Din: mehr als Religion
Meist mit „Religion" übersetzt. Das Wort umfasst deutlich mehr.
Din wird im Deutschen fast immer mit „Religion" übersetzt. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz: Das arabische Wort umfasst zugleich die Lebensweise, den Gehorsam, die Abrechnung und die Vergeltung — Dinge, die im deutschen Religionsbegriff nicht mitschwingen.
Woher das Wort kommt
Die Wurzel lautet d-y-n. Der Islamologe Amir Zaidan führt in seiner Islamologischen Enzyklopädie zwölf Bedeutungen auf, die das Wort im Arabischen trägt, darunter: die Vergeltung, die Belohnung, die Abrechnung, den Gehorsam, die Gewohnheit, die Hingabe, die Art den Schöpfer anzubeten, die Gerichtsbarkeit, den Zustand, die Herrschaft.
Aus derselben Wurzel kommen außerdem dayn, die Schuld, madin, verschuldet, und ad-Dayyan, einer der Namen Allahs: der Herrscher und Richter. Und yaum ad-din, der Tag der Vergeltung, also der Jüngste Tag, den jede Fatiha nennt.
Warum der Unterschied zählt
Das deutsche Wort „Religion" beschreibt in der Regel einen abgegrenzten Bereich des Lebens: Glaubensinhalte, Gottesdienst, vielleicht Feiertage. Der Rest — Arbeit, Geld, Politik, Umgang — gilt als etwas anderes.
Genau diese Trennung kennt der Begriff Din nicht. Er umfasst, wie ein Mensch mit seinem Vermögen umgeht, wie er Verträge schließt, wie er über Abwesende spricht und wie er seine Nachbarn behandelt. Zaidan fasst die Bedeutung in Bezug auf den Menschen als die Gewissheit über Allahs Einzigkeit zusammen und zugleich als „der Gehorsam und die bewusste Erfüllung der von Allah gebotenen Lebensweise".
Praktisch heißt das: Wer fragt, ob eine Finanzierungsform zulässig ist, stellt keine Frage neben der Religion, sondern eine Frage darin. Deshalb behandelt das Fiqh Gebet und Kaufvertrag in denselben Werken.
Im Alltag
Der Quran gebraucht das Wort in mehreren dieser Bedeutungen. In Sure 109 heißt es: euch euer Din und mir mein Din. In Sure 2 steht der Satz, dass es keinen Zwang im Din gibt, und im selben Vers wird das Verwerfen des falschen Maßstabs genannt.
Im deutschen Sprachgebrauch von Muslimen taucht das Wort häufig unübersetzt auf: „für meinen Din", „das gehört zum Din". Wer den Begriffsumfang kennt, versteht, warum: Es gibt kein einzelnes deutsches Wort, das dasselbe abdeckt.
Nicht zu verwechseln mit
Der Scharia. Diese bezeichnet den offenbarten Weg mit seinen Geboten; Din ist der umfassendere Begriff, der die Haltung dazu einschließt.
Häufige Fragen
Heißt Din also nicht Religion? Es schließt Religion ein, geht aber darüber hinaus. Deshalb lassen viele deutschsprachige Autoren das Wort unübersetzt.
Was heißt „la ikraha fi d-din"? Es gibt keinen Zwang im Din. Der Satz steht in Sure 2, Vers 256.
Warum heißt der Jüngste Tag „yaum ad-din"? Weil dieselbe Wurzel Vergeltung und Abrechnung bedeutet.
Quellen
- „Euch euer Din und mir mein Din": Quran, Sure 109, Vers 6; „Kein Zwang im Din": Sure 2, Vers 256.
- Die Bedeutungen der Wurzel und die fachspezifische Definition: Amir Zaidan, Begriffsbestimmung von ad-diin, Islamologische Enzyklopädie.
- Zur Vertiefung: Faith, Yaqeen Institute.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Begriffsbestimmungen gegen die Islamologische Enzyklopädie von Amir Zaidan, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen.