Kafan: das Leichentuch
Das schlichte weiße Tuch und warum es für alle gleich aussieht.
Kafan ist das schlichte weiße Tuch, in das ein Verstorbener nach der Waschung gehüllt wird. Es ist unverziert und für alle gleich, unabhängig davon, wie jemand gelebt hat.
Woher das Wort kommt
Kafan kommt von der Wurzel k-f-n, einhüllen oder verbergen. Das Verb dazu heißt takfin, das Einhüllen, und bezeichnet den Vorgang selbst.
Im Alltag
Überliefert ist das Vorbild in nüchterner Genauigkeit:
Der Gesandte Allahs wurde in drei weiße Tücher aus jemenitischer Baumwolle gehüllt, ohne Hemd und ohne Turban.
Sahih al-Bukhari 1264
Daraus ist die verbreitete Praxis geworden: drei Bahnen für Männer, fünf für Frauen. Der Stoff ist einfach und weiß, ohne Naht, ohne Muster, ohne Taschen. Für Pilger, die im Weihezustand sterben, gilt eine Besonderheit: Sie werden in ihrer Ihram-Kleidung bestattet.
Die Gleichheit ist der Sinn der Sache. Am Grab ist nicht erkennbar, wer wohlhabend war. Aufwand beim Tuch gilt deshalb als unangebracht, auch wenn die Mittel da wären.
Nicht zu verwechseln mit
Dem Sarg. In Deutschland kommt beides gelegentlich zusammen vor, weil einzelne Friedhofssatzungen einen Sarg verlangen. Das Tuch bleibt in dem Fall trotzdem.
Häufige Fragen
Wer bezahlt das Tuch? Es gehört zu den Kosten der Bestattung, die aus dem Nachlass gedeckt werden. Viele Gemeinden halten Tücher vorrätig.
Darf man das Tuch zu Lebzeiten kaufen? Ja, manche bringen es von der Pilgerfahrt mit.
Was ist mit Kindern? Auch sie werden gehüllt, in entsprechend kleineren Bahnen.
Quellen
- Die drei jemenitischen Tücher, überliefert von Aischa: Sahih al-Bukhari 1264.
Verwandte Begriffe: Totenwaschung, Janaza, muslimisches Grabfeld.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.