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Urf: die Gewohnheit

Die örtliche Gewohnheit. Sie entscheidet mehr, als man denkt.

Kareem C.
2 Min. Lesezeit

Urf bezeichnet das ortsübliche Herkommen: was Menschen an einem Ort für angemessen halten. Im Fiqh entscheidet die Gewohnheit überall dort mit, wo ein Text keinen festen Maßstab vorgibt.

Woher das Wort kommt

Urf kommt von arafamaruf, dem Rechten oder Anerkannten, das im Quran häufig vorkommt, etwa im Gebot, zum Rechten anzuhalten.

Im Alltag

Der Grundsatz lautet: Die Gewohnheit gilt als Maßstab. Sie beantwortet Fragen, die ein Text bewusst offenlässt:

  • Wie hoch ist eine angemessene Brautgabe? Nach dem, was am Ort üblich ist.
  • Was schuldet ein Ehemann an Unterhalt? Was am Ort als angemessen gilt.
  • Was gehört zu einer ordentlichen Lieferung, was zu einer Vergütung, wann ist eine Frist gewahrt? Nach dem Üblichen.

Der Quran nennt die Anerkennung des Üblichen ausdrücklich: Nimm den Überschuss an, gebiete das Anerkannte, und wende dich von den Unwissenden ab.

Die Grenze ist einfach: Eine Gewohnheit gilt nur, solange sie nichts Untersagtem entspricht. Ein verbreiteter Brauch wird durch Verbreitung nicht zulässig.

Für Deutschland folgt daraus mehr, als es zunächst scheint. Kleidung, Umgangsformen, Feiern, Essgewohnheiten, Berufsbilder: Vieles, was in Herkunftsländern als religiös gilt, ist dort örtlicher Urf. Wer hier lebt, darf den hiesigen Urf zugrunde legen, solange nichts Untersagtes berührt ist — und muss nicht die Gewohnheit einer anderen Gegend mit übernehmen.

Nicht zu verwechseln mit

Der Bid’a. Diese betrifft neue Formen im Gottesdienst; Urf betrifft die Angelegenheiten außerhalb davon.

Häufige Fragen

Kann Gewohnheit ein Verbot aufheben? Nein. Sie füllt aus, wo kein Maßstab vorgegeben ist.

Ändert sich Urf? Ja, mit Zeit und Ort — deshalb ändern sich auch Auskünfte, die darauf beruhen; siehe Fatwa.

Gilt deutscher Urf für Muslime? Ja, in den Bereichen, in denen die Gewohnheit den Maßstab bildet.

Quellen

  • „Gebiete das Anerkannte": Quran, Sure 7, Vers 199.
  • Angemessener Unterhalt nach dem Üblichen: Quran, Sure 2, Vers 233.
  • Zur Vertiefung: Methodology, Yaqeen Institute.

Verwandte Begriffe: Fiqh, Maslaha, Adab.

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KC

Kareem C.

Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.

Fachlich geprüft

Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen oder die Richtungen auseinandergehen, steht das im Text.

Weitere Begriffe

Ganzes Glossar →
Basmala
Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Der Satz vor allem anderen.
Ayat al-Kursi
Der bedeutendste Vers des Quran. Nach jedem Gebet und vor dem Schlafen.
Al-Fatiha
Sieben Verse, in jeder Gebetseinheit. Überliefert als Gespräch zwischen Diener und Herrn.

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