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Geschichte der Madrasa: Wie die Ummah ihre Bildung selbst trug und wie sie es wieder kann

Zu den frühen Schreiblehrern in Medina gehörten ehemalige Kriegsgefangene. Daraus wuchs ein Netz von Lehrstätten, das vor allem Stifter trugen. Wie die Madrasa entstand, wer dort lernte, was die Kolonialzeit ihr nahm und was unsere Gemeinden daraus mitnehmen.

Kareem C.
16 Min. Lesezeit
Innenhof der al-Qarawiyyin in Fès mit grün gedecktem Brunnenpavillon, weißen Bogengängen und Mosaikboden
Der Innenhof der al-Qarawiyyin in Fès, gegründet im Jahr 859. Foto: Ahmed.magdy, CC BY-SA 4.0.

Kurz gesagt

Die Madrasa ist die klassische Lehrstätte der muslimischen Welt. Sie entstand aus den Lernkreisen in Wohnhäusern und Moscheen und wurde über den Waqf, die islamische Stiftung, finanziert. Seit dem 11. Jahrhundert breitete sie sich von Bagdad bis Fès und Samarkand aus. Im Mittelpunkt standen Koran, Hadith und Recht. Mathematik, Medizin und Astronomie gehörten zur islamischen Gelehrsamkeit und wurden je nach Ort und Stiftung ebenfalls gelehrt. In der Kolonialzeit verloren viele Schulen ihre Stiftungen und ihre Unabhängigkeit. Geblieben ist der Gedanke dahinter: Die Gemeinschaft organisiert ihre Barmherzigkeit selbst, und daraus entstehen Schulen. Dafür gibt es heute commonsplace, den Ort für eigene Struktur und Unabhängigkeit, an dem die deutsch-muslimische Ummah ihre Strukturen und damit ihre Zivilisation Schritt für Schritt selbst aufbaut.

Wie begann die Bildung im Islam? Mit den Gefangenen von Badr

Nach der Schlacht von Badr im Jahr 624 saßen in Medina Gefangene aus Mekka, die kein Lösegeld aufbringen konnten. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, setzte für sie ein anderes Lösegeld fest: Sie sollten den Kindern der Ansar das Schreiben beibringen. So überliefert es Ibn Abbas, radiyallahu anhu, im Musnad von Imam Ahmad (Nr. 2216). Darussalam stuft die Überlieferung als hasan ein, andere Gelehrte beurteilen sie zurückhaltender. Der Bericht hält sogar fest, dass ein Junge weinend nach Hause kam, weil sein Lehrer ihn geschlagen hatte.

Zu den frühen Schreiblehrern in Medina gehörten damit auch ehemalige Kriegsgefangene. Ihre Schüler waren Kinder, und der Unterricht war der Preis der Freiheit. Gelernt wurde schon vorher, etwa im Haus des al-Arqam in Mekka. Barmherzigkeit hieß hier nicht, etwas zu verschenken, sondern Menschen eine Aufgabe zu geben, die der ganzen Gemeinde nützt.

Woher kam der Antrieb? Das erste Wort hieß „Lies"

Nach der überwiegenden Überlieferung lautet das erste Wort, das als Wahy, als göttliche Eingebung, an den Propheten erging, „Iqra", „Lies!" (Sure 96, Vers 1). Wenige Verse später heißt es: Er ist es, der durch das Schreibrohr gelehrt hat (96:4), Er lehrte den Menschen, was er nicht wusste (96:5). So lautet die ungefähre Übersetzung der Bedeutung.

Das Wort Ilm, Wissen, und seine Ableitungen kommen im Koran nach der Zählung von Faisal Malik vom Yaqeen Institute mehr als 800 Mal vor.

Vom Wohnhaus in die Moschee: die Halaqa

Gelernt wurde zuerst in privaten Häusern. Das bekannteste ist das Haus des al-Arqam, in dem sich die ersten Muslime trafen. Später wanderte der Unterricht in die Moscheen. Ein Gelehrter setzte sich an eine Säule, die Schüler bildeten einen Kreis um ihn, die Halaqa. Wer wollte, konnte sich dazusetzen.

Wie wurde aus dem Lernkreis eine Madrasa?

