Ithar: den anderen vorziehen
Die Stufe über der Großzügigkeit: geben, obwohl man selbst zu wenig hat.
Ithar bezeichnet die Haltung, einem anderen den Vorzug zu geben, obwohl man selbst Mangel leidet. Es ist die Stufe über der Großzügigkeit: nicht vom Überfluss geben, sondern vom eigenen Bedarf.
Woher das Wort kommt
Ithar kommt von der Wurzel a-th-r, den Vorzug geben. Das Wort steht im Quran als Beschreibung der Menschen von Medina, die die Ankömmlinge aus Mekka aufnahmen:
Sie ziehen sie sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erleiden. Und wer vor der eigenen Habsucht bewahrt bleibt, dem ergeht es wohl.
Quran 59:9
Im Alltag
Der Vers beschreibt keine einmalige Geste, sondern eine Lage: Eine Stadt nimmt Menschen auf, die alles zurückgelassen haben, und teilt mit ihnen, ohne dass etwas übrig wäre.
Im Kleinen heißt das: das letzte Stück weitergeben, den Platz überlassen, den Termin abtreten. Und der zweite Teil des Verses nennt die eigentliche Bedingung, nämlich vor der eigenen Habsucht bewahrt zu bleiben. Ithar ist also weniger eine Tat als das, was von ihr übrig bleibt, wenn niemand zusieht.
Nicht zu verwechseln mit
Der Selbstaufgabe. Die Gelehrten setzen eine Grenze: Wo eigene Pflichten und die Versorgung der eigenen Familie betroffen sind, geht der Vorzug für andere zu weit.
Häufige Fragen
Ist Ithar für jeden gedacht? Es gilt als hoher Rang, nicht als Pflicht. Verlangt ist die Sadaqah aus dem, was man entbehren kann.
Wo hört es auf? Bei dem, was man selbst und die eigene Familie zum Leben braucht.
Gilt es nur unter Muslimen? Der Vers beschreibt eine bestimmte Lage, die Haltung selbst ist nicht auf sie beschränkt.
Quellen
- Sie ziehen sie sich selbst vor: Quran 59:9.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.