Adab: das rechte Benehmen
Das angemessene Verhalten. Klassisch kam es im Unterricht vor dem Wissen.
Adab bezeichnet das rechte Benehmen: das Verhalten, das einer Lage und einem Gegenüber angemessen ist. Achlaq bezeichnet den Charakter dahinter. Adab ist das Sichtbare, Achlaq das, woraus es kommt.
Woher die Worte kommen
Adab bezeichnete ursprünglich die Einladung zum Mahl, dann die Bildung und Verfeinerung, schließlich die schöne Literatur; im heutigen Arabisch heißt adab auch Literatur. Achlaq ist die Mehrzahl von chuluq, der inneren Beschaffenheit, verwandt mit chalq, der Schöpfung.
Im Alltag
Überliefert ist, dass die Besten diejenigen mit dem besten Charakter sind, und dass der Prophet weder ausfallend war noch sich ausfallend gab. Über ihn selbst sagt der Quran, er sei von großartigem Charakter.
In der klassischen Bildung stand Adab vor dem Wissen. Malik ibn Anas soll seiner Mutter zugeschrieben bekommen haben, sie habe ihn zum Unterricht bei Rabia geschickt mit dem Rat, zuerst dessen Benehmen zu lernen und dann dessen Wissen. Der Gedanke dahinter: Wissen ohne Adab richtet Schaden an.
Der Bereich ist konkret und alltäglich: der Adab des Essens mit der rechten Hand, der Adab des Grüßens, der Adab gegenüber Eltern, Nachbarn und Lehrern, der Adab beim Betreten eines Hauses. Bukhari widmete dem ein eigenes Buch, al-Adab al-Mufrad, in dem es fast ausschließlich um Umgang geht.
Für den Alltag in Deutschland ist ein Punkt daraus besonders brauchbar: Adab richtet sich nach dem Gegenüber. Was in einem Land als höflich gilt, ist im anderen unpassend. Der Begriff verlangt keine bestimmte Kultur, sondern Aufmerksamkeit für die Lage.
Nicht zu verwechseln mit
Reiner Form. Wer sich äußerlich korrekt verhält und innerlich verachtet, hat Adab ohne Achlaq. Die Gelehrten sehen das als leere Hülle.
Häufige Fragen
Was ist wichtiger, Wissen oder Benehmen? Die klassische Antwort setzt Adab an den Anfang, ohne Wissen abzuwerten.
Gehört Kultur dazu? Ein erheblicher Teil des Adab ist ortsüblich und darf es sein, solange er nichts Verbotenes enthält.
Wo lernt man ihn? Klassisch beim Umgang mit Menschen, die ihn haben, nicht aus einem Regelwerk.
Quellen
- „Die Besten unter euch sind die mit dem besten Charakter", überliefert von Abdullah ibn Amr: Sahih al-Bukhari 6035.
- „Du bist wahrlich von großartigem Charakter": Quran, Sure 68, Vers 4.
- Zur Vertiefung: Islamic Ethics, Yaqeen Institute.
Verwandte Begriffe: Haya, Ihsan, Silat ar-Rahim.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.