Silat ar-Rahim: die Verwandtschaftsbande
Die Bande zur Verwandtschaft halten, auch wenn die andere Seite es nicht tut.
Silat ar-Rahim bezeichnet das Aufrechterhalten der Bande zur Verwandtschaft: Kontakt halten, besuchen, helfen, nach jemandem sehen. Sie wird in Quran und Sunna auffallend hoch gewichtet, ihr Abbrechen entsprechend deutlich getadelt.
Woher das Wort kommt
Sila heißt Verbindung, rahim der Mutterleib und im übertragenen Sinn die Blutsverwandtschaft. Dasselbe Wort steckt in ar-Rahman und ar-Rahim, den beiden Namen für die Barmherzigkeit Allahs. Die Sprache stellt also einen Zusammenhang her zwischen der Verwandtschaft und der Barmherzigkeit.
Im Alltag
Gemeint sind die Blutsverwandten: Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten, Cousins, Großeltern. Die Handlung selbst ist meist klein: anrufen, zum Fest gratulieren, bei Krankheit vorbeischauen, Geld schicken, wo es nötig ist.
Der entscheidende Punkt steht in der Überlieferung: Wer die Bande nur dann hält, wenn die andere Seite es auch tut, ist nicht derjenige, der sie hält. Derjenige ist, wer sie hält, obwohl sie abgebrochen wurden. Genau daran hängt die Anforderung, denn Familienstreit gibt es überall.
Für Familien in Deutschland kommt die Entfernung dazu. Ein Teil der Verwandtschaft lebt oft in einem anderen Land, und Kontakt heißt dann Anruf, Nachricht, Überweisung. Auch das zählt.
Nicht zu verwechseln mit
Der Birr al-Walidayn. Diese gilt den Eltern und hat einen eigenen, noch höheren Rang. Silat ar-Rahim umfasst die weitere Verwandtschaft.
Häufige Fragen
Was, wenn Verwandte einen schlecht behandeln? Die Überlieferung setzt genau dort an. Erwartet wird, dass man nicht mit gleicher Münze zahlt. Das heißt nicht, sich schaden zu lassen: Abstand aus Selbstschutz und ein freundlicher Gruß schließen sich nicht aus.
Zählt eine Nachricht? Ja. Der Maßstab ist, ob die Verbindung besteht, nicht wie sie technisch hergestellt wird.
Warum wird sie so hoch gewichtet? Überliefert ist, dass Allah demjenigen Auskommen und Lebenszeit erweitert, der die Bande hält. Die Gelehrten deuten das als Segen in beidem.
Quellen
- „Wer sich wünscht, dass sein Auskommen erweitert und seine Lebensspanne verlängert wird, der halte die Bande zu seiner Verwandtschaft", überliefert von Abu Huraira: Sahih al-Bukhari 5985.
- Dass derjenige die Bande hält, der sie hält, obwohl sie abgebrochen wurden: Sahih al-Bukhari 5991.
- Die Aufforderung, Allah zu fürchten und die Verwandtschaftsbande zu wahren: Quran, Sure 4, Vers 1.
Verwandte Begriffe: Birr al-Walidayn, Mahram, Sadaqah.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.