Ein Lernkreis braucht nur einen Lehrer. Eine Schule braucht mehr: ein Dach, Zimmer für Studenten, die von weit her kommen, eine Bibliothek, ein festes Einkommen für die Lehrer. Bezahlt wurde das in der muslimischen Welt über Jahrhunderte vor allem über den Waqf: Ein Stifter überschrieb Land, Läden oder Mieteinnahmen dauerhaft einem Zweck, und aus den Erträgen lief die Schule.

Der Historiker George Makdisi hat in seinem Standardwerk „The Rise of Colleges" gezeigt, dass die Madrasa genau aus dieser Verbindung entstand: aus der Lehre in der Moschee und dem Stiftungsrecht, das ihr eine dauerhafte Grundlage gab. Das Prinzip ist so alt wie die Gemeinde selbst. Umar ibn al-Chattab, radiyallahu anhu, erhielt Land in Chaibar und fragte den Propheten, was er damit tun solle. Die Antwort lautet sinngemäß: Halte den Grundbesitz fest und gib seine Erträge als Sadaqah (Sahih al-Buchari 2737, Sahih Muslim 1632).

Die großen Stationen im Überblick

JahrOrtWas geschah
624MedinaGefangene von Badr unterrichten die Kinder der Ansar im Schreiben
859FèsFatima al-Fihri lässt die Moschee bauen, aus der die al-Qarawiyyin wird
1067BagdadEröffnung der Nizamiyya, gegründet vom Wesir Nizam al-Mulk
1091BagdadAl-Ghazali beginnt an der Nizamiyya zu lehren
1350erFèsBau der Bou-Inania mit Zimmern für die Studenten
1417 bis 1420SamarkandBau der Madrasa des Ulugh Beg, der selbst Astronom war
1835IndienMacaulays Denkschrift zur Bildung
1857Indien, SenegalDie britische Verwaltung gewinnt mehr Einfluss auf das Bildungswesen, Faidherbe beginnt seine Erlasse gegen die Koranschulen

Bagdad: die Nizamiyya

Im 11. Jahrhundert gründete Nizam al-Mulk, der Wesir der Seldschuken, in Bagdad eine Madrasa, die 1067 eröffnet wurde und nach ihm Nizamiyya hieß. Weitere Schulen desselben Namens folgten in anderen Städten des Reiches. An der Nizamiyya in Bagdad lehrte ab 1091 Abu Hamid al-Ghazali. Mit diesen Gründungen, so Malik, breitete sich die Madrasa in der gesamten muslimischen Welt aus, und unter den Osmanen wuchs das Netz später weiter.

Fès: eine Stifterin und die älteste noch bestehende Lehrstätte

Schon zwei Jahrhunderte früher war im Westen etwas entstanden, das bis heute besteht. Nach der Überlieferung, die der Chronist Ibn Abi Zar im 14. Jahrhundert festhielt, ließ Fatima al-Fihri, die Tochter eines aus Kairouan zugezogenen Kaufmanns, im Jahr 859 in Fès eine Moschee bauen und gab dafür ihr Erbe. Aus dieser Moschee wurde die al-Qarawiyyin. Das Guinness-Buch der Rekorde führt sie als die älteste noch bestehende und ununterbrochen betriebene Bildungseinrichtung der Welt.

Die Geschichte zeigt, wer eine Lehrstätte gründen konnte: nicht nur Herrscher und Wesire, sondern jeder, der etwas zu stiften hatte. In Damaskus und Kairo taten das auch Frauen aus wohlhabenden Familien.

Innenhof der Bou-Inania-Madrasa in Fès mit geschnitzten Holzgittern, Stuck, Fliesen und kleinen Fenstern im Obergeschoss
Die Bou-Inania in Fès, erbaut in den 1350er Jahren. Hinter den kleinen Fenstern im Obergeschoss lagen die Zimmer der Studenten. Foto: Petar Milošević, CC BY-SA 4.0.

Wer durfte in der Madrasa lernen?

