet ein und ersetzt keine Beratung. Wer konkret bauen oder umbauen will, klärt die Genehmigungsfähigkeit vorab mit der Bauaufsicht und einem Architekten oder Fachanwalt für Bau- und Planungsrecht.

In der Praxis mischen sich in die Debatten regelmäßig zwei Ebenen: sachliche bau- und planungsrechtliche Einwände auf der einen Seite, und auf der anderen Argumente, die den sichtbaren Bau als Machtzeichen deuten. Bemerkenswert ist, was Untersuchungen dazu zeigen: Die eskalierenden Fälle sind die Ausnahme, sie werden nur besonders laut ausgetragen. Und dort, wo Gemeinden früh das Gespräch mit Nachbarschaft, Stadtplanung, Kirchen und Vereinen suchen, entstehen Bauten, die am Ende akzeptiert und als Anlaufstelle wahrgenommen werden.

Wie anders es laufen kann, zeigt Duisburg-Marxloh. Dort entstand von 2004 bis 2008 die DITIB-Merkez-Moschee, mit 1.200 Plätzen bis zur Fertigstellung des Kölner Baus die größte Moschee Deutschlands. Bemerkenswert ist nicht das Gebäude, sondern das Verfahren: Ein Beirat aus Vertretern der christlichen Kirchen, der Parteien und der Vereine des Stadtteils begleitete das Vorhaben von Anfang an. Zwischen Planung und Eröffnung gab es weder nennenswerte Proteste noch einen Rechtsstreit. Bei der Einweihung standen der Ministerpräsident und der Bischof von Essen nebeneinander. Seither spricht man vom „Wunder von Marxloh". Ein Wunder war es nicht. Es war Beteiligung, und zwar von der ersten Stunde an.

Die Baukosten lagen bei 7,5 Millionen Euro. Rund 3,4 Millionen Euro davon kamen als Förderung von der EU und vom Land Nordrhein-Westfalen, allerdings ausdrücklich nicht für den Gebetsraum, sondern für die angeschlossene Begegnungsstätte mit Bibliothek, Bistro und Seminarräumen. An dieser Aufteilung lässt sich ablesen, wie öffentliche Förderung in Deutschland funktioniert: Sie geht in das, was allen offensteht, nicht in den Kultraum.

Zugleich ist die andere Seite dieser Sichtbarkeit real und messbar. Straftaten gegen Moscheen werden vom Bundesinnenministerium im Rahmen der politisch motivierten Kriminalität erfasst.

Das Bundesinnenministerium zählte 2024 79 solcher Straftaten und 2025 66. Die Verbände kommen auf deutlich höhere Zahlen, DITIB etwa auf 175 Fälle für 2024, weil sie auch Angriffe auf Gebetsräume in öffentlichen Einrichtungen und Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsschwelle erfassen. Die Lücke zwischen beiden Zählweisen ist ein Hinweis auf eine Dunkelziffer, kein Beleg für ihre Höhe.

Dass Gemeinden trotzdem seit 1997 jedes Jahr am 3. Oktober ihre Türen öffnen, ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit, ist eine bewusste Antwort darauf. Beim ersten Tag der offenen Moschee machten 600 Gemeinden mit, inzwischen sind es jährlich rund 1.000.

Das ungelöste Problem: Moscheen in Deutschland sind kein Waqf

Über tausend Jahre hinweg war die Frage, wem eine Moschee gehört, in der islamischen Welt einheitlich beantwortet. Sie war Waqf, eine unwiderrufliche Stiftung. Der Stifter entzog Grundstück und Gebäude für immer dem Rechtsverkehr. Danach war die Moschee unverkäuflich, unverpfändbar, unvererbbar. Kein Nachkomme, kein Vorstand und kein Gläubiger konnte sie antasten.

Dazu gehörte ein zweiter Teil, den heute kaum jemand mitdenkt. Ein Waqf bestand nicht nur aus dem Gebetshaus, sondern aus einem Ertragsvermögen, das es trug: Läden im Basar, Ackerland, Mühlen, Bäder, deren Einnahmen den Unterhalt, das Gehalt des Imams und die Küche für die Armen deckten. Die Moschee finanzierte sich selbst. Wie weit dieses System reichte, haben wir am Beispiel Algeriens beschrieben, wo bis zur Hälfte des Ackerlands als Waqf gebunden war (Waqf: Wie eine islamische Stiftung ein halbes Land trug).

