Khawf und Radscha: Furcht und Hoffnung
Die zwei Flügel. Keiner von beiden trägt allein.
Khawf ist die Furcht vor Allah, Radscha die Hoffnung auf Ihn. Klassisch werden sie als zwei Flügel beschrieben: Mit nur einem kommt niemand voran.
Woher die Worte kommen
Khawf ist die Furcht allgemein; für die ehrfürchtige Scheu vor Allah steht daneben chaschya, die Wissen voraussetzt. Radscha kommt von radscha, erhoffen.
Im Alltag
Der Quran nennt beide bewusst nebeneinander: Ihre Seiten weichen den Lagerstätten, während sie ihren Herrn in Furcht und Hoffnung anrufen. Und: Ruft Ihn in Furcht und Hoffnung an; die Barmherzigkeit Allahs ist den Gutes Tuenden nahe.
Was passiert, wenn eines fehlt, ist beschrieben. Furcht allein führt zur Verzweiflung, und der Quran sagt ausdrücklich, an der Barmherzigkeit Allahs verzweifle nur das ungläubige Volk. Hoffnung allein führt zur Sorglosigkeit, und der Quran warnt vor denen, die sich vor der List Allahs sicher wähnen.
Für das Lebensende ist eine Verschiebung überliefert. Der Prophet besuchte einen jungen Mann im Sterben und fragte ihn, wie er sich fühle. Der antwortete, er hoffe auf Allah und fürchte seine Sünden. Die Antwort war: Beides zusammen an einem solchen Ort — Allah gibt ihm, worauf er hofft, und gewährt ihm Sicherheit vor dem, was er fürchtet. Klassisch leiten die Gelehrten daraus ab, dass am Ende die Hoffnung überwiegen soll.
Praktisch heißt das: Wer sich in einer Phase für unrettbar hält, braucht die Erinnerung an die Barmherzigkeit. Wer glaubt, es komme schon nicht darauf an, braucht die andere Seite.
Nicht zu verwechseln mit
Angststörung. Wer unter kreisenden Ängsten leidet, braucht Behandlung; Khawf ist eine Haltung, keine Krankheit und keine Rechtfertigung dafür, unbehandelt zu bleiben.
Häufige Fragen
Welches soll überwiegen? Klassisch im gesunden Leben beides ausgewogen, am Lebensende die Hoffnung.
Ist Angst vor der Hölle richtig? Sie ist im Quran mehrfach genannt. Ohne die Hoffnung daneben wird sie zerstörerisch.
Und wenn man nichts fühlt? Die Gelehrten raten dann zum Wissen und zur Praxis; das Gefühl folgt, es geht nicht voran.
Quellen
- „Sie rufen ihren Herrn in Furcht und Hoffnung an": Quran, Sure 32, Vers 16; „Ruft Ihn in Furcht und Hoffnung an": Sure 7, Vers 56.
- Der junge Mann im Sterben, überliefert von Anas ibn Malik: Jami at-Tirmidhi 983, dort als hasan eingestuft.
- „Verzweifelt nicht an der Barmherzigkeit Allahs": Quran, Sure 39, Vers 53.
- Zur Vertiefung: Faith, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.