Die Moscheegemeinde als Verein
Fast jede Moschee in Deutschland ist ein eingetragener Verein.
Fast jede Moschee in Deutschland wird von einem eingetragenen Verein getragen. Das Gebäude gehört damit weder dem Imam noch einem Verband, sondern dem Verein — und der gehört seinen Mitgliedern.
Wie es funktioniert
Der Verein hat eine Satzung, eine Mitgliederversammlung und einen gewählten Vorstand. Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand, beschließt über den Haushalt und entlastet ihn. Der Vorstand vertritt den Verein nach außen, schließt Verträge und stellt Personal ein, auch den Imam.
Viele Vereine sind als gemeinnützig anerkannt, weil sie religiöse Zwecke verfolgen. Das erlaubt Spendenbescheinigungen und befreit von bestimmten Steuern. Die Anerkennung ist an die Satzung und an die tatsächliche Geschäftsführung gebunden — wer sie behalten will, muss beides einhalten.
Was das praktisch heißt
Aus dieser Form folgt einiges, das im Gemeindealltag oft unterschätzt wird:
- Rechenschaft ist Pflicht, nicht Höflichkeit. Der Vorstand legt der Mitgliederversammlung Rechnung. Wer nach Zahlen fragt, übt ein Recht aus.
- Der Vorstand haftet. Für Verbindlichkeiten haftet zunächst der Verein; bei grober Pflichtverletzung können Vorstandsmitglieder persönlich in Anspruch genommen werden.
- Spenden sind zweckgebunden. Wer für einen Anbau sammelt, darf das Geld nicht für laufende Kosten verwenden. Das gilt nach deutschem Recht wie nach dem Grundsatz der Amanah.
- Das Gebäude ist gebunden. Wird eine Moschee als Waqf verstanden, soll sie dauerhaft dem Zweck dienen. Im deutschen Recht wird das über die Satzung abgebildet, die bei Auflösung die Verwendung des Vermögens festlegt.
Neben dem Verein gibt es weitere Formen: die rechtsfähige Stiftung, die Genossenschaft für Bauprojekte und in wenigen Fällen die Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Verein bleibt der Normalfall, weil er einfach zu gründen und zu führen ist.
Häufige Fragen
Wem gehört die Moschee? Dem Verein als juristischer Person, nicht einzelnen Personen.
Wer bestimmt den Imam? Der Vorstand, teils in Abstimmung mit einem Dachverband, der ihn entsendet.
Wie viele Mitglieder braucht ein Verein? Sieben zur Gründung, drei zum Fortbestand.
Quellen
- „Wer für Allah eine Moschee baut, dem baut Allah Gleiches im Paradies", überliefert von Uthman ibn Affan: Sahih al-Bukhari 450.
- „Allah befiehlt euch, das Anvertraute seinen Berechtigten zu übergeben": Quran, Sure 4, Vers 58.
- Zur Vertiefung: Islam in the West, Yaqeen Institute.
Verwandte Begriffe: Waqf, Mutawalli, Moscheen in Deutschland.
Kareem C.
Kareem C. schreibt für die Redaktion des CommonsBlog. Die Beiträge entstehen aus Quellenarbeit, jeder Artikel führt seine Belege am Ende auf.
Fachlich geprüft
Die religiösen Angaben sind gegen SeekersGuidance und das Yaqeen Institute abgeglichen, die Hadithe mit Sammlung und Nummer belegt, und der Eintrag wurde vor der Veröffentlichung von einem Imam gegengelesen. Wo die Rechtsschulen oder die Richtungen auseinandergehen, steht das im Text.