In Deutschland gibt es davon nichts. Das deutsche Recht kennt den Waqf nicht als Rechtsform. Fast alle der rund 2.600 Moscheegemeinden sind eingetragene Vereine. Und das hat drei Folgen, die jede Gemeinde kennen sollte, bevor sie sammelt.

Erstens: Das Haus gehört dem Verein, nicht den Spendern. Wer fünfhundert Euro zum Kauf beigetragen hat, ist danach nicht Miteigentümer und hat keinen Anspruch auf irgendetwas. Er hat gespendet. Im Grundbuch steht der Verein.

Zweitens: Was einem Verein gehört, kann er verkaufen, belasten und verlieren. Eine Moschee im Vereinseigentum ist juristisch eine Immobilie wie jede andere. Sie kann mit einer Grundschuld belastet werden, um einen Kredit zu bekommen. Sie kann verkauft werden. Und in einer Insolvenz gehört sie zur Masse. Der Waqf war genau dagegen gebaut. Das Vereinsrecht ist es nicht.

Drittens: Wer die Mitgliederversammlung hat, hat das Haus. Ein Verein wird von seinen Mitgliedern gesteuert. Ändert sich die Zusammensetzung, ändert sich, wer über das Vermögen entscheidet. In der Geschichte deutscher Moscheevereine gibt es genug Fälle, in denen ein Streit im Vorstand eine Gemeinde jahrelang gelähmt hat.

Einen Rest von Waqf-Logik gibt es allerdings, und den sollte jede Gemeinde ausschöpfen. Wer als gemeinnützig anerkannt ist, unterliegt der Vermögensbindung nach § 55 Absatz 1 Nummer 4 der Abgabenordnung. Löst sich der Verein auf oder fällt sein Zweck weg, darf das Vermögen „nur für steuerbegünstigte Zwecke verwendet werden". Es fällt also nicht an die Mitglieder, sondern muss weiter einem gemeinnützigen Zweck dienen. Das schützt am Ende des Vereinslebens. Es schützt nicht davor, dass die Moschee vorher verkauft wird.

Was dem Waqf in Deutschland am nächsten kommt

Wer die Dauerhaftigkeit eines Waqf im deutschen Recht nachbauen will, landet bei der rechtsfähigen Stiftung. § 80 des Bürgerlichen Gesetzbuchs beschreibt sie als „mit einem Vermögen zur dauernden und nachhaltigen Erfüllung eines vom Stifter vorgegebenen Zwecks ausgestattete, mitgliederlose juristische Person". Diese Definition liegt der klassischen Waqf-Urkunde erstaunlich nahe.

Drei Eigenschaften sind entscheidend. Eine Stiftung hat keine Mitglieder, also auch keine Mehrheit, die den Zweck kippen kann. Ihr Vermögen ist dauerhaft an den Zweck gebunden. Und sie wird von der Stiftungsaufsicht des Landes anerkannt und beaufsichtigt. Wer sie auf unbestimmte Zeit errichtet, kommt der Ewigkeit, die der Waqf meinte, so nahe, wie es hier geht.

Der Preis dafür ist Aufwand. Eine Stiftung braucht ein Anfangsvermögen, eine Satzung, die die Anerkennung übersteht, und eine Verwaltung, die eine Gemeinde mit null hauptamtlichen Kräften erst einmal stemmen muss. Für viele Gemeinden ist deshalb der pragmatische Zwischenschritt der richtige: erst das Gebäude kaufen statt mieten, die Satzung sauber aufsetzen, und die Stiftungsfrage dann stellen, wenn das Haus da ist.

Dieser Abschnitt ordnet die Rechtslage ein, er ersetzt keine Beratung. Ob für eure Gemeinde ein Verein, eine Stiftung oder eine Kombination aus beidem passt, hängt an eurem Vermögen, eurer Satzung und eurer Größe. Lasst das von einem Anwalt für Vereins- und Stiftungsrecht und einem Steuerberater prüfen, bevor ihr etwas ändert. Wir nennen hier die Fragen, nicht die Antwort für euren Fall.