Die Madrasa war keine Schule für eine schmale Oberschicht. Malik trägt in seinem Papier für das Yaqeen Institute Berichte aus vielen Regionen zusammen:

  • Frauen: Unter den Mamluken gab es in Kairo und Damaskus Schulen für Frauen, im 13. Jahrhundert auch Unterricht für ältere, geschiedene und verwitwete Frauen.
  • Córdoba: Berichtet werden 17 höhere Lehrstätten und 70 öffentliche Bibliotheken mit Hunderttausenden Büchern.
  • Delhi: Im 14. und 15. Jahrhundert soll es dort fast tausend Madaris gegeben haben, offen für alle Schichten, auch für Sklaven.
  • Punjab: Ein britischer Beamter zeigte sich 1857 erstaunt, wie viele Hindus muslimisch geführte Schulen besuchten.
  • Westafrika: Der Engländer Francis Moore, Angestellter der Royal African Company, notierte in den 1730er Jahren, die Menschen in Senegambien beherrschten Arabisch besser als die Europäer Latein.

Malik schreibt selbst vorsichtig von „Berichten". Die Zahlen für Córdoba und Delhi stammen aus späteren Darstellungen und lassen sich heute nicht mehr nachzählen. Sie zeigen die Richtung: Lernen war in diesen Gesellschaften etwas, das man nicht verdienen musste, und es stand auch Menschen offen, die keine Muslime waren.

Religiöse und rationale Wissenschaften: Was wurde in einer Madrasa gelehrt?

Die Gelehrten teilten das Wissen in zwei große Bereiche. Die überlieferten Wissenschaften, „ulum al-manqul", umfassten Koran, Hadith, Recht und arabische Sprache. Die Verstandeswissenschaften, „ulum al-maqul", umfassten Logik, Mathematik, Medizin und Astronomie. Beide Wissensbereiche gehörten zur islamischen Gelehrsamkeit und galten als Wege, die Schöpfung zu verstehen. Welche Fächer tatsächlich in einer Madrasa unterrichtet wurden, unterschied sich jedoch nach Ort, Zeit und Stiftung. Viele Madaris konzentrierten sich auf Recht und verwandte Fächer.

Abu Hamid al-Ghazali zählt Medizin und Rechnen im „Buch des Wissens", dem Kitab al-Ilm seiner Ihya Ulum ad-Din, zu den Wissenschaften, die Fard al-Kifaya sind, also Gemeinschaftspflicht: Fehlen sie, trägt die ganze Gemeinschaft die Verantwortung. Der Kanon der Medizin von Ibn Sina wurde in Europa über Jahrhunderte als Lehrbuch verwendet.

Fassade der Ulugh-Beg-Madrasa am Registan in Samarkand mit großem Portalbogen, blauen Fliesen und zwei Minaretten
Die Madrasa des Ulugh Beg in Samarkand, erbaut 1417 bis 1420. Ihr Stifter war selbst Astronom und ließ in der Stadt eine Sternwarte bauen. Foto: Bgag, CC0.

An manchen Orten standen Sternwarten und Krankenhäuser neben den Madaris. In Istanbul gehörte zur Süleymaniye-Anlage eine eigene Madrasa für Medizin. Und in Indien stellte der Gelehrte Mullah Nizamuddin Sihalwi im 18. Jahrhundert den Dars-e-Nizami zusammen, der in seiner ursprünglichen Fassung neben Recht und Hadith auch Mathematik, Astronomie und Medizin enthielt.

Ta'lim, Tarbiya, Ta'dib: was „Bildung" im Islam meint

Für das, was im Deutschen „Bildung" heißt, kennt das Arabische drei Wörter. Ta'lim ist das Lehren und Lernen von Wissen. Tarbiya ist das Großziehen, das Wachsenlassen eines Menschen. Ta'dib ist die Formung des Charakters, das Erlernen von Adab. Der malaysische Gelehrte Syed Muhammad Naquib al-Attas hielt Ta'dib für den eigentlichen Begriff: Bildung heißt für ihn, dass ein Mensch lernt, jedes Ding an seinen rechten Platz zu stellen, sich selbst eingeschlossen.

Bildung war damit nicht in erster Linie Berufsausbildung, sondern Arbeit am eigenen Menschsein. Und sie galt nicht nur den Muslimen: Wissen über die Schöpfung gehört allen, die in ihr leben.

