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Kafala: Pflegschaft statt Adoption

Ein Kind aufnehmen, versorgen und erziehen, ohne seine Herkunft zu verändern.

Kareem C.
2 Min. Lesezeit

Kafala bezeichnet die dauerhafte Aufnahme und Versorgung eines Kindes, ohne dass die Abstammung verändert wird. Das Kind behält seinen Familiennamen und seine Herkunft. Eine Adoption im Sinne des deutschen Rechts, bei der ein Kind rechtlich zum leiblichen Kind wird, kennt das islamische Recht nicht.

Woher das Wort kommt

Kafala kommt von kafala, für jemanden bürgen oder für ihn einstehen. Wer das tut, heißt kafil. Dieselbe Wurzel steht im Quran dort, wo Zakariya die Sorge für Maryam übernimmt.

Im Alltag

Der Grund für die Unterscheidung steht im Quran: Kinder sollen nach ihren Vätern benannt werden, und wenn deren Väter unbekannt sind, bleiben sie Brüder im Glauben. Es geht darum, die Herkunft nicht zu verwischen, weil daran Eheverbote und Erbrecht hängen.

Für die Praxis heißt das: Das Kind erbt nicht automatisch von den Pflegeeltern, kann aber durch ein Testament bis zu einem Drittel bedacht werden. Und mit Eintritt der Reife gelten für den Umgang die Regeln wie unter Nicht-Verwandten, sofern keine Milchverwandtschaft besteht. Manche Familien lösen das, indem eine Verwandte den Säugling stillt, wodurch eine anerkannte Verwandtschaft entsteht.

In Deutschland gibt es die Kafala als Rechtsform nicht. Wer ein Kind dauerhaft aufnehmen will, geht den Weg über Pflegschaft, Vormundschaft oder Adoption. Die Vormundschaft kommt der Kafala am nächsten, weil sie die Abstammung unberührt lässt. Eine Adoption dagegen verändert sie, was der Grund ist, warum viele muslimische Familien sie meiden.

Nicht zu verwechseln mit

Der Kafala als Arbeitsrechtssystem in einigen Golfstaaten. Dieselbe Wurzel, ganz anderer Gegenstand, und für die Aufnahme eines Kindes ohne Bedeutung.

Häufige Fragen

Ist Adoption im Islam verboten? Untersagt ist, die Abstammung eines Kindes zu verändern oder zu verschleiern. Ein Kind aufzunehmen, zu versorgen und zu lieben, ist ausdrücklich verdienstvoll.

Wie ist der Lohn dafür? Überliefert ist, dass der Prophet sagte, er und der Versorger einer Waise seien im Paradies so nah beieinander wie Zeige- und Mittelfinger.

Kann das Kind erben? Nicht als gesetzlicher Erbe. Über ein Testament kann es aber bedacht werden.

Quellen

  • Kinder nach ihren Vätern zu benennen: Quran, Sure 33, Vers 5.
  • „Ich und der Versorger einer Waise werden im Paradies so sein", mit Zeige- und Mittelfinger, überliefert von Sahl ibn Sad: Sahih al-Bukhari 5304.

Verwandte Begriffe: Mahram, Sadaqah Jariyah.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen auseinandergehen, steht das im Text.

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