Und noch eine Warnung, die weniger mit Paragraphen zu tun hat. Der klassische Waqf hatte ein Ertragsvermögen hinter sich. Die deutsche Moscheegemeinde hat den nächsten Monat. Ihre Einnahmen sind Mitgliedsbeiträge und Spenden, die versiegen, sobald die Aufmerksamkeit nachlässt. Genau das ist der Grund, warum so viele Gemeinden dauerhaft am Limit arbeiten, und warum ein Gebäudekauf für sie mehr bedeutet als ein Umzug: Er ist der einzige Weg, den sie haben, um eine Sache dauerhaft zu machen.

Was eine Moschee für uns bedeutet

Bis hierhin ging es um Gebäude, Paragraphen und Zahlen. Über all dem steht eine Frage, die keine davon beantwortet: Warum halten Menschen, die wenig haben, an diesen Häusern fest?

Der Quran gibt eine Antwort, und sie steckt in einem einzigen Wort. In Sure 9, Vers 18 heißt es: „Die Moscheen Allahs bevölkert nur, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, das Gebet verrichtet, die Zakat entrichtet und niemanden fürchtet außer Allah." Das arabische Verb, das hier steht, ist yaʿmuru, von der Wurzel ʿ-m-r. Dieselbe Wurzel steckt in ʿumrān, der Besiedlung, und in maʿmūr, bewohnt. Sie bedeutet zugleich errichten, instand halten und bevölkern. Alles drei steckt im selben Wort, und alles drei ist gemeint.

Das ist die Aufgabe, die dieser Vers beschreibt. Eine Moschee ist nicht fertig, wenn der Teppich liegt. Sie ist fertig, wenn Menschen darin sind. Eine leere Moschee erfüllt den Begriff nicht, den der Quran benutzt, und eine Gemeinde, die in einer angemieteten Fabriketage Leben hat, erfüllt ihn ganz.

Dazu kommt der Rang, den diese Orte haben. „Die Allah liebsten Orte einer Stadt sind ihre Moscheen", sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, „und die Ihm verhasstesten sind ihre Märkte" (Sahih Muslim 671). Man muss diesen Satz nicht als Verachtung des Handels lesen. Er beschreibt zwei Weisen, in einer Stadt zu sein: eine, in der es um den eigenen Vorteil geht, und eine, in der er für eine Weile zurücktritt.

Und über den, der an diesen Ort gebunden ist, heißt es: Unter den sieben, denen Allah an einem Tag Schatten spendet, an dem es keinen Schatten gibt außer dem Seinen, ist „ein Mann, dessen Herz an den Moscheen hängt" (Sahih al-Bukhari 660). Nicht der, der eine gebaut hat. Der, dessen Herz daran hängt.

Was das in Deutschland besonders macht

In einem Land, in dem Muslime in der Minderheit sind, trägt die Moschee eine Last, die sie anderswo nicht hat.

Sie ist der einzige Ort, an dem eine verstreute Gemeinschaft überhaupt eine wird. Wer in Köln, Wolfsburg oder Cottbus lebt, begegnet den anderen Muslimen seiner Stadt nirgends sonst versammelt. Der Freitag ist die einzige feste Verabredung, die es gibt.

Sie ist der Ort, an dem die nächste Generation erfährt, wer sie ist. Kinder, die den ganzen Tag in einer Umgebung verbringen, in der ihr Glaube nicht vorkommt, lernen hier Sprache, Gebet und Herkunft von Menschen und nicht von einem Bildschirm.

Sie ist die Adresse, wenn es ernst wird. Beim Tod eines Angehörigen, bei Krankheit, bei Not, bei einer Ehe, die zerbricht. Kein Amt in Deutschland leistet das, und keine App ersetzt es.

Und sie ist ein Bekenntnis. Eine Gemeinde, die ein Haus kauft, sagt damit etwas über ihre Absicht zu bleiben. Genau deshalb wird über Moscheebauten so heftig gestritten, und genau deshalb ist jeder Bau eine Antwort auf die Frage, ob Muslime hier Gäste sind oder zuhause.

Wer also für eine Moschee gibt, finanziert nicht Steine. Er finanziert den Ort, an dem die nächsten dreißig Jahre einer Gemeinde stattfinden werden: die Freitage, die Ramadanabende, die Totengebete, die Kinder, die dort lesen lernen. Das ist die Sadaqa Jariya, die fortlaufende Spende, in ihrer buchstäblichsten Form. Sie wirkt weiter, solange der Ort lebt.