Wie wurde die Madrasa finanziert? Organisierte Barmherzigkeit

Hier liegt der Kern der ganzen Geschichte. Auch Herrscher und Wesire stifteten Madaris, aber sie taten es über denselben Weg wie alle anderen, den Waqf. Im Kern war die Madrasa organisierte Barmherzigkeit: Menschen, die etwas hatten, verwandelten ihre Sadaqah in eine Einrichtung, die weiterwirkte, wenn sie selbst längst gestorben waren. Das ist der Gedanke der Sadaqah Jariyah, der fortlaufenden Gabe, in Stein, Mieteinnahmen und Bücher gegossen.

Wie groß das werden konnte, zeigt Algerien. Im vorkolonialen Algerien war nach der Schätzung des Rechtshistorikers David S. Powers bis zur Hälfte des landwirtschaftlich genutzten Bodens als Waqf gebunden. Aus den Erträgen liefen Koranschulen, Madaris, Zawiyas, Bibliotheken, Brunnen und Hospize. Die ganze Geschichte steht in unserem Beitrag über den Waqf, der ein halbes Land trug.

Drei Dinge machten dieses System stark:

  1. Es war dauerhaft. Der Grundbesitz war gebunden, nur die Erträge flossen.
  2. Es hatte einen konkreten Zweck. Ein Stifter bestimmte, wofür sein Besitz da war: eine Schule, ein Brunnen, die Armen einer Stadt.
  3. Es gehörte dem Zweck. Der Besitz konnte weder verkauft noch vererbt werden.
Zeitleiste der islamischen Bildung von 624 bis 1857 mit Badr, al-Qarawiyyin, Nizamiyya, Bou-Inania, Ulugh Beg, Süleymaniye, Macaulay und Faidherbe
Von Badr bis zur Kolonialzeit: wichtige Stationen der Madrasa.

Was veränderte die Kolonialzeit an der islamischen Bildung?

Lange Zeit ging der Austausch in beide Richtungen. Europäische Medizinschulen wie Montpellier, Padua und Pisa arbeiteten mit Übersetzungen von Ibn Sina, al-Zahrawi und Jabir ibn Hayyan. Mit der Kolonialzeit änderte sich das Verhältnis. Malik beschreibt den Wechsel als Übergang vom Austausch zur Vorherrschaft.

Indien: Macaulay und das Jahr 1857

Am 2. Februar 1835 legte Thomas Babington Macaulay, Mitglied des Regierungsrats der Ostindien-Kompanie, seine Denkschrift zur Bildung vor. Darin steht der Satz, er habe unter den Kennern der orientalischen Gelehrsamkeit niemanden getroffen, der bestreiten könne, dass „ein einziges Regal einer guten europäischen Bibliothek die gesamte einheimische Literatur Indiens und Arabiens aufwiegt". Ziel der Schulpolitik sei eine Schicht von Menschen, „indisch nach Blut und Hautfarbe, aber englisch im Geschmack, in den Ansichten, in der Moral und im Verstand".

Nach dem Aufstand von 1857 gewann die britische Kolonialverwaltung erheblich mehr Einfluss auf das Bildungswesen. Traditionelle Bildungswege verloren zunehmend an Bedeutung für den Zugang zu staatlichen Ämtern.

Westafrika und Algerien

Im selben Jahr 1857 begann in Senegal der französische Gouverneur Louis Faidherbe mit einer Reihe von Erlassen, die den Einfluss der Koranschulen beschränken sollten. Nach Malik hatten diese Schulen die Region bis dahin rund 900 Jahre lang geprägt.

In Algerien hielten französische Forscher zu Beginn der Besatzung fest, der Anteil der Menschen, die lesen und schreiben konnten, liege höher als in Frankreich. Danach wurden die Stiftungen ab 1830 Schritt für Schritt abgewickelt. Am 26. Juli 1873 schaffte das Gesetz Warnier das islamische Eigentumsrecht in Algerien ab.

Die drei Folgen

Malik fasst die Folgen in drei Punkten zusammen:

  • Die Schule wurde zum Werkzeug des Staates.
  • Die bestehenden Lehrstätten verloren ihre Selbstständigkeit, weil ihnen die Stiftungen genommen oder unter staatliche Aufsicht gestellt wurden.
  • Die neuen Schulen brachten eine einheimische Führungsschicht hervor, die dem kolonialen Vorhaben verbunden war.

