Waqf khairi und Waqf ahli: die zwei Arten der Stiftung
Der eine dient der Allgemeinheit, der andere der eigenen Familie. Beide gab es über Jahrhunderte.
Ein Waqf kann zwei Richtungen haben. Der Waqf khairi kommt der Allgemeinheit zugute, etwa einer Moschee, einem Brunnen oder einer Schule. Der Waqf ahli, auch Waqf dhurri genannt, kommt zunächst den Nachkommen des Stifters zugute und fällt erst später an einen wohltätigen Zweck.
Woher das Wort kommt
Khairi kommt von khair, das Gute. Ahli kommt von ahl, Familie oder Angehörige, dhurri von dhurriya, Nachkommenschaft.
Im Alltag
Beide Formen gehen auf denselben Anfang zurück. Als Umar ibn al-Chattab Land in Chaibar erhielt und den Propheten fragte, was er damit tun solle, riet dieser ihm, das Grundstück selbst unveräußerlich zu machen und den Ertrag als Almosen zu geben. Umar bestimmte daraufhin die Empfänger, unter ihnen ausdrücklich auch Verwandte.
Der Familienwaqf war über Jahrhunderte verbreitet und diente der Absicherung von Nachkommen, besonders von Töchtern und Witwen. Im zwanzigsten Jahrhundert geriet er in Kritik, weil manche Stifter damit das Erbrecht umgingen oder Vermögen dem Zugriff entzogen. Mehrere Staaten schafften ihn deshalb ab oder beschränkten ihn stark, während er in anderen bis heute besteht.
Für Deutschland ist vor allem der Waqf khairi der Bezugspunkt, weil hier der gemeinnützige Zweck an die Anerkennung durch das Finanzamt geknüpft ist.
Nicht zu verwechseln mit
Der Hiba, der Schenkung. Bei der Schenkung wechselt das Eigentum, beim Waqf wird es dem Rechtsverkehr entzogen und nur der Ertrag verteilt.
Häufige Fragen
Darf man die eigene Familie begünstigen? Ja, das ist überliefert und war jahrhundertelang üblich. Die Kritik richtet sich gegen den Missbrauch, nicht gegen die Form.
Was passiert, wenn die Nachkommen aussterben? Dann fällt der Ertrag an den wohltätigen Zweck, den die Stiftungsurkunde vorsieht. Genau dafür wird er dort festgelegt.
Gibt es beides in Deutschland? Als Rechtsform nicht. Was dem am nächsten kommt, ist die Stiftung nach deutschem Recht, die den Zweck dauerhaft bindet.
Quellen
- Umars Land in Chaibar und der Rat, das Grundstück unveräußerlich zu machen und den Ertrag zu geben: Sahih al-Bukhari 2737.
Verwandte Begriffe: Waqf, Cash-Waqf, Sadaqah Jariyah.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.