Was 50 Moscheegemeinden zusammengetragen haben

Bis hierhin ging es um Zahlen aus Erhebungen. Zum Schluss eine, die wir selbst kennen. Wir haben eine Auswahl von 50 Moscheeprojekten auf commonsplace zusammengestellt, von der Renovierung eines Gebetsraums bis zum Kauf eines ganzen Hauses.

Kennzahlen einer Auswahl von 50 Moscheeprojekten auf commonsplace
Eine Auswahl von 50 Moscheeprojekten mit Deutschlandbezug, Stand August 2026.

Das ist eine Auswahl, kein Querschnitt: Wir haben die Projekte mit dem größten Zuspruch zusammengestellt. Wie häufig eine Moscheesammlung ihr Ziel erreicht, lässt sich daraus nicht ablesen. Gezählt werden Spenden, nicht Spender, weil eine Person mehrfach geben kann. Alle Werte in der Mitte sind Mediane, die Summen gerundet.

Die Zahl, an der alles hängt, ist die kleinste: dreißig Euro. So groß ist eine einzelne Spende in dieser Auswahl im Median. Keine dieser Moscheen wurde von einem großen Stifter bezahlt. Sie wurden von Menschen mit dreißig Euro getragen, von denen es viele gab.

Die größte Sammlung darunter war der Ausbau der Teiba-Moschee in Berlin mit über einer halben Million Euro. Getragen wurde sie von einer fünfstelligen Zahl einzelner Spenden, was auf eine außergewöhnlich breite Beteiligung hindeutet. Die typische Sammlung in dieser Auswahl liegt dagegen bei rund 2.600 Euro und 80 Spenden. Beides zusammen zeigt: Es braucht keine Großgemeinde, um anzufangen.

Was das für eure Gemeinde heißt

Wenn eure Gemeinde etwas vorhat, ein neues Dach, Waschräume, den Teppich, die Anzahlung für ein Haus, dann braucht ihr dafür weder einen Verband im Rücken noch einen Mäzen. Ihr braucht eine klare Zahl, einen Text, der erklärt, wofür sie ist, und Menschen, die davon erfahren.

Ob ihr klein anfangt oder gleich groß denkt, ist eure Entscheidung. Beides gibt es bei uns, und beides funktioniert. Nach unserer Erfahrung kommen Sammlungen schneller ins Rollen, wenn der erste Schritt greifbar ist: nicht das ganze Gebäude, sondern die Waschräume, der Teppich, die Anzahlung. Ist die erste Etappe geschafft, trägt sie die nächste.

Das Projekt anzulegen dauert ein paar Minuten und kostet nichts. Ihr braucht keinen Verband im Rücken und kein eigenes Spendenkonto. Wie ihr den Text aufbaut, damit er gelesen wird, steht in unserem Leitfaden zur Projekterstellung. Und wenn ihr unsicher seid, wie ihr das Vorhaben zuschneidet, schreibt uns vorher an. Wir schauen mit euch drüber, bevor ihr startet.

Und noch einmal der Satz von oben, weil er hier hingehört: Wer eine Moschee für Allah baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies. Der Lohn hängt nicht an der Größe des Baus, sondern an der Absicht dahinter.

Häufige Fragen

Wie viele Moscheen gibt es in Deutschland? Nach der Erhebung von 2022, veröffentlicht 2023 im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz, gibt es rund 2.600 islamische und alevitische Gemeinden, davon knapp 2.500 Moscheen. Mindestens 128 davon haben ein Minarett. Eine amtliche Statistik existiert nicht.

Welche war die erste Moschee in Deutschland? Die erste Moschee, die tatsächlich dem Gebet diente, entstand 1915 im Kriegsgefangenenlager Wünsdorf bei Berlin und wurde um 1926 abgerissen. Der Bau im Schwetzinger Schlossgarten von 1779 ist älter, war aber reine Gartenarchitektur. Das älteste erhaltene Moscheegebäude steht seit 1928 in Berlin-Wilmersdorf.

Wer finanziert die Moscheen in Deutschland? Weit überwiegend die Gemeinden selbst, aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und ehrenamtlicher Arbeit. Knapp zehn Prozent erhalten öffentliche Fördermittel, meist für Sozialarbeit. Daneben gibt es Auslandsfinanzierung: Die türkische Religionsbehörde Diyanet bezahlt die Gehälter der Imame in den DITIB-Moscheen, und einzelne Großprojekte wurden durch Spenden aus dem Ausland getragen. Verlässliche Gesamtzahlen dazu gibt es nicht.

