Imam: wer vorangeht
Wer im Gebet vorangeht. Kein Priester, kein Amt mit Weihe.
Ein Imam ist derjenige, der im Gebet vorangeht. Das ist keine Weihe und kein geistliches Amt im kirchlichen Sinn: Jeder erwachsene Muslim kann diese Rolle übernehmen, wenn er die Voraussetzungen erfüllt.
Woher das Wort kommt
Imam kommt von amma, vorangehen. Dieselbe Wurzel steckt in Ummah. Der Quran nennt Ibrahim einen Imam für die Menschen.
Im Alltag
Wer vorbeten soll, ist überliefert geregelt: derjenige, der den Quran am besten beherrscht; sind mehrere gleich, der mit dem meisten Wissen über die Sunnah; dann der, der früher ausgewandert ist; dann der Ältere. Herkunft, Vermögen und Ansehen spielen keine Rolle.
In der Praxis kommt weit mehr dazu: die Freitagspredigt, Unterricht, Trauungen, Begleitung bei Sterbefällen und Bestattungen, Seelsorge, Beratung in Familien- und Rechtsfragen und zunehmend die Vertretung der Gemeinde gegenüber Schulen, Behörden und Presse.
Für Deutschland ist die Ausbildungsfrage zentral. Lange kamen die meisten Imame aus dem Ausland, oft für einige Jahre entsandt, häufig ohne Deutschkenntnisse. Das ändert sich: Islamische Theologie wird inzwischen an mehreren staatlichen Universitäten gelehrt, unter anderem in Osnabrück, Münster, Tübingen, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg, und es gibt eigene Imam-Ausbildungsprogramme in Deutschland. Wer hier aufgewachsen ist und in einer Moschee einen Ansprechpartner sucht, trifft heute deutlich häufiger auf jemanden, der die eigene Lebenswirklichkeit kennt.
Ein Wort zur Bezeichnung: In der schiitischen Lehre hat Imam eine andere, weit gewichtigere Bedeutung und bezeichnet die Nachfolger des Propheten aus seiner Familie. Der sunnitische Sprachgebrauch meint das nicht.
Nicht zu verwechseln mit
Einem Priester. Es gibt keine Weihe, keine Sakramente und keine Vermittlung zwischen Mensch und Allah.
Häufige Fragen
Wie wird man Imam? In Deutschland über ein Theologiestudium oder eine Ausbildung bei einem Verband; entscheidend ist die Anstellung durch eine Gemeinde.
Dürfen Frauen vorbeten? Für eine Gruppe von Frauen wird das von einem Teil der Gelehrten zugelassen. Für gemischte Pflichtgebete nicht.
Was ist ein Hodscha? Die im Türkischen übliche Anrede für den Lehrer oder Imam der Gemeinde.
Quellen
- Wer vorbeten soll, überliefert von Abu Masud al-Ansari: Sahih Muslim 673.
- „Jeder von euch ist ein Hüter und für seine Anvertrauten verantwortlich", überliefert von Ibn Umar: Sahih al-Bukhari 7138.
- Zur Vertiefung: Islam in the West, Yaqeen Institute.
Verwandte Begriffe: Khutba, Salah, Moscheen in Deutschland.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.