Am folgenreichsten war vielleicht etwas, das man nicht sieht: Das Wissen wurde in zwei Hälften geteilt. Hier die „modernen" Fächer, die zu Amt und Einkommen führten. Dort die „religiösen", die man der Moschee überließ. Eine Trennung, die vorher so nicht gegolten hatte, wurde zur Regel.

Was können wir heute daraus lernen? Wir bauen unsere Madrasa selbst

Aus dieser Geschichte folgt etwas Unbequemes und zugleich Befreiendes. Die Madrasa ist nicht am fehlenden Willen der Geschwister gescheitert. Sie verlor ihre Grundlage, als man ihr die Stiftungen nahm. Und was einer Gemeinschaft genommen wurde, kann sie sich Schritt für Schritt zurückholen, wenn sie weiß, wie es funktionierte.

Hier steht die Ummah in Deutschland heute. Einen Waqf in der alten Größe gibt es nicht. Aber es gibt Gemeinden, die Wochenendschulen tragen, Arabischkurse am Samstag, Hafiz-Klassen und Bibliotheken im Gemeindehaus. Bezahlt wird das nicht aus einem Haushaltstitel, sondern von denen, die es nutzen und wollen. Das ist keine Notlösung, sondern knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an: Gemeinschaften finanzierten Bildung über Stiftungen und eigene Mittel, auch unabhängig von staatlichen Einrichtungen.

Wie lebt die Ummah wieder wie damals? Nicht, indem wir Gebäude nachbauen, sondern indem wir drei Dinge zurückholen:

1. Einen Zweck, den man benennen kann. Kein „für die Bildung", sondern: ein Unterrichtsraum für die Kinder der Gemeinde, ein Lehrer für das Wochenende, Bücher für die Bibliothek. Der Stifter von damals wusste, wofür sein Besitz da war. Deine Sadaqah soll es heute auch wissen.

2. Eine Gemeinschaft, die mitträgt. Fatima al-Fihri gab ihr Erbe, aber ein Netz aus Schulen entstand erst, weil viele Stifter nachzogen. Das war Fard al-Kifaya in der Praxis: Nicht jeder muss alles tun, aber es muss getan werden. Wie eine Gemeinde das Schritt für Schritt aufbaut, steht in unserem Leitfaden zum Gemeindeaufbau.

3. Dauer statt Einmalaktion. Der Waqf bindet Vermögen, damit es weiterwirkt. Das ist ein anderer Gedanke als die einzelne Spende: Woche für Woche, Freitag für Freitag. Deshalb gibt es auf commonsplace die Freitags-Sadaqah, und deshalb sprechen wir von muslimischer Selbstorganisation. Das Wort dafür ist alt: Rahma, Barmherzigkeit, die nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern organisiert wird.

Wie Eltern in Deutschland heute mit Schule, Religionsunterricht und eigenen Angeboten umgehen, beschreibt unser Beitrag über Bildung im Islam. Wie ein solches Lebenswerk aussehen kann, zeigt die Koranschule von Fatou Gaye in Gambia.

commonsplace: der Ort für eigene Struktur und Unabhängigkeit

In eigener Sache: commonsplace ist eine Crowdfunding-Plattform, gibt diesen Blog heraus und begleitet selbst Bildungsprojekte.

Die alten Stifter brauchten einen Ort, an dem ihr Vorhaben dauerhaft seinem Zweck gehört. Diesen Ort bauen wir mit commonsplace für die deutsch-muslimische Ummah neu: die Plattform, auf der Gemeinden ihre Bildung selbst organisieren und finanzieren.

  • Dein Vorhaben gehört deiner Gemeinde. Ihr bestimmt Zweck, Ziel und Text. Kein Amt und kein Förderprogramm entscheidet, was ihr baut. Das ist die Unabhängigkeit, die die Madrasa jahrhundertelang getragen hat.
  • Eine eigene Struktur statt einer nackten Kontonummer. Aus einem Aufruf wird ein Crowdfunding-Projekt mit Ziel, sichtbarem Fortschritt und Neuigkeiten. Die Unterstützer sehen jederzeit, wie weit das Vorhaben ist.
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Die Madaris, Bibliotheken und Krankenhäuser von damals fielen nicht vom Himmel. Stifter haben sie gebaut, eine Gründung nach der anderen, und so ist eine Zivilisation des Wissens gewachsen. Die Ummah baut sie wieder auf, und commonsplace ist der Ort dafür. Was gerade läuft, steht auf der Themenseite Bildung.

