commonsplace BLOG

Maslaha: das Gemeinwohl

Der Nutzen, den das Recht schützen soll. Mit fünf festen Zielen.

Kareem C.
2 Min. Lesezeit

Maslaha bezeichnet den Nutzen oder das Gemeinwohl. Als Erwägung im Fiqh steht sie für die Frage, welchem Zweck eine Regel dient, und was gilt, wenn ein neuer Fall auftaucht, den kein Text ausdrücklich behandelt.

Woher das Wort kommt

Maslaha kommt von salaha, gut oder heil sein: dieselbe Wurzel wie islah, die Aussöhnung, und salih, rechtschaffen. Die Mehrzahl ist masalih.

Die fünf Ziele

Klassisch werden fünf Güter benannt, die das Recht schützen soll: die maqasid:

  • die Religion
  • das Leben
  • der Verstand
  • die Nachkommenschaft
  • das Vermögen

An dieser Liste lässt sich prüfen, wohin eine Regel zielt. Das Verbot des Berauschenden schützt den Verstand, das Zinsverbot und die Erbregeln schützen das Vermögen, die Speisevorschriften und das Tötungsverbot schützen das Leben.

Im Alltag

Gegliedert wird zusätzlich nach Gewicht: daruriyyat, das Unerlässliche, ohne das die Ordnung zusammenbricht; hadschiyyat, das Bedürftige, dessen Fehlen Härte bedeutet; tahsiniyyat, das Verfeinernde. Bei einem Konflikt geht das Schwerere vor.

Die Grenze ist ebenso wichtig wie die Erwägung selbst. Maslaha darf einen eindeutigen Text nicht aushebeln. Wer mit dem Nutzen argumentiert, um ein klares Gebot beiseitezuschieben, verwendet den Begriff falsch: das haben die klassischen Gelehrten ausdrücklich festgehalten. Sie greift dort, wo kein eindeutiger Beleg vorliegt.

Praktisch begegnet sie bei allem, was es früher nicht gab: Organspende, Versicherungen, digitale Verträge, Impfungen. Die Frage lautet dann, welches der fünf Güter berührt ist und was ihm dient.

Nicht zu verwechseln mit

Der eigenen Bequemlichkeit. Gemeint ist der Nutzen im Sinn der genannten Ziele, nicht das persönlich Angenehme.

Häufige Fragen

Wer bestimmt, was nützt? Gelehrte mit Kenntnis der Grundlagen, nicht der Einzelne für sich.

Kann Maslaha einen Text übergehen? Nein. Sie greift, wo kein eindeutiger Beleg vorliegt.

Was ist Sadd adh-dhara’i? Das Versperren von Wegen, die absehbar ins Verbotene führen: eine verwandte Erwägung.

Quellen

Verwandte Begriffe: Fiqh, Scharia, Darura.

Beitrag teilen:
KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Weitere Begriffe

Ganzes Glossar →
Die Kuppel der Moschee
Warum Moscheen Kuppeln haben, obwohl das Gebet keine verlangt.
Minarett
Wozu der Turm ursprünglich diente und was davon geblieben ist.
Taʿziya
Was man Hinterbliebenen sagt und was tatsächlich hilft.

Bleib Teil der Community

Neue Beiträge, Projekte und Geschichten aus der deutsch-muslimischen Community – direkt in dein Postfach. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mit dem Abonnieren stimmst du unserer Datenschutzerklärung zu. Abmelden geht jederzeit mit einem Klick.