Ikhlas: die Aufrichtigkeit
Eine Handlung allein für Allah tun. Das Wort meint eigentlich: rein machen.
Ikhlas bezeichnet die Aufrichtigkeit: eine Handlung allein um Allahs willen zu tun, ohne Beimischung eines anderen Ziels. Sie ist die Bedingung, unter der eine Tat angenommen wird.
Woher das Wort kommt
Ikhlas kommt von chalasa, rein oder frei von Beimischung werden. Dasselbe Wort beschreibt im Quran die Milch, die rein zwischen Kot und Blut hervorkommt. Aufrichtigkeit ist also ein Reinigungsvorgang, kein Gefühl.
Im Alltag
Sure 112 trägt den Namen al-Ichlas, obwohl das Wort in ihr nicht vorkommt. Sie heißt so, weil sie die Aussage über Allah rein hält: einer, ohne Teilhaber, nicht gezeugt, keinem gleich. Aufrichtigkeit im Handeln und Reinheit im Bekenntnis tragen also denselben Namen.
Die ernsteste Überlieferung dazu beschreibt die ersten drei, über die am Jüngsten Tag entschieden wird: ein Gefallener, ein Gelehrter und ein Freigebiger. Alle drei haben getan, was nach außen richtig war. Von allen dreien wird gesagt, sie hätten es getan, damit man es über sie sage, und das sei gesagt worden. Es ist kein Text über schlechte Taten, sondern über gute mit falscher Ausrichtung.
Praktisch prüfbar ist Ikhlas an einer schlichten Frage: Ändert sich das eigene Verhalten, wenn niemand zusieht? Wer eine Spende gleich hoch ansetzt, ob sie in einer Liste erscheint oder nicht, hat die Antwort.
Nicht zu verwechseln mit
Der Heimlichkeit. Der Quran nennt öffentliches und verborgenes Geben nebeneinander und lobt beides. Offen zu spenden kann andere anstecken; entscheidend bleibt die Ausrichtung.
Häufige Fragen
Wie erlangt man Ikhlas? Genannt werden Bittgebet, Wissen um die eigenen Beweggründe und die Gewohnheit, gelegentlich etwas zu tun, von dem niemand erfährt.
Zerstört ein Anflug von Stolz die Tat? Die Gelehrten unterscheiden zwischen dem, was zu Beginn die Absicht bestimmt, und einem Gedanken, der später auftaucht und zurückgewiesen wird.
Darf man sich über Anerkennung freuen? Überliefert ist, dass die Freude über das Lob der Gläubigen für eine gute Tat eine vorgezogene frohe Botschaft ist, nicht ihr Gegenteil.
Quellen
- „Ihnen wurde nur befohlen, Allah aufrichtig ergeben zu dienen": Quran, Sure 98, Vers 5.
- Die ersten drei, über die entschieden wird, überliefert von Abu Huraira: Sahih Muslim 1905.
- Zur Vertiefung: Islamic Ethics, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.