Taʿziya: das Kondolieren
Was man Hinterbliebenen sagt und was tatsächlich hilft.
Taʿziya bezeichnet den Zuspruch an Hinterbliebene. Anders als im deutschen Beileidsbrauch steht dabei weniger die Formel im Vordergrund als das, was danach getan wird.
Woher das Wort kommt
Taʿziya kommt von einer Wurzel mit der Bedeutung stärken oder trösten. Gemeint ist, jemandem Halt zu geben, nicht ihm den Verlust auszureden.
Im Alltag
Der Satz, den man am häufigsten hört, stammt aus dem Quran und wird bei jeder Todesnachricht gesprochen: inna lillahi wa inna ilaihi radschiun, wir gehören Allah und zu ihm kehren wir zurück (Quran 2:156).
Praktisch besteht die Taʿziya aus wenigen Dingen:
- Kommen, auch kurz, und dabei nicht viel reden.
- Essen bringen. Überliefert ist, dass für die Familie des Verstorbenen gekocht wurde, weil sie in diesen Tagen anderes zu tun hat.
- Beim Totengebet und beim Begräbnis dabei sein.
- Später wiederkommen, wenn alle anderen weg sind.
Die Trauerzeit beträgt üblicherweise drei Tage. Für eine Witwe gilt eine längere Frist, die Idda.
Nicht zu verwechseln mit
Der Klage. Lautes Wehklagen, das Zerreißen der Kleider und das Schlagen auf die Wangen sind in der Überlieferung ausdrücklich zurückgewiesen. Weinen dagegen nicht.
Häufige Fragen
Was sagt man genau? Ein knapper Satz genügt. Verbreitet ist: „Möge Allah ihm barmherzig sein und euch Standhaftigkeit geben."
Darf man Nichtmuslimen kondolieren? Ja. Zuspruch und Anteilnahme sind nicht an die Religion gebunden.
Wie lange kann man kondolieren? Die drei Tage sind der Rahmen, aber wer später erfährt oder später kommt, versäumt nichts.
Quellen
- Wir gehören Allah und zu ihm kehren wir zurück: Quran 2:156.
Verwandte Begriffe: Janaza, Sabr, muslimisches Grabfeld.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.