Sind Moscheen in Deutschland erlaubt? Ja. Die ungestörte Religionsausübung ist durch Artikel 4 des Grundgesetzes geschützt, und dazu gehören die Räume dafür. Baurechtlich wird eine Moschee wie jede andere Anlage für kirchliche Zwecke behandelt.

Was kostet der Bau einer Moschee? Das hängt vollständig vom Vorhaben ab. Der Umbau eines Ladenlokals zum Gebetsraum bewegt sich im niedrigen fünfstelligen Bereich, ein repräsentativer Neubau kann zweistellige Millionenbeträge erreichen: Die Kölner Zentralmoschee kostete über 30 Millionen Euro, die Merkez-Moschee in Duisburg 7,5 Millionen.

Warum bauen Gemeinden Moscheen, wenn man überall beten kann? Weil das Gebet nur ein Teil dessen ist, was dort geschieht. Freitagsgebet, Unterricht für Kinder, Totenwaschung, Seelsorge und Nothilfe brauchen einen Raum, den es sonst nirgends gibt. Dazu kommt die Überlieferung, dass Allah demjenigen, der eine Moschee für Ihn baut, ein Haus im Paradies baut.

Was ist die größte Moschee in Deutschland? Seit 2017 gilt die DITIB-Zentralmoschee in Köln als größte Moschee Deutschlands, sie fasst rund 1.200 Betende. Zuvor hielt die DITIB-Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh diesen Rang, eröffnet 2008 und ebenfalls mit rund 1.200 Plätzen.

Warum haben Moscheen Kuppeln und Minarette? Beides ist Bautradition, kein religiöses Gebot. Das Minarett war vor der Zeit der Lautsprecher der erhöhte Standort für den Gebetsruf, die Kuppel überspannte den stützenfreien Gebetsraum, bevor es Stahlbeton gab. Die Prophetenmoschee in Medina hatte zu Lebzeiten des Propheten kein Minarett. In Deutschland haben mindestens 128 Moscheen eines.

Gehört eine Moschee in Deutschland der Gemeinde? Sie gehört dem Verein, der im Grundbuch steht, nicht den Menschen, die dafür gespendet haben. Anders als beim Waqf in der islamischen Rechtstradition kann eine Moschee im Vereinseigentum verkauft, mit einer Grundschuld belastet und in einer Insolvenz verwertet werden. Das deutsche Recht kennt den Waqf nicht als Rechtsform.

Wie viele Muslime leben in Deutschland? Rund 5,5 Millionen nach der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland 2020" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Etwa drei Millionen von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

Zum Schluss

Die Geschichte der Moscheen in Deutschland ist über weite Strecken eine Geschichte von Menschen, die wenig hatten und trotzdem zusammenlegten. Gefangene in Wünsdorf, Studenten in Aachen, Fabrikarbeiter in Duisburg und Ludwigshafen, Vereinsvorstände, die nach der Schicht die Buchhaltung machen.

Diese Bewegung ist nicht zu Ende. Sie sieht heute nur anders aus. Wo früher die Büchse am Ausgang stand und ein Vorstandsmitglied Listen führte, steht heute ein Link in einer Gruppe, und das Prinzip ist dasselbe geblieben: kleine Summen von vielen Menschen.

Und die Frage, ob so viel Geld in Stein gehört, wird weiter gestellt werden. Uthman hat sie schon beantwortet.

Quellen und Recherche

Zur Sorgfalt: Für Moscheen in Deutschland gibt es keine amtliche Statistik. Alle Zahlen zu Gemeinden und Gebäuden stammen aus Erhebungen und weichen je nach Zählweise voneinander ab, weil bereits die Frage, ab wann ein Gebetsraum als Moschee gilt, unterschiedlich beantwortet wird. Wo sich Angaben widersprechen, nennen wir die Erhebung und ihr Jahr, damit sich das nachvollziehen lässt. Die Baurechtslage ist Ländersache und weicht im Detail voneinander ab; die Darstellung hier ist die Größenordnung, nicht der Bescheid eurer Gemeinde.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog über die Stellen, an denen deutsches Recht und muslimische Praxis aufeinandertreffen. Für diesen Text hat er die Erhebungen der Deutschen Islam Konferenz und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge durchgesehen und alle Moscheeprojekte ausgewertet, die bisher über commonsplace gelaufen sind.

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