Hidschab und Niqab
Kopftuch und Gesichtsschleier — zwei verschiedene Dinge, unterschiedlich beurteilt.
Hidschab bezeichnet im heutigen Sprachgebrauch das Kopftuch, das Haar, Hals und Ohren bedeckt. Niqab bezeichnet eine zusätzliche Gesichtsverhüllung, die die Augen frei lässt. Beides wird von den Gelehrten unterschiedlich beurteilt und sollte nicht in einen Topf geworfen werden.
Woher die Wörter kommen
Hidschab heißt wörtlich Vorhang oder Abschirmung; im Quran bezeichnet das Wort nicht das Kleidungsstück, sondern eine Trennung. Für die Kleidung stehen dort andere Wörter: chimar, das Kopftuch, und dschilbab, das Übergewand. Niqab kommt von einer Wurzel für Durchbrechen — der Schleier mit der Öffnung für die Augen.
Was die Quellen sagen
Zwei Stellen sind maßgeblich. Sure 24 weist die gläubigen Frauen an, ihre Blicke zu senken, ihre Keuschheit zu wahren und ihre chumur über den Brustausschnitt zu ziehen. Und Sure 33 nennt das dschilbab, das über sie gezogen werden soll, damit sie erkannt und nicht belästigt werden.
Aischa berichtete zur ersten Stelle, die Frauen der Ansar hätten nach der Herabsendung ihre Tücher an den Rändern zerschnitten und sich damit bedeckt. Bemerkenswert daran ist, wie unmittelbar die Umsetzung geschah — und dass sie von den Frauen selbst ausging.
Wie die Gelehrten urteilen
Zum Kopftuch: Die weit überwiegende Auffassung aller vier Rechtsschulen ist, dass das Bedecken des Haares für die erwachsene Frau vor Nichtverwandten geboten ist. Eine Minderheit von Gelehrten, vor allem in der Gegenwart, sieht das anders.
Zum Niqab: Hier gehen die Schulen auseinander. Ein Teil hält das Bedecken des Gesichts für empfohlen, ein Teil für unter bestimmten Umständen geboten, und ein erheblicher Teil sieht das Gesicht ausdrücklich nicht als Awra — es muss also nicht bedeckt werden. Anders als beim Kopftuch gibt es hier keine Mehrheitsposition, die man als „die" Auffassung darstellen könnte.
Für Männer gelten eigene Vorgaben zur Bedeckung; auch sie fallen unter den Begriff Awra.
In Deutschland
Das Tragen eines Kopftuchs ist Teil der Religionsfreiheit. Für bestimmte Bereiche — etwa im Staatsdienst — gibt es einzelne landesrechtliche Regelungen, über die Gerichte wiederholt entschieden haben. Eine Gesichtsverhüllung ist in einzelnen Zusammenhängen eingeschränkt, etwa beim Autofahren und bei der Identitätsfeststellung.
Ein Punkt gehört zur Vollständigkeit dazu: Der Quran nennt zuerst das Senken der Blicke, und zwar für Männer und Frauen, bevor er die Kleidung nennt. Wer die Reihenfolge umdreht, macht aus einer beidseitigen Anweisung eine einseitige.
Häufige Fragen
Ab wann gilt es? Ab der Volljährigkeit im religiösen Sinn; siehe Mukallaf.
Vor wem muss nicht bedeckt werden? Vor den nächsten Verwandten; siehe Mahram.
Was ist ein Burka? Ein Ganzkörpergewand mit Gitter vor den Augen, vor allem aus Afghanistan. Es ist eine regionale Form, keine eigene religiöse Kategorie.
Quellen
- Das Senken der Blicke und die chumur: Quran, Sure 24, Verse 30 und 31; das dschilbab: Sure 33, Vers 59.
- Die Frauen der Ansar nach der Herabsendung, überliefert von Aischa: Sahih al-Bukhari 4759.
- Zur Vertiefung: Is Hijab Religious or Cultural?, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen oder die Richtungen auseinandergehen, steht das im Text.