Islamische Kalligrafie
Schrift statt Bild. Aus einer Zurückhaltung wurde eine eigene Kunst.
Islamische Kalligrafie ist die Kunst des Schönschreibens, meist von Quranversen und Namen. Sie entstand dort, wo andere Kulturen Bilder setzten — und wurde deshalb zur wichtigsten Bildkunst der islamischen Welt.
Woher die Zurückhaltung kommt
Überliefert ist eine deutliche Warnung an diejenigen, die Lebendiges abbilden. Der Hintergrund ist die Sorge, dass Abbildungen zu Verehrung führen — dieselbe Sorge, die hinter dem Tawhid steht.
Wie weit das reicht, beurteilen die Gelehrten unterschiedlich. Weitgehend einig ist man sich, dass Abbildungen zur Verehrung ausgeschlossen sind. Über Fotografien, Zeichnungen für den Unterricht und Kinderspielzeug urteilen die Rechtsschulen verschieden — von erlaubt bis unerwünscht.
Im Alltag
Aus der Zurückhaltung ist eine eigene Kunst geworden. Bekannte Schriftarten sind Kufi, die eckige Frühform, Naschi, die verbreitete Buchschrift der Quranausgaben, Thuluth für Inschriften an Gebäuden, und die osmanische Diwani.
Wer in Deutschland eine Moschee betritt, findet meist dieselben Motive: die Basmala, den Thronvers, die Namen Allahs und des Propheten, oft die der ersten Kalifen und der Enkel. Dazu geometrische Muster und Pflanzenornamente, die sich endlos fortsetzen lassen — auch das eine Aussage: Die Wiederholung hat keinen Mittelpunkt und kein Ende.
Für den Umgang mit Kalligrafie gilt Achtsamkeit: Blätter mit Quranversen werden nicht in den Müll gegeben, sondern verbrannt oder vergraben.
Nicht zu verwechseln mit
Einem Bilderverbot im umfassenden Sinn. Die islamische Welt kennt Buchmalerei, Miniaturen und Porträts; die Zurückhaltung betrifft vor allem den Gebetsraum.
Häufige Fragen
Sind Fotos erlaubt? Die Gelehrten urteilen unterschiedlich; die verbreitete Auffassung erlaubt sie, solange keine Verehrung im Spiel ist.
Darf man Allah oder Propheten abbilden? Nein, darüber besteht Einigkeit.
Wo lernt man Kalligrafie? In Kursen einzelner Gemeinden und Kulturvereine, dazu online; die klassische Ausbildung erfolgt bei einem Lehrer mit Lizenz.
Quellen
- Die Warnung an die, die Lebendiges abbilden, überliefert von Ibn Masud: Sahih al-Bukhari 5950.
- „Nun. Bei dem Schreibrohr und dem, was sie in Zeilen niederschreiben": Quran, Sure 68, Vers 1.
- Zur Vertiefung: Islamic Civilization, Yaqeen Institute.
Verwandte Begriffe: Mihrab und Minbar, Basmala, Moscheen in Deutschland.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen oder die Richtungen auseinandergehen, steht das im Text.