Fitra: die angeborene Veranlagung
Die Veranlagung, mit der jeder Mensch geboren wird. Es gibt keine Erbsünde.
Fitra bezeichnet die ursprüngliche Veranlagung, mit der jeder Mensch geboren wird: eine Ausrichtung auf das Erkennen des Schöpfers und auf das Gute. Der Islam kennt keine Erbsünde. Ein Kind kommt rein zur Welt.
Woher das Wort kommt
Fitra kommt von fataraiftar und in Eid al-Fitr. Der gemeinsame Kern ist das Aufbrechen von etwas Neuem.
Im Alltag
Überliefert ist, dass jedes Kind auf der Fitra geboren wird und dass seine Eltern es prägen. Daraus folgt zweierlei. Erstens ist niemand mit Schuld belastet zur Welt gekommen. Zweitens trägt die Erziehung erhebliches Gewicht, weil sie eine Anlage in eine Richtung lenkt.
Der Begriff hat noch eine zweite, praktische Bedeutung. Überliefert ist eine Aufzählung von Handlungen, die zur Fitra gehören: das Beschneiden, das Kürzen des Schnurrbarts, das Schneiden der Nägel, die Reinigung. Gemeint ist ein natürlicher Umgang mit dem eigenen Körper.
Für Deutschland ist der erste Punkt der wichtigere. In Gesprächen über Erziehung, Konversion und Kinder lohnt der Hinweis, dass die Ausrichtung angelegt ist und nicht erst eingepflanzt werden muss. Das nimmt vieles an Druck heraus.
Nicht zu verwechseln mit
Der Zakat al-Fitr. Beide Wörter teilen die Wurzel, meinen aber Verschiedenes: die eine ist eine Abgabe, die andere eine Veranlagung.
Häufige Fragen
Heißt das, jeder wird als Muslim geboren? Die Überlieferung sagt, jedes Kind wird auf der Fitra geboren. Wie das zu verstehen ist, wird ausgelegt: als angelegte Ausrichtung, nicht als Zugehörigkeit von Geburt.
Was ist mit Kindern, die früh sterben? Sie gelten als unbelastet. Die überwiegende Auffassung sieht sie im Paradies.
Kann man die Fitra verlieren? Sie kann überlagert werden, durch Umgebung, Gewohnheit und Verfehlungen. Die Umkehr ist der Weg zurück.
Quellen
- Jedes Kind wird auf der Fitra geboren, überliefert von Abu Huraira: Sahih al-Bukhari 1358.
- Die Ausrichtung des Menschen auf die ursprüngliche Veranlagung: Quran, Sure 30, Vers 30.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.