commonsplace BLOG

Baya: das Treuegelöbnis

Ein Treuegelöbnis — mit einer Grenze, die von Anfang an mitgesagt wurde.

Kareem C.
2 Min. Lesezeit

Baya bezeichnet das Treuegelöbnis, mit dem jemandem die Verantwortung für eine Gemeinschaft zugesprochen wird. Geleistet wurde es durch Handschlag; das Wort selbst kommt aus dem Handel.

Woher das Wort kommt

Baya kommt von baa, verkaufen — dieselbe Wurzel wie Bay, der Kaufvertrag. Beim Handschlag im Handel wie beim Gelöbnis wurde eingeschlagen; daher der gemeinsame Name.

Im Alltag

Der Quran nennt zwei berühmte Gelöbnisse: das von al-Hudaibiya, bei dem die Gefährten dem Propheten unter einem Baum die Treue zusagten, und die Gelöbnisse von al-Aqaba, mit denen die Bewohner Medinas ihn aufnahmen.

Wichtig ist der Inhalt. Überliefert ist der Wortlaut eines dieser Gelöbnisse als eine Aufzählung von Pflichten: nichts beizugesellen, nicht zu stehlen, keine Unzucht zu begehen, die Kinder nicht zu töten, nicht zu verleumden — und im Rechten nicht ungehorsam zu sein. Es ging also nicht um Unterwerfung unter eine Person, sondern um eine Verpflichtung auf bestimmte Inhalte.

Ebenso deutlich ist die Grenze. Sie steht in der überlieferten Formel selbst — fi l-maruf, im Rechten — und in dem Satz, dass es keinen Gehorsam gegenüber einem Geschöpf im Ungehorsam gegenüber dem Schöpfer gibt. Ein Gelöbnis bindet nur so weit, wie das Verlangte richtig ist.

Historisch war die Baya der Vorgang, durch den ein Kalif ins Amt kam; sie folgte auf die Beratung. Überliefert ist außerdem die Regel, dass bei zwei Beanspruchenden dem Ersten die Treue gilt.

In der Gegenwart begegnet das Wort in zwei anderen Zusammenhängen: bei der Bindung an einen Lehrer in manchen Traditionen und bei Gruppen, die Gefolgschaft für sich beanspruchen. Für beides gilt dieselbe Grenze — im Rechten, und nicht darüber hinaus.

Häufige Fragen

Muss man heute eine Baya leisten? Nein, es gibt kein Amt, dem sie gälte; siehe Khalifa.

Wie wurde sie geleistet? Durch Handschlag; für Frauen ist überliefert, dass sie durch Wort erfolgte.

Kann ein Gelöbnis zu Unrecht verpflichten? Nein. Der überlieferte Wortlaut selbst begrenzt es auf das Rechte.

Quellen

  • Das Gelöbnis unter dem Baum: Quran, Sure 48, Vers 18; das Gelöbnis der Frauen: Sure 60, Vers 12.
  • Die Treue gilt dem Ersten von zweien, überliefert von Abu Huraira: Sahih Muslim 1842.
  • Gehorsam gilt im Rechten: Sahih al-Bukhari 7137.

Verwandte Begriffe: Khalifa, Schura, Amanah.

Beitrag teilen:
KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen oder die Richtungen auseinandergehen, steht das im Text.

Weitere Begriffe

Ganzes Glossar →
Imam
Wer im Gebet vorangeht. Kein Priester, kein Amt mit Weihe.
Ummah
Die Gemeinschaft der Muslime. Das Wort hängt mit „Mutter" zusammen.
Tadschwid
Die Regeln der Aussprache. Ein Teil davon ist Pflicht, der Rest Kunst.

Bleib Teil der Community

Neue Beiträge, Projekte und Geschichten aus der deutsch-muslimischen Community – direkt in dein Postfach. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mit dem Abonnieren stimmst du unserer Datenschutzerklärung zu. Abmelden geht jederzeit mit einem Klick.