Talqin: die Worte am Sterbebett
Einem Sterbenden das Glaubenszeugnis sanft nahebringen, ohne ihn zu drängen.
Talqin bezeichnet das behutsame Nahebringen des Glaubenszeugnisses bei einem Sterbenden, damit La ilaha illallah das Letzte ist, was er spricht oder hört. Es geht dabei um ein Erinnern, nicht um eine Aufforderung.
Woher das Wort kommt
Talqin kommt von laqqana, jemandem etwas eingeben oder vorsagen. Dasselbe Wort wird für das Vorsagen beim Auswendiglernen benutzt.
Im Alltag
Praktisch heißt das: Am Bett wird die Schahada leise gesprochen, immer wieder, ohne den Sterbenden zu drängen, sie nachzusprechen. Die Gelehrten sind sich einig, dass man ihn nicht bedrängen soll, weil er in diesem Zustand überfordert oder verärgert reagieren könnte. Wer sie einmal sagt, für den genügt das.
In einem deutschen Krankenhaus stellt sich dabei eine praktische Frage: Ob Angehörige im Sterbezimmer bleiben dürfen und in welcher Zahl, hängt an der Station. Es lohnt, das früh anzusprechen und die Klinikseelsorge einzubeziehen; viele Häuser haben inzwischen muslimische Ansprechpartner.
Nach dem Tod folgen Waschung, Kafn und Totengebet, und zwar zügig. Was das in Deutschland praktisch und finanziell bedeutet, steht in unserem Beitrag zur islamischen Bestattung.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Talqin am Grab, also dem Ansprechen des Verstorbenen nach der Beisetzung. Diese Praxis gibt es, sie wird von den Rechtsschulen aber unterschiedlich beurteilt, während das Talqin am Sterbebett unstrittig ist.
Häufige Fragen
Muss der Sterbende die Worte selbst sprechen? Erwünscht ist es, verlangt wird es nicht. Wer nicht mehr sprechen kann, dem wird vorgesagt.
Darf man das auf Deutsch tun? Die Schahada selbst wird arabisch gesprochen. Alles Beruhigende drumherum sagt man in der Sprache, die der Mensch versteht.
Was, wenn er nicht antwortet? Dann bleibt man ruhig dabei. Niemand kann für einen anderen bezeugen, und niemand wird für den Zustand seines Herzens von Menschen beurteilt.
Quellen
- „Bringt euren Sterbenden La ilaha illallah nahe", überliefert von Abu Said al-Khudri: Sahih Muslim 916.
Verwandte Begriffe: Janaza-Gebet, Beileid, Barzakh.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.