Namima: das Zutragen
Worte weitertragen, damit sie Schaden anrichten, und was daran anders ist als Nachrede.
Namima ist das Weitertragen von Worten mit der Wirkung, Menschen zu entzweien. Es genügt, dass es entzweit; die Worte müssen dafür nicht einmal erfunden sein.
Woher das Wort kommt
Namima kommt von einer Wurzel mit der Bedeutung leise weitergeben oder flüstern. Wer es tut, heißt Nammam oder Qattat, der Zuträger.
Im Alltag
Der überlieferte Satz ist knapp:
Ein Zuträger wird das Paradies nicht betreten.
Sahih al-Bukhari 6056
Die Form ist im deutschen Alltag vertraut: „Ich sag dir das nur, damit du es weißt, aber sie hat über dich gesagt …" Die Absicht ist selten offen böse. Der Schaden entsteht trotzdem, weil zwei Menschen danach nicht mehr unbefangen miteinander reden können.
Die klassische Empfehlung an den, dem etwas zugetragen wird, ist bemerkenswert praktisch: dem Zuträger nicht glauben, ihn nicht ermutigen, das Gehörte nicht weitergeben und über den Abwesenden nichts Schlechtes denken, solange man nur eine Seite kennt.
Nicht zu verwechseln mit
Der Ghiba. Bei der Ghiba redet man über einen Abwesenden. Bei der Namima trägt man Worte zwischen zwei Menschen hin und her, damit etwas zwischen ihnen zerbricht.
Häufige Fragen
Was, wenn es stimmt? Genau darin liegt der Unterschied zur Lüge. Namima ist auch dann Namima, wenn das Gesagte wahr ist.
Gibt es Ausnahmen? Ja, wo eine Warnung Schaden abwendet, etwa bei drohender Gefahr für jemanden. Dann geht es um Schutz, nicht um Entzweiung.
Was macht man, wenn einem etwas zugetragen wird? Nachfragen, ob man die andere Seite gehört hat, und nichts weitergeben.
Quellen
- Der Zuträger, überliefert von Hudhaifa: Sahih al-Bukhari 6056.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.