Deine Gemeinde braucht einen Unterrichtsraum, eine Wochenendschule oder eine Bibliothek?

Dann gib ihr auf commonsplace ihren eigenen Ort. Projekt starten, Bildungsprojekte mittragen oder erst einmal ansehen, was andere machen.

Jede Wochenendschule, jede Bibliothek, jedes Gemeindehaus ist ein Baustein.

Möge Allah jede Hand annehmen, die für das Wissen gibt, und aus jedem kleinen Anfang eine Quelle machen, die weiterfließt.

Häufige Fragen zur Geschichte der Madrasa

Was ist eine Madrasa? Eine Madrasa ist eine islamische Lehrstätte. Das arabische Wort heißt wörtlich „Ort des Lernens" und bezeichnet heute in vielen Ländern jede Schule. Historisch meint es die höhere Lehranstalt, in der vor allem Recht, Koran und Hadith gelehrt wurden, je nach Ort auch Logik, Mathematik und Medizin. Mehr dazu im Eintrag Madrasa: die Lehrstätte.

Wann entstand die erste Madrasa? Gelernt wurde von Anfang an, zuerst in Wohnhäusern wie dem Haus des al-Arqam und dann in Moscheen. Als eigene Einrichtung mit Stiftung, Lehrern und Studentenzimmern verbreitete sich die Madrasa im 10. und 11. Jahrhundert, besonders mit der Nizamiyya in Bagdad, die 1067 eröffnet wurde.

Was ist die älteste noch bestehende Lehrstätte der Welt? Nach dem Guinness-Buch der Rekorde die al-Qarawiyyin in Fès, gegründet 859. Nach der Überlieferung geht sie auf eine Stiftung von Fatima al-Fihri zurück.

Wie wurden Madaris finanziert? Überwiegend über den Waqf. Ein Stifter band Land, Gebäude oder Einnahmen dauerhaft an die Schule, und aus den Erträgen wurden Lehrer, Unterkunft und oft auch Verpflegung der Studenten bezahlt.

Was wurde in einer Madrasa gelehrt? Die überlieferten Wissenschaften wie Koran, Hadith, Recht und Arabisch, an vielen Orten auch Verstandeswissenschaften wie Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin. Welche Fächer im Vordergrund standen, hing von Ort, Zeit und Stiftung ab.

Durften Frauen in einer Madrasa lernen? Ja, wenn auch in unterschiedlicher Form. Unter den Mamluken gab es in Kairo und Damaskus Schulen für Frauen, und Frauen traten auch selbst als Stifterinnen auf, wie die Überlieferung zu Fatima al-Fihri in Fès zeigt.

Was hat der Kolonialismus an der islamischen Bildung verändert? Nach Faisal Malik vom Yaqeen Institute vor allem dreierlei: Die Schule wurde zum Werkzeug des Staates, die alten Lehrstätten verloren ihre Stiftungen und ihre Unabhängigkeit, und das Wissen wurde in weltliche und religiöse Fächer getrennt. Beispiele sind Macaulays Denkschrift von 1835 in Indien und die Erlasse von Louis Faidherbe in Senegal ab 1857.

Was bedeutet Ta'dib? Ta'dib ist die Formung des Charakters, das Erlernen von Adab. Für Syed Muhammad Naquib al-Attas ist es der eigentliche islamische Begriff für Bildung, weil er Wissen und Handeln zusammenhält.

Wie kann eine Gemeinde heute eine Wochenendschule oder Madrasa aufbauen? Mit einem benannten Zweck wie Raum, Lehrer oder Material, mit einer Gemeinschaft, die mitträgt, und mit einer Finanzierung, die über eine einzelne Aktion hinausgeht. Wie das Schritt für Schritt geht, steht im Leitfaden zum Gemeindeaufbau. Ein Crowdfunding-Projekt lässt sich auf commonsplace kostenlos anlegen.

Quellen

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Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

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