Birr al-Walidayn: die Güte zu den Eltern
Die Güte zu den Eltern steht im Quran unmittelbar neben dem Dienst an Allah.
Birr al-Walidayn bezeichnet die Güte und Ehrerbietung gegenüber den Eltern. Der Quran nennt sie an mehreren Stellen unmittelbar nach dem Gebot, allein Allah zu dienen, was ihren Rang zeigt.
Woher das Wort kommt
Birr heißt Rechtschaffenheit und Güte im umfassenden Sinn. Walidayn sind die beiden Eltern. Dieselbe Wurzel steckt in barr, dem Gütigen, einem der Namen Allahs.
Im Alltag
Der Quran wird konkret: Wenn einer von beiden oder beide bei dir alt werden, sag nicht einmal „uff" zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig mit ihnen. Der Maßstab ist also nicht die große Geste, sondern der Ton im Alltag.
Auf die Frage, wer die beste Behandlung verdiene, antwortete der Prophet dreimal „deine Mutter" und beim vierten Mal „dein Vater". Das ist keine Abwertung des Vaters, sondern eine Gewichtung.
Für muslimische Familien in Deutschland ist die Pflege der Eltern eine große Frage. Zwischen Beruf, eigenen Kindern und Wohnungsgrößen ist die Aufnahme ins eigene Haus oft nicht möglich. Ein Pflegeheim ist damit nicht automatisch ein Verstoß gegen Birr: Entscheidend ist, ob die Eltern gut versorgt sind und ob der Kontakt bleibt. Wer täglich anruft und regelmäßig kommt, erfüllt mehr als jemand, der sie im eigenen Haus übersieht.
Nicht zu verwechseln mit
Bedingungslosem Gehorsam. Die Grenze ist klar gezogen: Wenn Eltern verlangen, etwas Allah Beizugesellen, wird ihnen darin nicht gefolgt. Selbst dann aber, sagt der Quran, sollen sie in dieser Welt anständig behandelt werden.
Häufige Fragen
Gilt das auch für nichtmuslimische Eltern? Ja, uneingeschränkt. Die Verse dazu sprechen ausdrücklich von Eltern, die zum Unglauben drängen, und verlangen trotzdem anständigen Umgang.
Was, wenn Eltern verletzend sind? Ehrerbietung bedeutet nicht, sich Misshandlung auszusetzen. Abstand kann geboten sein, das Gebet für sie und die Vermeidung von Herabsetzung bleiben.
Was gilt nach ihrem Tod? Für sie beten, ihre Zusagen erfüllen, ihre Verwandten und Freunde ehren. Das gilt als Fortsetzung derselben Güte.
Quellen
- Das Gebot unmittelbar nach dem Dienst an Allah und das Verbot, „uff" zu sagen: Quran, Sure 17, Verse 23 und 24.
- Die Grenze bei der Aufforderung zur Beigesellung, verbunden mit anständigem Umgang: Quran, Sure 31, Vers 15.
- „Deine Mutter", dreimal, dann „dein Vater", überliefert von Abu Huraira: Sahih al-Bukhari 5971.
Verwandte Begriffe: Silat ar-Rahim, Dua, Sadaqah Jariyah.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.