Israf: die Maßlosigkeit
Wo Genuss aufhört und Verschwendung anfängt.
Israf bedeutet, über das Maß hinauszugehen. Gemeint ist nicht der Genuss, sondern das Übertreiben: mehr kaufen, als man braucht, mehr wegwerfen, als übrig ist, mehr auftischen, als jemand essen kann.
Woher das Wort kommt
Israf kommt von der Wurzel s-r-f, überschreiten. Wer maßlos handelt, heißt Musrif. Ein verwandtes Wort ist Tabdhir, das Verstreuen ohne Nutzen; die beiden werden oft zusammen genannt.
Im Alltag
Die entscheidende Stelle setzt Erlaubnis und Grenze in einen einzigen Satz:
Esst und trinkt, aber seid nicht maßlos. Er liebt nicht die Maßlosen.
Quran 7:31
Bemerkenswert daran ist die Reihenfolge. Zuerst steht die Erlaubnis, dann die Grenze. Es geht nicht um Verzicht, sondern um das Maß.
Der Begriff ist deshalb heute besonders anschlussfähig: weggeworfene Lebensmittel, Kleidung, die nie getragen wird, Wasser, das ungenutzt läuft. Überliefert ist die Anweisung, beim Waschen vor dem Gebet sparsam mit Wasser umzugehen, auch wenn man an einem fließenden Fluss steht.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Geiz. Israf ist das eine Ende, der Geiz das andere. Gesucht wird die Mitte, und der Quran beschreibt sie ausdrücklich als das Nicht-Verschwenden und Nicht-Knausern zugleich (Quran 25:67).
Häufige Fragen
Ist teures Essen Israf? Nicht der Preis entscheidet, sondern das Verhältnis. Was für den einen selbstverständlich ist, kann für den anderen maßlos sein.
Ist Israf eine Sünde? Die Gelehrten behandeln es als verwerflich; wo es in die Verschwendung anvertrauten Guts übergeht, wird es ernster.
Gilt es auch für Zeit? Das Wort meint zunächst Verbrauch. Die Haltung dahinter wird aber traditionell auch auf Zeit und Kraft bezogen.
Quellen
- Esst und trinkt, aber seid nicht maßlos: Quran 7:31.
- Die Mitte zwischen Verschwenden und Knausern: Quran 25:67.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.