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Ummah: die Gemeinschaft

Die Gemeinschaft der Muslime. Das Wort hängt mit „Mutter" zusammen.

Kareem C.
4 Min. Lesezeit

Ummah bezeichnet die Gemeinschaft: im engeren Sinn die Gemeinschaft der Muslime über Länder, Sprachen und Herkunft hinweg, nach einer zweiten, ebenso klassischen Lesart seit dem Propheten aber alle Menschen, an die die Botschaft gerichtet ist. Der Quran verwendet das Wort auch für andere Gemeinschaften und sogar für einen einzelnen Menschen, der eine Gemeinschaft in sich trägt.

Woher das Wort kommt

Ummah kommt von derselben Wurzel wie umm, die Mutter, und imam, der Vorangehende. Das Bild dahinter ist das gemeinsame Herkommen: Menschen, die auf dasselbe zurückgehen.

Im Alltag

Die bekannteste Beschreibung ist ein Bild vom Körper: Die Gläubigen sind in ihrer gegenseitigen Barmherzigkeit, Zuneigung und Freundlichkeit wie ein Körper: wenn ein Glied leidet, wacht der ganze Körper mit Fieber und Schlaflosigkeit. Das ist keine Aussage über Organisation, sondern über Anteilnahme.

Praktisch bedeutet der Begriff in Deutschland zweierlei. Erstens eine Verbindung über Herkunftsgrenzen hinweg: In derselben Moschee beten Menschen aus der Türkei, aus Syrien, aus Bosnien, aus Westafrika und Konvertiten ohne muslimische Familie. Zweitens eine Verpflichtung, die in der Abschiedspredigt ausgesprochen ist: Kein Araber hat Vorrang vor einem Nichtaraber und kein Weißer vor einem Schwarzen, außer durch Gottesfurcht.

Ehrlicherweise gehört dazu, dass der Begriff auch überhöht wird. Wer von der Ummah als einer handelnden Einheit spricht, beschreibt einen Zustand, den es so nicht gibt: Die Gemeinschaft ist geteilt in Staaten, Sprachen, Rechtsschulen und Interessen. Das Wort beschreibt einen Anspruch, keinen Befund. Wer es benutzt, um Kritik abzuwehren: „das schadet der Ummah", verwendet es falsch; siehe Fitna.

Die weite Lesart: alle Menschen

Neben dem engen Gebrauch steht eine zweite, weite Lesart, die in der klassischen Gelehrsamkeit fest verankert ist. Sie unterscheidet zwei Kreise:

  • Ummat ad-Dawa, die Gemeinschaft der Einladung: alle Menschen, an die die Botschaft gerichtet ist. Das ist seit dem Propheten die gesamte Menschheit.
  • Ummat al-Idschaba, die Gemeinschaft der Antwort: diejenigen, die die Botschaft angenommen haben.

Die ägyptische Fatwa-Behörde Dar al-Ifta beschreibt beide Kreise in genau dieser Aufteilung und zieht daraus eine Folgerung für den Umgang: Weil dieses Verständnis die ganze Menschheit umfasst, sehen Muslime Nichtmuslime als eine Gemeinschaft, die es wert ist, mit „O ihr Menschen!" angesprochen zu werden, auch wenn die Muslime mit „O ihr, die ihr glaubt!" angesprochen werden. Beide Anreden stehen im Quran nebeneinander.

Die Grundlage dieser Lesart ist die Reichweite der Botschaft. Der Quran sagt, der Prophet sei zu den Menschen insgesamt gesandt worden, und er sei eine Barmherzigkeit für die Welten: nicht für einen Teil davon. Überliefert ist derselbe Punkt aus seinem eigenen Mund: Jeder Gesandte vor ihm sei allein zu seinem Volk gesandt worden, er dagegen zu allen Menschen.

Für den Alltag in Deutschland ist der Unterschied nicht theoretisch. Wer nur den engen Kreis kennt, sieht in der Ummah eine Abgrenzung. Wer beide kennt, sieht darin zuerst eine Zuständigkeit: Die Nachbarn, Kollegen und Mitbürger, die keine Muslime sind, stehen nicht außerhalb, sondern im weiteren Kreis, und das prägt, wie man mit ihnen redet.

Nicht zu verwechseln mit

Der Dschamaa, der konkreten Gemeinde vor Ort. Die Ummah ist der weltweite Begriff, die Dschamaa die Gruppe, mit der man betet.

Häufige Fragen

Gehören alle Muslime dazu? Ja, unabhängig von Herkunft, Rechtsschule und Sprache.

Gehören Nichtmuslime zur Ummah? Nach der weiten Lesart ja, als Ummat ad-Dawa, die Gemeinschaft der Einladung. Der engere Gebrauch meint die Ummat al-Idschaba, die Gemeinschaft der Antwort.

Nennt der Quran auch andere Gemeinschaften Ummah? Ja, unter anderem frühere Völker und sogar Tiergemeinschaften.

Was heißt Ummah wasat? Die Bezeichnung aus Sure 2 für eine Gemeinschaft der Mitte, die als Maß zwischen Übertreibung und Nachlässigkeit verstanden wird.

Quellen

  • „Die Gläubigen sind wie ein Körper", überliefert von an-Numan ibn Baschir: Sahih al-Bukhari 6011.
  • Die Gemeinschaft der Mitte: Quran, Sure 2, Vers 143; „Diese eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft": Sure 21, Vers 92.
  • Die Abschiedspredigt zur Gleichheit vor Allah: Sahih Muslim 1218.
  • Zur Vertiefung: Family and Community, Yaqeen Institute.
  • Der Prophet als zu allen Menschen gesandt: Quran, Sure 34, Vers 28, und Sure 7, Vers 158; „Barmherzigkeit für die Welten": Sure 21, Vers 107.
  • „Jeder Gesandte wurde allein zu seinem Volk gesandt, ich aber zu allen Menschen", überliefert von Dschabir: Sahih al-Bukhari 335 und Sahih Muslim 521.
  • Zur Unterscheidung von Ummat ad-Dawa und Ummat al-Idschaba: The Concept of „The Ummah“, Dar al-Ifta, Ägypten.

Verwandte Begriffe: Silat ar-Rahim, Imam, Jahiliyya.

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Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

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Das Gedenken Allahs, meist mit kurzen Formeln. Der Teil der Religion, der ohne Vorbereitung überall geht.
Dua
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